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Der lange Konflikt zwischen Israel und dem Iran

Heute, 12:47 · Lesedauer 7 min

Israel hat am Samstag erneut mit Hilfe der USA Ziele im Iran angegriffen - trotz der Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Islamischen Republik über das iranische Atomprogramm. US-Präsident Donald Trump hatte mehrfach mit einem Militäreinsatz gedroht, sollte es zu keiner Einigung kommen. Der Iran hatte für den Fall Vergeltung angekündigt.

Der erneute Angriff auf den Iran findet nur wenige Tage nach der dritten Gesprächsrunde in Genf am Donnerstag statt, für kommenden Freitag war eine vierte Runde geplant. Im Folgenden die wichtigsten Entwicklungen in dem seit Jahrzehnten schwelenden Konflikt zwischen Israel und dem Iran:

1979

Der pro-westliche und von den USA unterstützte Machthaber im Iran, Mohammad Reza Schah Pahlavi, wird im Zuge der Islamischen Revolution gestürzt. Der Schah bestieg 1941 den Thron und sah den 1948 gegründeten Staat Israel als Verbündeten an. Nach der Revolution gründet der aus dem französischen Exil zurückgekehrte Ayatollah Ruhollah Khomeini die Islamische Republik Iran. Von nun an ist die Feindschaft gegen Israel Gebot.

1982

Israels Militär marschiert im nördlichen Nachbarland Libanon ein. Dort entwickelte sich die Hisbollah (Partei Gottes) während des Bürgerkrieges 1975 bis 1990 von einer kleinen schiitischen Gruppe zu einer einflussreichen Größe über den Libanon hinaus. Die iranischen Revolutionsgarden gründen 1982 die Hisbollah-Miliz, um ihre Islamische Revolution zu exportieren. Ziel ist es auch, das israelische Militär wieder zurückzudrängen. Israel betrachtet die Miliz schließlich als den gefährlichsten Gegner an seinen Grenzen.

1983

Die vom Iran unterstützte Hisbollah vertreibt mit Selbstmordattentaten westliche und israelische Streitkräfte aus dem Libanon. Im November fährt ein mit Sprengstoff vollgepacktes Auto in das Hauptquartier des israelischen Militärs. Israel zieht sich später aus großen Teilen des Libanon zurück.

1992 und 1994

In den beiden Jahren kommt es in Buenos Aires zu Selbstmordanschlägen auf die israelische Botschaft sowie auf ein jüdisches Zentrum. Dutzende Menschen kommen ums Leben. Argentinien und Israel werfen dem Iran und der Hisbollah vor, hinter den Attentaten zu stecken. Beide weisen jede Verantwortung zurück.

2002

Die Enthüllung, dass der Iran ein geheimes Programm zur Anreicherung von Uran betreibt, löst Befürchtungen aus, die Islamische Republik könne versuchen, eine Atomwaffe zu bauen. Der Iran bestreitet dies jedoch und erklärt, es gehe nur um die zivile Nutzung der Atomenergie. Israel fordert harte Maßnahmen gegen die Führung in Teheran. Israel selbst wird international zu den faktischen Atommächten gezählt, hat den Besitz von Atomwaffen allerdings nie offiziell bestätigt. Es hat den Atomwaffensperrvertrag, der die Nichtverbreitung von Atomwaffen vorsieht, nicht unterzeichnet. Dies haben unter anderem auch Pakistan und Indien nicht getan, die aber solche Waffen offiziell besitzen.

2006

In einem monatelangen Krieg kämpft das israelische Militär gegen die Hisbollah im Libanon. Es kann die schwer bewaffnete Miliz jedoch nicht besiegen und zieht die Truppen wieder ab.

2009

Der Oberste Führer des Iran, Ayatollah Ali Khamenei, bezeichnet in einer Rede Israel als "gefährlichen und tödlichen Krebs". Khamenei ist seit dem Tod Khomeinis im Jahr 1989 das politische und religiöse Oberhaupt des Iran.

2010

"Stuxnet", ein mutmaßlich von den USA und Israel entwickelter Computervirus, wird für einen Angriff auf die Urananreicherungsanlage im iranischen Natanz eingesetzt. Es ist der erste öffentlich bekannte Cyberangriff auf eine Industrieanlage.

2012

Der iranische Atomwissenschafter Mostafa Ahmadi-Roshan wird in Teheran durch eine Bombe getötet, die ein Motorradfahrer an seinem Auto angebracht hatte. Die Behörden machen Israel für den Anschlag verantwortlich.

2018

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu begrüßt den Rückzug der USA unter Präsident Donald Trump aus dem Wiener Atomabkommen mit dem Iran. Jahrelang hatte Netanyahu gegen das internationale Abkommen gekämpft. Trumps Entscheidung nennt er "einen historischen Schritt".

Im Mai erklärt Israel, es habe die iranische Militärinfrastruktur in Syrien angegriffen. Dort unterstützt der Iran im Bürgerkrieg zusammen mit Russland Präsident Bashar al-Assad. Iranische Streitkräfte hatten von syrischem Boden aus Raketen auf die Golanhöhen abgefeuert. Diese strategisch wichtige syrische Hügelkette hatte Israel 1967 im Sechstagekrieg besetzt und 1981 annektiert - was international nicht anerkannt ist.

2020

Israel begrüßt die gezielte Tötung von General Qassem Soleimani durch einen US-Drohnenangriff in der irakischen Hauptstadt Bagdad. Soleimani war Kommandant der Al-Quds-Brigaden, einer Sondereinheit für Auslandseinsätze der mächtigen iranischen Revolutionsgarde. Der Iran schlägt mit Raketenangriffen auf irakische Stützpunkte zurück, in denen US-Truppen stationiert sind. Etwa 100 US-Soldaten werden verletzt.

2021

Der Iran macht Israel für die Ermordung von Mohsen Fakhrizadeh verantwortlich, der von westlichen Geheimdiensten als Drahtzieher eines geheimen iranischen Programms zur Entwicklung von Atomwaffen angesehen wurde. Die Regierung in Teheran hat derartige Ambitionen immer wieder bestritten.

2022

US-Präsident Joe Biden und der israelische Ministerpräsident Yair Lapid unterzeichnen eine gemeinsame Verpflichtungserklärung zur Ablehnung iranischer Atomwaffen. Damit demonstrieren die Verbündeten, die lange Zeit über die Diplomatie gegenüber dem Iran uneins waren, nun ihre Einigkeit. Diese Zusage ist Teil der "Jerusalem-Erklärung", mit der Biden seinen ersten Besuch in Israel als Präsident krönt. Sie erfolgt einen Tag, nachdem er gegenüber einem lokalen Fernsehsender erklärt hat, er sei offen für den Einsatz von Gewalt gegen den Iran als "letztes Mittel" - ein Schritt, um Israels Forderungen nach einer "glaubwürdigen militärischen Drohung" entgegenzukommen.

2024

Bei einem mutmaßlichen israelischen Luftangriff auf das Gelände der iranischen Botschaft in Damaskus werden am 1. April sieben Offiziere der Revolutionsgarde getötet, darunter zwei ranghohe Kommandanten. Israel hat eine Verantwortung dafür weder bestätigt noch bestritten. Als Vergeltung feuert der Iran in der Nacht vom 13. auf den 14. April mehr als 300 Drohnen und Raketen in Richtung Israel ab, die nach israelischen Angaben aber zu 99 Prozent abgefangen werden.

Am 31. Juli tötet Israel Hamas-Chef Ismail Haniyeh mit einer gezielten Aktion in Teheran. Am 27. September kommt der Anführer der radikal-islamischen Hisbollah-Miliz, Hassan Nasrallah, bei einem israelischen Luftangriff im Libanon ums Leben. Der Iran, der die Hisbollah unterstützt, feuert am 1. Oktober als Vergeltung mehr als 180 Raketen auf Israel ab.

Am 26. Oktober wiederum greift Israel militärische Ziele im Iran an, nach eigenen Angaben als Reaktion auf die iranischen Raketenangriffe.

2025

Seit Jahren warnt Netanyahu vor dem Atomprogramm des Iran, durch das sich sein eigenes Land in seiner Existenz bedroht sehe. Mehrfach droht er mit einem Angriff auf die Atomanlagen - auch wenn Trump, Netanyahus engster Verbündeter, zugleich auf Verhandlungen mit dem Iran über ein neues Atomabkommen setzt. In der Nacht auf den 13. Juni greift das israelische Militär den Iran an. Das US-Militär unterstützt Israel bei dem Beschuss. Israel erklärt, Ziel des Präventivschlags gegen eine atomare Bewaffnung der Islamischen Republik seien Atomanlagen und militärische Standorte. Iranischen Staatsmedien zufolge werden sechs Atomwissenschafter getötet. Die Angriffe richten sich nach israelischen Angaben gegen ein Dutzend Standorte, darunter die Atomanlage in Natanz, sowie die Raketenproduktion.

Der Iran startet nach Angaben des israelischen Militärs mehr als hundert Drohnen in Richtung Israel, von denen zahlreiche bereits weit vor dem israelischen Luftraum abgefangen werden. Der Krieg endet nach zwölf Tagen mit einer Waffenruhe.

2026

Israel startet am 28. Februar mit Unterstützung der USA erneut einen Angriff gegen den Iran. "Der Staat Israel hat einen Präventivschlag gegen den Iran gestartet, um Bedrohungen für den Staat Israel zu beseitigen", erklärt der israelische Verteidigungsminister Israel Katz. Die US-Streitkräfte beginnen nach Trumps Angaben einen großen Kampfeinsatz gegen den Iran. Die USA beteiligen sich mit Schlägen von der Luft und von See aus an dem Angriff, wie ein Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur Reuters sagt. Israelischen Verteidigungskreisen zufolge ist das Vorgehen monatelang vorbereitet worden. Es gelte auch Khamenei und dem iranischen Präsidenten Masoud Pezeshkian.

In etlichen iranischen Städten - darunter Teheran, Isfahan, Qom und Shiraz - sind Explosionen zu hören. Die Revolutionsgarden greifen ihrerseits staatlichen iranischen Medien zufolge US-Militärbasen am Persischen Golf an. Die Ziele liegen demnach in Kuwait, den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), Katar und Bahrain.

Zusammenfassung
  • Israel und die USA haben am 28. Februar 2026 erneut militärische Ziele im Iran angegriffen, um laut israelischem Verteidigungsminister "Bedrohungen für den Staat Israel zu beseitigen".
  • Der Konflikt zwischen Israel und dem Iran besteht seit 1979 und wird immer wieder durch gezielte Anschläge, Raketenangriffe und Cyberattacken verschärft.
  • Im Jahr 2024 feuert der Iran als Vergeltung für einen mutmaßlichen israelischen Angriff auf die Botschaft in Damaskus über 300 Drohnen und Raketen auf Israel ab, die zu 99 Prozent abgefangen werden.
  • 2025 kommt es zu einem großangelegten israelischen Präventivschlag gegen iranische Atomanlagen, bei dem nach Angaben iranischer Staatsmedien sechs Atomwissenschaftler getötet werden.
  • Als Reaktion auf die Angriffe 2026 greifen die iranischen Revolutionsgarden US-Militärbasen im Persischen Golf an, wobei Ziele in Kuwait, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar und Bahrain betroffen sind.