"Dieser Krieg macht keinen Sinn": Westen reagiert auf russische Invasion

24. Feb. 2022 · Lesedauer 7 min

Der Westen reagiert entsetzt auf Russlands Einmarsch in die Ukraine. UNO-Chef Antionio Guterres etwa appellieren an Wladimir Putin, den Angriff zu stoppen. USA und EU kündigen bereits Sanktionen gegen Russland an und zeigen sich solidarisch mit der Ukraine.

"Ich habe die Entscheidung für eine Militäroperation getroffen", sagte der russische Präsident Wladimir Putin in einer Fernsehansprache in der Nacht auf Donnerstag und startete einen Angriff gegen die Ukraine. Der Westen reagiert durchwegs entsetzt auf Putins Vorgehen. 

"Dieser Konflikt muss beendet werden"

Fast zeitgleich mit Putins Ansprache etwa forderte UNO-Generalsekretär António Guterres Putin bei einer Dringlichkeitssitzung des UNO-Sicherheitsrats auf, die Ukraine nicht anzugreifen. Nach der russischen Einmarschankündigung appelliert Guterres: "Präsident Putin, im Namen der Menschlichkeit: Bringen Sie Ihre Truppen zurück nach Russland", sagte Guterres nach der Dringlichkeitssitzung. "Dieser Konflikt muss jetzt beendet werden." Guterres sprach von dem möglicherweise schwersten Konflikt in Europa seit Jahrzehnten und seinem "traurigsten Tag" als UNO-Generalsekretär. Die Folgen für die Weltwirtschaft seien unvorhersehbar. "Für mich ist klar, dass dieser Krieg keinen Sinn macht. Es verstößt gegen die Grundsätze der (UNO)-Charta."

Auch NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg verurteilte "den rücksichtslosen Angriff Russlands auf die Ukraine, der das Leben unzähliger Zivilisten gefährdet" über Twitter. Dabei handle es sich um einen schweren Verstoß gegen das Völkerrecht "und eine ernsthafte Bedrohung für die euro-atlantische Sicherheit".

"EU steht an der Seite der Ukraine"

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen verurteilt "die beispiellose militärische Aggression Russlands gegen die Ukraine". Russland müsse das Militär abziehen und die EU werde mit "weiteren restriktiven Maßnahmen" reagieren.

Die EU hat nach dem von Russlands Präsidenten Wladimir Putin gestartete Angriff gegen die Ukraine am Donnerstag umgehend ein neues Sanktionspaket gegen Russland angekündigt. Laut Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Ratschef Charles Michel werde dieses "massive und schwerwiegende Folgen" für das Land haben. Ein für den Abend geplanter Krisengipfel solle darüber beraten. 

"Unnötiger Akt der Aggression"

Die Gebete der ganzen Welt sind heute Nacht beim ukrainischen Volk, während es unter einem unprovozierten und ungerechtfertigten Angriff durch die russischen Streitkräfte leidet", erklärte Biden. "Präsident (Wladimir) Putin hat sich für einen vorsätzlichen Krieg entschieden, der zu einem katastrophalen Verlust an Leben und zu menschlichem Leid führen wird", sagte Biden. Die USA und ihre Verbündeten würden Russland entschlossen dafür "zur Rechenschaft ziehen", erklärte er. Biden erklärte weiter, er werde die Situation im Laufe der Nacht weiter im Weißen Haus beobachten und von seinem Sicherheitsteam unterrichtet werden.

"Putin hat sich für Blutvergießen entschieden"

Der britische Premierminister Boris Johnson zeigte sich "entsetzt über die schrecklichen Ereignisse in der Ukraine". Er habe mit Selenskyj über die nächsten Schritte gesprochen, schreibt er auf Twitter. "Präsident Putin hat sich mit diesem unprovozierten Angriff auf die Ukraine für einen Weg des Blutvergießens und der Zerstörung entschieden", heißt es dazu im Posting. Großbritannien und dessen Verbündete "werden entschlossen darauf reagieren".

"Schlimmsten Erwartungen sind eingetreten"

Bundeskanzler Karl Nehammer verurteilte seinerseits den Angriff gegen die Ukraine. "In den letzten Stunden hat die Russische Föderation erneut eine eklatante Verletzung des Völkerrechts begangen, die wir zutiefst ablehnen und klar verurteilen", hieß es in einer Mitteilung. "Österreichs uneingeschränkte Solidarität gilt der Ukraine. In diesen schweren Stunden sind unsere Gedanken bei der Bevölkerung der Ukraine." Fest stehe, "dass dieser neuerliche Angriff auf die territoriale Integrität und Souveränität der Ukraine nicht unbeantwortet bleiben" werde, so Nehammer.

"Unsere schlimmsten Erwartungen sind eingetreten" äußert sich auch Österreichs Außenminister Alexander Schallenberg zur Wort.  Russland habe "den Weg der Gewalt gewählt. In diesen schweren Stunden stehen wir an der Seite der Ukraine und des ukrainischen Volkes", schreibt Schallenberg auf Twitter.

"Ein dunkler Tag für Europa"

Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz sprach von einem "eklatanten Bruch des Völkerrechts". Der russische Angriff sei "durch nichts zu rechtfertigen", erklärt er in Berlin. "Dies ist ein furchtbarer Tag für die Ukraine und ein dunkler Tag für Europa."

Die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock verurteilte den russischen Militäreinsatz gegen die Ukraine scharf. "Mit dem Angriff auf die Ukraine bricht Russland mit den elementarsten Regeln der internationalen Ordnung. Die Weltgemeinschaft wird Russland diesen Tag der Schande nicht vergessen", erklärte die Grünen-Politikerin am Donnerstag in einer ersten Reaktion. Deutschland werde gemeinsam mit Partnern reagieren. "Unsere ganze Solidarität gilt der Ukraine", schrieb Baerbock.

"Unseren Herzen sind bei Menschen in Ukraine"

Der belgische Ministerpräsident Alexander De Croo sprach von "Europas dunkelster Stunde seit dem Zweiten Weltkrieg". Belgien verurteile den Angriff scharf, schrieb der Politiker auf Twitter. Die russische Aggression sei unnötig und unprovoziert. Man sei in engem Kontakt mit der NATO und der EU. "Unsere Herzen und Gedanken sind bei den Menschen in der Ukraine."

Unterstützung aus Italien

Die italienische Regierung hielt fest: "Dieser Angriff ist ungerechtfertigt. Italien steht dem ukrainischen Volk und den ukrainischen Institutionen in diesem dramatischen Moment bei. Wir arbeiten mit unseren europäischen Verbündeten und mit der NATO zusammen, um sofort, geschlossen und entschlossen zu reagieren", hieß es in einer Mitteilung des italienischen Premiers Mario Draghi am Donnerstag. Di Maio fügte hinzu, dass Italien sich bemühen werde, die Auswirkungen der vom Westen gegen Russland verhängten Sanktionen auf seine Wirtschaft und seine strategischen Interessen "so weit wie möglich" zu begrenzen.

Italien erwägt, rund 110 Millionen Euro (124,75 Millionen Dollar) zur Unterstützung der Ukraine bereitzustellen, deren Wirtschaft durch die anhaltende Krise mit Russland schwer getroffen wurde. Dies sagte Außenminister Luigi Di Maio am Mittwoch im Parlament. Der Außenminister betonte, der Schritt werde darauf abzielen, "die ukrainische Bevölkerung und Wirtschaft in Bereichen zu unterstützen, die mit den Behörden in Kiew vereinbart werden".

"Müssen sofort reagieren"

Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki forderte eine rasche und entschlossene Antwort auf den russischen Angriff auf die Ukraine. "Wir müssen sofort auf die verbrecherische Aggression Russlands gegen die Ukraine reagieren", schrieb er am Donnerstag auf Twitter. "Europa und die freie Welt müssen Putin stoppen", ergänzte er. Die EU müsse die schärfsten möglichen Sanktionen beschließen. "Unsere Unterstützung für die Ukraine muss echt sein", fügte er hinzu.

"Zutiefst schockiert und enttäuscht"

Estlands Staatspräsident Alar Karis äßuerte sich bestürzt. "Wieder einmal hat Präsident Putin den Weg des Krieges gewählt. Ich bin zutiefst schockiert und enttäuscht", erklärte er am Donnerstag in Tallinn. Russlands neuerliche Offensive sei eine "Kriegserklärung an alle demokratischen Nationen und an die bestehende Sicherheitsordnung."

Moskau zeige sich völlig sorglos gegenüber dem Leben der ukrainischen Menschen sowie seiner eigenen russischen Bürger. "Die absurden Vorwände der russischen Führung, die Ukraine anzugreifen, sind falsch, unbegründet und kriminell. Sie wurden erfunden, damit Präsident Putin eine Aggression gegen eine Nation rechtfertigen kann, die Russland nie bedroht hat", betonte Karis.

"Schwerwiegende Konsequenzen" angekündigt

Auch Kanada verurteilte die Einmarschankündigung Russlands in die Ukraine "aufs Schärfste". "Russlands Vorgehen wird schwerwiegende Konsequenzen nach sich ziehen", teilte Premier Justin Trudeau am Mittwochabend (Ortszeit) mit.

Neuseeland sprach von einem "eklatanten Verstoß gegen grundlegende internationale Regeln".

Quelle: Agenturen / Redaktion / pea