Cyber-Söldner sollen weltweit Demokratien destabilisiert haben

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Sechs bis 15 Millionen Euro - so viel kostet es, eine Wahl zu manipulieren. Ein internationales Recherche-Kollektiv deckt auf: So soll eine israelische Geheimfirma die Öffentlichkeit beeinflusst haben. Aber es soll noch Hunderte weitere derartige Firmen geben.

Das israelische Team "Jorge" soll weltweit Wahlen manipuliert haben. Das berichtet das internationale Recherche-Kollektiv "fordbidden stories". Die Auftraggeber sollen meist Regierungen sein, oder Menschen, die in die Regierung kommen wollten. Vor allem in "Schwellenländern" soll das Team aktiv gewesen sein, so Investigativ-Journalist Bastian Obermayer, der mit dem "Standard" über das Projekt gesprochen hat. 

Wer zahlt, schafft an

Neben Wahl-Lobbying sollen die Cyber-Söldner auch andere illegale Dienste angeboten und durchgeführt haben: Laufzeitverlängerungen für Atomkraftwerke etwa, mutmaßlicher sexueller Missbrauch oder auch 43.000 falsch-negative Corona-Tests in Großbritannien. Die israelische Firma sei aber nicht die Einzige ihrer Art, "forbidden stories" ist sich sicher, dass es hunderte weitere derartige Dienstleister gibt. Das Recherche-Kollektiv habe nicht alle Länder untersucht.

USA, Israel und Russland keine Ziele

Die Berichte basieren auf sechs Stunden heimlich aufgenommenen Gesprächen, in denen der israelische Firmenchef Tal Hanan und sein Team ihren Service vorstellen. Das Team habe sich bisher in 33 nationale Wahlkämpfe und Abstimmungen eingemischt, unter anderem in Kenia und Nigeria, hieß es. 27 der Einsätze seien erfolgreich gewesen, hört man Tal Hanan in der Aufnahme sagen.

Laut der Recherche sind die USA, Israel und Russland keine bevorzugten Ziele des Team "Jorge". Das Land Israel nicht, weil "man nicht scheißt, wo man schläft", so hatte das der Kontakt laut Obermayer ausgedrückt. Russland würde den Cyber-Söldnern zu heikel sein und in Bezug auf die USA ist sich "forbidden stories" unsicher, ob sie der israelischen Firma glauben sollen. Laut Obermayer gäbe es Indizien für eine Wahlmanipulation rund um die Kandidatur des US-Demokraten Gavin Newsom und der Betriebsverlängerung eines Atomkraftwerks. Was möglich wäre, das würde von der Bezahlung abhängen.

Für die Manipulation auf sozialen Medien habe das Team eine eigenen Plattform namens Aims entwickelt, mit der man verifizierte Nutzerkonten schaffen könne. Nicht alle Behauptungen konnten aber unabhängig überprüft werden, hieß es.

Israelische Firma

Die Firma hat ihren Sitz den Reportern zufolge in der israelischen Stadt Modiin - diese liegt etwa auf halben Weg zwischen Tel Aviv und Jerusalem. Das Team kontrolliere eine "Armee" von mehr als 30.000 Bots, berichtete der britische "Guardian" am Mittwoch. Dabei handle es sich um Profile auf sozialen Medien, hinter denen keine echten Menschen stehen. Diese seien extrem raffiniert gestaltet und gleichzeitig auf verschiedenen Plattformen wie Facebook, Twitter und YouTube vertreten. Das Team sei nach eigenen Angaben auch in der Lage, Telegram und Gmail zu hacken. Mithilfe von Schmutzkampagnen und gestohlenen Informationen werde so die öffentliche Meinung gezielt beeinflusst.

Für seine Dienstleistungen fordere Hanan zwischen 400.000 und 600.000 Dollar im Monat. Den Berichten zufolge wies der israelische Geschäftsmann jegliches Fehlverhalten zurück. Die Deutsche Presse-Agentur in Tel Aviv hat ebenfalls eine Reaktion erbeten.

ribbon Zusammenfassung
  • Sechs bis 15 Millionen Euro - so viel kostet es, eine Wahl zu manipulieren.
  • Ein internationales Recherche-Kollektiv deckt auf: So soll eine israelische Geheimfirma die Öffentlichkeit beeinflusst haben.

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