APA - Austria Presse Agentur

Studie: Biontech-Vakzin schützt Kinder ab zwölf vor Covid-19, EMA entscheidet am Freitag

27. Mai 2021 · Lesedauer 3 min

In der Studie trat demnach bei mehr als 1.000 geimpften Kindern und Jugendlichen kein Covid-19-Fall auf. In der etwa gleichen großen, ungeimpften Kontroll-Gruppe waren es 16 Fälle. Die EMA will voraussichtlich am Freitag darüber entscheiden, ob der Impfstoff für Kinder zugelassen wird.

Der Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer schützt auch Kinder zwischen zwölf und 15 Jahren sicher vor einer Covid-19-Erkrankung. Das zeigen jetzt veröffentlichte Daten, die bereits Grundlage für die Notfall-Zulassung des Impfstoffs in den USA in dieser Altersgruppe waren und die der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) zur Zulassungsprüfung vorliegen. In der Studie trat demnach bei mehr als 1.000 geimpften Kindern und Jugendlichen kein Covid-19-Fall auf. In der etwa gleichen großen, ungeimpften Kontroll-Gruppe waren es 16 Fälle.

Daten von 2.260 Kindern

Die Forscher hatten Daten von insgesamt 2.260 Kindern zwischen zwölf und 15 Jahren ausgewertet. Diese hatten im Abstand von 21 Tagen zwei Dosen des Impfstoffes (1.131 Kinder) oder Placebo-Spritzen mit Kochsalzlösung (1.129 Kinder) erhalten. Für jeweils sieben Tage nach den Injektionen notierten die Teilnehmer eventuelle Impfreaktionen. Unerwünschte Wirkungen wurden bis zu sechs Monate nach der zweiten Spritze erfasst.

Nach der Impfung sei es überwiegend allenfalls zu leichten Impfreaktionen wie Müdigkeit oder Kopfschmerzen gekommen, schreiben die Wissenschafter im "New England Journal of Medicine". Die positiven Ergebnisse rechtfertigten auch Tests bei jüngeren Kindern oder anderen, besonders schützenswerten Gruppen wie schwangere Frauen, betonen sie.

Stabile Immunantwort

Die Wirksamkeit einer zweifachen Impfung lag den Forschern zufolge bei 100 Prozent, da es in der Studien-Gruppe im Vergleich zur Placebo-Gruppe keinen Covid-19-Fall gegeben habe. Abgesehen davon zeigten auch Labortests, dass die Impfung eine stabile Immunantwort erzeugte, sie war sogar besser als in der Gruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 16 und 25 Jahren.

Wie in anderen Altersgruppen seien die Impfreaktionen, wenn sie auftraten, mild bis moderat gewesen. Die Teilnehmer klagten über Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit, Kopfschmerzen und Fieber - nach der zweiten Dosis häufiger als nach der ersten. Die Beschwerden verschwanden meist innerhalb von wenigen Tagen. Schwerere unerwünschte Wirkungen wie Thrombosen oder ein anaphylaktischer Schock traten nicht auf.

EMA entscheidet voraussichtlich am Freitag

Die US-Arzneimittelbehörde FDA hatte die Notfallzulassung für den Impfstoff Comirnaty des deutschen Herstellers Biontech und seines US-Partners Pfizer am 10. Mai auf Kinder und Jugendliche im Alter von zwölf bis 15 Jahren ausgeweitet. Bei der europäischen Zulassungsbehörde liegt seit Ende April ein entsprechender Antrag vor. Die EMA will voraussichtlich am Freitag darüber entscheiden, eine Zulassung gilt als wahrscheinlich. Sobald die Genehmigung der EMA erteilt ist, werde die angepasste bedingte Zulassung in allen 27 Mitgliedsstaaten der EU gültig sein, hieß es.

Das nationale Impfgremium in Österreich will die Entscheidung der EMA abwarten, bevor eine Empfehlung ausgegeben wird. Das bestätigte der Infektiologe Herwig Kollaritsch im Interview mit PULS 24.

Der Infektiologe Herwig Kollaritsch, der Mitglied des nationalen Impfgremiums ist, will die Entscheidung der EMA zur Zulassung des Corona-Impfstoffs für Über-12-Jährige abwarten bevor das nationale Impfgremium eine Empfehlung ausgibt.

Nur wenn die Wissenschaft die Datenlage gründlich prüft, dann sei eine Zulassung von Corona-Impfstoffen für Kinder über 12 Jahren zu begrüßen, sagte hingegen Frank-Ulrich Montgomery, Weltärztepräsident, im Newsroom LIVE. 

Er gehe davon aus, dass die EMA den Impfstoff und dessen Nebenwirkungen auf Über-12-Jährige gründlich prüfe, bevor es zu einer Zulassung kommt. Wenn die Datenlage es zulassen, dann "ist eine Zulassung mit Sicherheit zu begrüßen", sagt Montgomery.

Weltärztepräsident über Impfzulassung für Kinder: "Entscheidung darf keine politische sein"

Auch für Kinder im Kindergartenalter müsse man das Risiko abwägen. Sollten die Nebenwirkungen für diese Altersgruppe schlimmer sein, als eine Erkrankung, "dann wird man diese Kinder nicht impfen dürfen. Die Kernaussage wird immer die gleiche sein: Der Nutzen muss größer sein als der Schaden", erklärt der Weltärztepräsident.

Quelle: Agenturen / moe