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Bosnien-Beauftragter Schmidt sorgt mit Wutausbruch für Aufsehen

18. Aug. 2022 · Lesedauer 2 min

Der internationale Bosnien-Beauftragte Christian Schmidt hat mit einem Wutausbruch für Aufsehen gesorgt. Bei einem Besuch in der bosnischen Kleinstadt Gorazde polterte der 64-Jährige am Mittwoch.

"Rubbish, full rubish. I am rid of this." (in etwa: "Unsinn, völliger Unsinn. Ich habe genug davon."). Schmidt fuhr fort: "Ich habe diese Situation satt. Jeder gibt jedem die Schuld. Freunde, so kommt man nicht nach Europa!" Aufnahmen des Auftritts machten im Internet die Runde.

Journalistinnen-Frage erzürnte Schmidt 

Der aus Deutschland stammende Hohe Repräsentant der Internationalen Gemeinschaft in Bosnien-Herzegowina reagierte auf die Frage einer Journalistin, ob er bereit sei, Änderungen des Wahlgesetzes durchzusetzen, da es keine politische Einigung gebe. Schmidt sagte dazu in eher undiplomatischem Ton: "Die Leute hier verdienen es, dass die Politiker, die sie gewählt haben, arbeiten und sich nicht nur beschweren! Das ist das Kernproblem!"

"Täglich begegnen mir seit meinem Amtsantritt individuelle Haltungen gepaart mit Schuldzuweisungen, die andere diskreditieren, um persönliche Vorteile zu generieren" erklärte Schmidt am Donnerstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. "Ich hoffe, die Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger in der Politik endlich wachgerüttelt zu haben. Hier wird ein Stück Zukunft eines Landes im Herzen Europas verspielt, wenn das so weitergeht."

Wahlen könnten politische Blockade auflösen

Die im Oktober anstehenden Wahlen böten die Gelegenheit, die politischen Blockaden aufzulösen, so Schmidt. Dringend notwendig sei eine Politik, die die Abwanderung junger Menschen verhindere. "Alleine im Jahr 2021 haben etwa 170.000 Bürger BIH (Bosnien und Herzegowina) den Rücken gekehrt. Davon profitiert die EU; Südosteuropa leert sich jedoch", sagte Schmidt weiter.

Anfang Oktober findet in Bosnien-Herzegowina die nächste Parlamentswahl statt. Der frühere CSU-Minister Schmidt ist seit gut einem Jahr internationaler Repräsentant in der Hauptstadt Sarajevo. Zu seinen Aufgaben gehört die Umsetzung des Dayton-Abkommens von 1995, das den Krieg beendet hatte, durch den sich Bosnien-Herzegowina vom damaligen Jugoslawien abgespalten hatte.

Quelle: Agenturen / Redaktion / poz