Joe Satrianis machtvolle Stromgitarren-"Demonstration"

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Am Samstagabend hat in Wien eine machtvolle Demonstration für das Überleben der Stromgitarre im Computer-dominierten Musikbusiness stattgefunden: US-Aktivist Joe Satriani - langjährig einschlägig bekannt als Rockgitarrist der Extraklasse - überzeugte eine ansehnliche Menschenschar in der Halle F in einem zweieinhalbstündigen - ausschließlich instrumentalen - Konzert. Der mittlerweile 66-Jährige gab dabei erwartungsgemäß häufig Vollgas, punktete aber auch mit Groove und Blues.

Satriani gehört natürlich seit Jahrzehnten zur Creme de la Creme der Rockgitarristen. Aber auch wenn er in den 1990er-Jahren zweimal bei Deep Purple einstieg, weil Richie Blackmore wieder einmal noch zickiger als im Normalzustand war, auch wenn er mit seinem Schüler Steve Vai das Projekt G3 initiierte, auch wenn er schlussendlich 2008 die "Supergroup" Chickenfoot gründete (mit keinen Geringeren als Ex-Van Halen-Sänger Sammy Hagar und Bassist Michael Anthony (ebenso Ex-Van Halen) sowie dem Drummer der Red Hot Chili Peppers, Chad Smith) - wirklich weltberühmt mit massivem Airplay in den Radios wurde Joe Satriani nicht.

An der Meisterschaft an der Gitarre kann es nicht liegen, das bewies der Amerikaner in Wien eindeutig, ebenso wenig an seinen Kompositionen selbst. Aber: Gnadenloser Gitarrenrock ist heutzutage eben offensichtlich weder Radio- noch Tik Tok-tauglich. Trotzdem - oder gerade deshalb - war der Abend für die eingeschworene Fangemeinschaft von Satriani ein Genuss: Neben einigen Songs aus dem 2022er-Album "The Elephants of Mars" gab es viel Bewährtes - und manchmal ging der Meister dann doch auch vom Rock-Vollgas runter und wechselte zu Bluesigerem ("Faces") und erstaunlich viel Groove.

Bei uns füllt Joe Satriani leider nicht einmal kleinere Hallen wie die "F" zur Gänze - deren "Theater"-Charakter samt fester Plüschbestuhlung übrigens für ein Rockkonzert ziemlich hinderlich ist. Aber man muss sich um den 66-Jährigen keinerlei existenziellen Sorgen machen. Seine 2004er-Komposition "If I Could Fly" - auch am Samstagabend allerfeinst performed - hatte nämlich so großen Gefallen bei Coldplay gefunden, dass sich die Band rund um Chris Martin davon zu ihrem Mega-Hit "Viva La Vida" - sagen wir einmal - inspirieren ließ. Im Copyrightverfahren gab es eine außergerichtliche Einigung - weshalb die Vermutung naheliegt, dass Joe Satriani allein wegen dieses Songs gar nichts mehr arbeiten müsste. Sehr schön, dass er es trotzdem tut.

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  • Am Samstagabend hat in Wien eine machtvolle Demonstration für das Überleben der Stromgitarre im Computer-dominierten Musikbusiness stattgefunden: US-Aktivist Joe Satriani - langjährig einschlägig bekannt als Rockgitarrist der Extraklasse - überzeugte eine ansehnliche Menschenschar in der Halle F in einem zweieinhalbstündigen - ausschließlich instrumentalen - Konzert. Der mittlerweile 66-Jährige gab dabei erwartungsgemäß häufig Vollgas, punktete aber auch mit Groove und Blues.

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