APA - Austria Presse Agentur

Corona in Österreich: Dreieinhalb Lockdowns und ein Stufenplan

05. Nov 2021 · Lesedauer 5 min

In Österreich wird erneut über eine Verschärfung der Corona-Maßnahmen diskutiert. Seit Einbruch der Pandemie, sieht Österreich bisher auf dreieinhalb Lockdowns und einem 5-Stufenplan zurück.

Angesichts zuletzt eskalierender Infektionszahlen berät die Bundesregierung heute, Freitag, mit den Ländern darüber, im jetzt gültigen "Stufenplan" vorgesehene Corona-Maßnahmen vielleicht doch vorzuziehen. Im Vorjahr wurde bei einem ähnlichen Niveau an Erkrankten der zweite harte Lockdown verhängt. Dies droht nun, dank der Impfung, nicht mehr allen - sondern nur noch den Ungeimpften, wenn 600 Intensivbetten belegt sind. Davon ist man aktuell aber noch recht weit entfernt.

356 Corona-Kranke lagen am Freitag auf Intensivstationen - was binnen einer Woche ein Anstieg um 76 war. Insgesamt wurden 1.831 Spitalspatienten gemeldet und 9.388 Neuinfektionen. Das waren fast so viele wie der bisherige Höchstwert von 9.586 am 13. November 2020. Damals war schon am 3. November ein "Lockdown light" - mit noch offenen Schulen und Geschäften - verhängt worden, am 17. November wurde dann wieder alles (außer Grundversorgung) geschlossen und der Ausgang rund um die Uhr beschränkt. Angesichts der Impfungen wurde aber das Kriterium für Maßnahmen geändert: Mit dem im September vorgelegten "Stufenplan" hängen Einschränkungen jetzt von der Zahl der Intensivpatienten ab.

Bundesregierung berät über Maßnahmen

Angesichts eskalierender Infektionszahlen hat die Bundesregierung wieder einmal zu einem Corona-Gipfel geladen. 

Insgesamt gab es bisher drei harte österreichweite Lockdowns (März 2020, November 2020, Dezember 2020) und einen regional auf Ostösterreich begrenzten im heurigen Frühjahr. Begonnen hat die Corona-Pandemie in Österreich am 25. Februar 2020, als die ersten bestätigten Fälle gemeldet wurden.

Die Chronologie der Ereignisse:

25. Februar: Erste bestätigte Fälle in Österreich: Ein italienisches Paar in Innsbruck wird positiv getestet.

11. März: Die WHO erklärt Covid-19 zur Pandemie. Größere Veranstaltungen (500 Teilnehmer outdoor, 100 indoor) werden in Österreich verboten, der Uni-Betrieb und die Einreise aus Risikogebieten eingeschränkt.

12. März: Der erste Corona-Todesfall wird gemeldet.

16. März: ERSTER LOCKDOWN (Sieben-Tages-Inzidenz 12, 200 bis 300 Neuinfektionen, zwei Todesfälle).

20. März: Weitere Sperrungen: Auch Reha- und Kurhäuser, Thermen sperren zu, Besuche in Spitälern und Pflegeheimen sind weitgehend untersagt.

6. April: Supermärkte dürfen nur noch mit Mund-Nasen-Schutz betreten werden.

Gesundheitsminister Anschober zum Coronavirus

Der damalige Gesundheitsminister Rudolf Anschober spricht erstmals über das Coronavirus.

Erstmalige Lockerungen

14. April: Beginn schrittweiser Lockerungen: Kleine Geschäfte und Baumärkte dürfen aufsperren, aber Maskenpflicht in Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln. Einreisebeschränkungen für Familienangehörige oder Lebenspartner werden etwas gelockert.

1. Mai: Ende der Ausgangsbeschränkungen, Treffen von maximal 10 Personen erlaubt.

15. Mai: "Neue Normalität" bei im Schnitt täglich 50 Neuinfektionen: Unter strengen Sicherheitsauflagen öffnen Gastronomie und Museen.

15. Juni: Die Maskenpflicht fällt großteils. Die AUA nimmt (stark eingeschränkt) nach drei Monaten den Linienflugverkehr wieder auf.

24. Juli: Die Zahlen steigen deutlich, es gilt wieder Maskenpflicht im Lebensmitteleinzelhandel, Supermärkten, Gesundheitseinrichtungen, Banken etc.

4. September: Die Corona-Ampel startet auf "grün", mit nur vier "gelben" Regionen (Wien, Linz, Graz und dem Bezirk Kufstein) - und Streitereien über Kriterien und Konsequenzen.

Sprunghafter Anstieg im Herbst 2020

14. September: Die Neuinfektionen sind sprunghaft auf teils über 900 angewachsen. Die Regierung verfügt Maskenpflicht in fast allen öffentlich zugänglichen Innenräumen.

21. September: Weitere Beschränkungen für Zusammenkünfte und Veranstaltungen sowie in der Gastronomie.

28. September: In Wien müssen sich Gäste in der Gastronomie registrieren lassen. In der Folge ergreifen auch andere Länder diese Maßnahme.

Nowotny: Warum ein Lockdown notwendig ist

Virologe Norbert Nowotny erklärt im Gespräch  mit PULS 24 im Oktober 2020, wieso ein Lockdown notwendig war.

15. Oktober: Die Corona-Ampel zeigt erstmals "rot", in vier Bezirken. Einige Länder verbessern den Schutz von Alters- und Pflegeheimen.

3. November: "Lockdown light": Handel und persönliche Dienstleister bleiben offen, auch Volksschulen, Unterstufen, Kindergärten. Oberstufen und Unis wechseln auf Distance Learning. Der Ausgang ist nachts beschränkt, Gastronomie, Freizeiteinrichtungen, Theater, Museen, Kinos und Hotels (für Touristen) sind geschlossen.

13. November: Bisheriger Höchstwert an Neuinfektionen (9.586).

17. November: ZWEITER LOCKDOWN (Sieben-Tages-Inzidenz von 535, 4.525 Spitals-, 658 Intensivpatienten): Handel und Dienstleister (außer Grund- und Gesundheitsversorgung) müssen zusperren, Ausgangsbeschränkungen rund um die Uhr.

7. Dezember: Der Lockdown wird wieder "light": Ausgangsbeschränkung nur nachts, Weihnachtsmärkte sind verboten.

Wie ein Lockdown sein muss, damit er nicht mehr Schaden anrichtet

Umweltmediziner Hans-Peter Hutter erklärte im Oktober 2020 wie ein Lockdown gestaltet werden muss, damit er nicht zu viel Schaden anrichtet.

Harter Lockdown nach Weihnachten

24./25. Dezember: Weihnachts-Ausnahme: Maximal zehn Personen dürfen zusammen feiern, ohne Ein-Meter-Regel und Maske. Skilifte und Gondelbahnen dürfen (dauerhaft) aufsperren, Winterurlaub ist aber nicht zulässig, nur Tagesausflüge.

26. Dezember: DRITTER LOCKDOWN (Sieben-Tages-Inzidenz von 147, 2.455 Spitals-, 431 Intensivpatienten): Ausgang (rund um die Uhr) und Kontakte (ein Einzelner mit einem anderen Haushalt) wieder stark beschränkt.

27. Dezember: Die ersten Impfungen gegen das Coronavirus werden an der MedUni Wien verabreicht.

25. Jänner: FFP2-Maskenpflicht in Öffis., Handel etc.

8. Februar: Der "harte" Lockdown ist zu Ende: Der Handel darf wieder komplett aufsperren, Schulen kehren zum Präsenz-Unterricht zurück. Für den Besuch von Friseuren & Co ist ein negativer Coronatest (maximal 48 Stunden alt) nötig. Gastronomie und Theater bleiben zu, es gilt weiter die nächtliche Ausgangssperre.

15. März: Vorarlberg öffnet als "Modellregion" Gastronomie und Veranstaltungen (bis 20 Uhr).

Corona-Lockerungen: Vorarlberg öffnet Gastro

Aufgrund der niedrigen Infektionszahlen durfte Vorarlberg als Modellregion die Gastronomie wieder öffnen.

"Osterruhe" in Ostösterreich

1. April: "Ost-Lockdown" in Wien, Niederösterreich und Burgenland (Sieben-Tages-Inzidenz von 242, 2.297 Spitals-, 531 Intensivpatienten): Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen rund um die Uhr, Schulen, Geschäfte (außer Grundversorgung), Freizeiteinrichtungen werden geschlossen.

19. April: Ende des harten Lockdowns im Burgenland.

3. Mai: Harter Lockdown endet auch in Wien und Niederösterreich. Gastronomie bleibt noch geschlossen und Veranstaltungen beschränkt.

Lockdown in Ostösterreich verlängert

Im April wurde der Corona-Lockdown in der Ostregion verlängert.

19. Mai: Weitgehendes Ende der Corona-Einschränkungen: Hotels, Gastronomie, Sportstätten und Kultur öffnen - aber mit 3G-Regel.

1. Juli: Noch einmal Lockerung: Die Sperrstunde fällt, die Nachtgastronomie wird geöffnet, Besucher/Kundenlimits fallen. Die FFP2-Maske wird durch Mund-Nasenschutz ersetzt - und der ist nur dort zu tragen, wo 3G nicht gilt (Handel, Öffis, Ämter etc.)

22. Juli: Keine Maskenpflicht im Handel (außer Grundversorgung) mehr, 2,5G (geimpft, genesen, PCR-getestet) in der Nachtgastronomie.

Herbst 2021: Stufenplan

8. September: Die Regierung legt den auf Auslastung der Intensivstationen basierenden "Stufenplan" vor.

15. September: Stufe 1 tritt in Kraft - es gilt wieder FFP2-Pflicht wo bisher Mund-Nasenschutz reichte,

1. Oktober: Verschärfung in Wien: 2G für Nachtgastro und größere Events; es gelten nur noch PCR-Tests, FFP2-Pflicht auch im Handel.

23. Oktober: Die Regierung erweitert den Stufenplan - bis zur Stufe 5 "Lockdown für Ungeimpfte ab 600 Intensivpatienten".

Quelle: Agenturen / pea