APA - Austria Presse Agentur

In Österreich täglich bis zu 15.000 PCR-Tests möglich

24. Apr 2020 · Lesedauer 5 min

Derzeit können laut Gesundheitsministeriums in Österreich täglich bis zu 15.000 PCR-Tests durchgeführt werden. Aktuell gibt es 51 Labors, die Diagnosen zu Covid-19-Erkrankungen ins Epidemiologische Meldesystem (EMS) eintragen, hieß es auf APA-Anfrage. Die sinkenden Fallzahlen erlauben nun die Änderung der Teststrategie hin zu "Screenings" unter Gesundheitspersonal und in Pflegeheimen.

Derzeit können laut Gesundheitsministeriums in Österreich täglich bis zu 15.000 PCR-Tests durchgeführt werden. Aktuell gibt es 51 Labors, die Diagnosen zu Covid-19-Erkrankungen ins Epidemiologische Meldesystem (EMS) eintragen, hieß es auf APA-Anfrage. Die sinkenden Fallzahlen erlauben nun die Änderung der Teststrategie hin zu "Screenings" unter Gesundheitspersonal und in Pflegeheimen.

Mit insgesamt 8.959 eingemeldeten PCR-Untersuchungen innerhalb von 24 Stunden wurde diese Woche der bisher höchste Wert für Österreich erreicht. Der sonstige Tagesschnitt schwankte in den beiden Wochen davor in etwa zwischen 3.300 und 8.500 im EMS dokumentierten Tests. Diese Angaben divergieren auch aufgrund verzögerter Einmeldungen und weil Labors teils erst nach und nach ihre Daten direkt in das System eintragen können. Dass die Zahlen auch in Zukunft ähnlich hoch wie Mitte der Woche bleiben, sei das Ziel, das es in Abstimmung mit den Bundesländern zu erreichen gelte, heißt es aus dem Ministerium.

Test-Kapazitäten seien nun zwar reichlich vorhanden, die im Prinzip durchführbaren rund 15.000 Tests zum Nachweis des Erbguts der SARS-CoV-2-Erregers müsse man jedoch als "theoretische Maximalkapazität" ansehen. Um diese voll auszuschöpfen, müsse vom Sammeln der Proben über die Testungen selbst, bis zum Einlangen der Untersuchungsergebnisse alles reibungslos funktionieren. Tatsächlich könnte allerdings jeder denkbare "Flaschenhals" die Zahlen massiv beeinflussen: Gebe es etwa bei der Abnahme oder Aufbereitung der Proben Probleme, könnten auch reichlich vorhandene Ressourcen zur Auswertung nicht ausgeschöpft werden.

Den internationalen Verteilungskampf rund um die zum Testen notwendigen Materialien gibt es laut der Virologin Elisabeth Puchhammer-Stöckl von der Medizinischen Universität (MedUni) Wien weiterhin, wie sie der APA erklärte. Auch das Ministerium bemerkt weiter eine "Verknappung bestimmter Verbrauchsmaterialien" am Weltmarkt - und zwar auch abseits der viel diskutierten Reagenzien. Das betrifft etwa Pipettenspitzen, Prüfplatten, Schutzausrüstungen oder Probenentnahmebestecke.

Verschiedene Labors in Österreich seien wiederum jeweils unterschiedlich ausgestattet. "Es gibt hier ein relativ inhomogenes Bild", attestierte Puchhammer-Stöckl. Die wöchentlichen Erhebung des Ministeriums würden trotzdem zeigen, dass in den kommenden Wochen genügend Materialien bereit stehen, "um auf Maximalkapazität zu testen", so das Gesundheitsressort.

Als Referenzinstitut hat das Zentrum für Virologie der MedUni Wien in den vergangenen Woche zahlreiche andere Einrichtung beim Aufbau der Expertise zum Testen unterstützt. Weil es jetzt bundesweit mehr Anbieter gibt, "sind wir jetzt nicht mehr so überrannt, wie zu Beginn", sagte Puchhammer-Stöckl. Das gelte so aber nicht für alle Laboratorien.

Wie unterschiedlich die Auslastung ist, zeigt das Beispiel der Veterinärmedizinischen Universität Wien: Dort wurden in einem EU-akkreditierten Labor Ende März Kapazitäten für rund 500 PCR-Tests täglich aufgebaut und in den ersten April-Tagen auch tatsächlich Tests durchgeführt. Doch dann war mit wenigen Ausnahmen Stillstand, erst am 23. April habe man wieder Proben bekommen, erklärte der Leiter des Departments für Nutztiere und öffentliches Gesundheitswesen in der Veterinärmedizin an der Vetmeduni, Michael Hess, gegenüber der APA.

Unterschiedlich sind auch die Kosten für die PCR-Tests, die mitunter weit auseinandergehen. Laut Puchhammer-Stöckl liegen diese in den meisten Fällen zwischen 80 und 120 Euro pro Test, da und dort könnten es jedoch über 200 Euro sein.

Während also weiter munter getestet wird, nimmt der Anteil positiver Ergebnisse ab. Das eröffne aus virologischer Sicht u.a. mehr Optionen, was das Nachverfolgen von Ansteckungswegen betrifft, sagte die Forscherin.

Die mittlerweile relativ wenigen Nachweise in Österreich böten nicht nur Möglichkeiten zum schrittweisen Lockern der Maßnahmen zur Eindämmung, die Situation erlaube auch die Veränderung der Teststrategie, wie es seitens des Gesundheitsministeriums heißt. Neben der Abklärung der Verdachtsfälle, werde nun, wie von Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) angekündigt, auch das Screening von asymptomatischen Personen in sensiblen Bereichen wie Pflegeeinrichtungen oder Krankenhäusern verstärkt.

Klar sei, dass die akuten Verdachtsfälle "immer im Vordergrund stehen", so Puchhammer-Stöckl. Die flächendeckende Testungen in Pflegeheimen und Spitälern brauche es aber zusätzlich, um zu vermeiden, dass etwaige "Superspreader" dort das Virus stark verbreiten. "Die aktuelle Situation lässt das auch zu, wir haben derzeit die Kapazität und es ist auch wünschenswert, das zu machen", sagte die Wissenschafterin, die auch Teil des Covid-19-Krisenstabes ist.

Für ein Nachdenken über die etwaige Ausweitung dieses Ansatzes, etwa in Richtung Pädagogen in Folge des schrittweisen Hochfahrens des Schul- und Kindergartenbetriebs, ist es laut Puchhammer-Stöckl noch zu früh. Bevor das Screening im Gesundheitsbereich noch nicht umgesetzt und klar ist, ob die Kapazitäten weiter da sind, mache dies wenig Sinn. Auch für das Ministerium steht derzeit "das Gesundheits- und Pflegepersonal im Fokus".

Einen wichtigen Beitrag zum Monitoring der Corona-Situation werde voraussichtlich auch das Diagnostische Influenza Netzwerk Österreich (DINÖ) leisten, so Puchhammer-Stöckl. Im Rahmen dieses "Sentinel-Systems" wird Patienten mit akuten grippalen Infekten stichprobenartig Nasen-Rachen-Sekret entnommen und auf Viren untersucht. Das Überwachungssystem wird nun schon seit einiger Zeit in Richtung Coronavirus ausgeweitet. Man habe über diese Schiene auch bereits Corona-Fälle in Gegenden identifiziert, "in denen bisher nicht bekannt war, dass es da überhaupt etwas gibt".

Quelle: Agenturen