Autogramme, Promis, Schimpfereien: So endet der BP-Wahlkampf

07. Okt. 2022 · Lesedauer 9 min

Der Präsidentschaftswahlkampf neigt sich dem Ende zu. Die meisten Kandidaten brachten am Freitag ihre Abschlussveranstaltungen über die Bühne. PULS 24 war dabei.

Unterstützt von Politprominenz der Grünen, aber auch von SPÖ, ÖVP und NEOS, hat Alexander Van der Bellen am Freitagnachmittag in Wien seinen Wahlkampfabschluss für die Bundespräsidentenwahl begangen. Im randvollen Marx-Palast rief der Amtsinhaber alle Unterstützer dazu auf, auch wirklich wählen zu gehen, denn; "Des is ka g'mahte Wies'n." Ziel sei es, am Sonntag mehr Stimmen bekommen als alle anderen Kandidaten zusammen. "Das ist nicht nix", so Van der Bellen.

VdB: "Um nicht zu sagen oarschknapp"

Rein rechnerisch könne es knapp, "um nicht zu sagen oarschknapp", werden, paraphrasierte er seinen eigenen Sager vom ersten Antreten. "Wenn Ihnen etwas an der Demokratie, an der liberalen Demokratie liegt", so der Amtsinhaber und einstige Grünen-Chef, "dann gehen Sie zur Wahl". Die Wiese sei nämlich nur gemäht, wenn auch genug Menschen mitmähten. "Und wenn's geht, schenken Sie Ihr Vertrauen bitte mir."

Um ihn als Person gehe es nicht, sondern um Österreich, und darum, das Land kompetent, klar und entschieden durch stürmische Zeiten zu bringen. "Es geht im Übrigen auch bei der Bundespräsidentenwahl nicht darum, einen Selbstdarsteller zu wählen, oder einen Überkanzler oder die Regierung. Es geht darum, einen Bundespräsidenten zu wählen."

Van der Bellen sprach vor dem fast zur Gänze maskentragenden Publikum vom solidarischen Zusammenhalt, niemand dürfe zurückgelassen werden. Auch die energiepolitischen Weichen für die Zukunft gelte es zu stellen, "und uns - sagen wir es offen - unabhängig von despotischer Willkür zu machen". Man müsse aufstehen, wenn Unrecht geschehe und ein Diktator einen Krieg vom Zaun breche. Auch ein Bekenntnis zu Europa, zu Menschenrechten, einem friedlichen Zusammenleben im gegenseitigen Respekt und für die Demokratie legte er ab.

Prominente Unterstützer

Im Publikum fand sich eine Reihe von Unterstützerinnen und Unterstützern, und bei weitem nicht nur Grüne. Darunter war etwa SPÖ-Obfrau Pamela Rendi-Wagner, Grünen-Chef und Vizekanzler Werner Kogler, Klubobfrau Sigrid Maurer, Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) sowie dessen Amtsvorgänger Michael Häupl (der mit Ausnahme Van der Bellens selbst mit dem meisten Applaus bedacht wurde) oder auch Ex-ÖVP-Ministerin Maria Rauch-Kallat.

Meinl-Reisinger: Er war in Krisen "sehr besonnen"

Ans Rednerpult trat für Van der Bellen unter anderen der steirische Ex-Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP). "Ich bin leidenschaftlich für dich, Herr Bundespräsident", sagte er: "Van der Bellen war und ist ein sehr guter Bundespräsident für Österreich." NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger sprach von ihrem großen Vertrauen, dass Van der Bellen das Wohlergehen aller Menschen im Lande eine Herzensangelegenheit sei. "Rot-Weiß-Rot kann man wählen am Sonntag. Bitte tun Sie das", so ihr Aufruf.

Rendi-Wagner: Unterstützung für Van der Bellen "nur logisch"

Ludwig: VDB "vermittelt Stabilität"

Von LIF-Gründerin Heide Schmid kam ein Aufruf zum Wählen, und in aufgezeichneten Botschaften wurden auch ÖGB-Chef Wolfgang Katzian und Schauspieler Arnold Schwarzenegger vor den Vorhang gebeten. Amtsvorgänger Heinz Fischer verknüpfte seine Hoffnung auf Kontinuität im Präsidentenamt per Video auch mit Persönlichem. Er habe am 9. Oktober Geburtstag und einen Wunsch: "Sie könnten mir helfen, dass er in Erfüllung geht."

Rosenkranz in FPÖ-Manier

Für freiheitliche Verhältnisse schon fast im intimen Rahmen hat der blaue Bundespräsidentschaftskandidat Walter Rosenkranz seinen Wahlkampf abgeschlossen. Zwar hatte sich die Partei ein weiteres Mal den Viktor-Adler-Markt im Arbeiterviertel Wien-Favoriten als Schauplatz auserkoren. Eingefunden hatten sich Freitagnachnachmittag aber lediglich ein paar Hundert Fans. Der Stimmung tat dies keinen Abbruch, teilte Rosenkranz doch gegen Amtsinhaber Alexander Van der Bellen aus.

Rosenkranz: "Nach dem ersten Durchgang kommt der zweite"

Rosenkranz hatte sich gleich zu Beginn der Veranstaltung unter die Fans gemischt, die - wie ebenfalls üblich - von der John Otti Band in Stimmung gebracht wurden. Selbst ein Foto mit Van der Bellen, der neben der Bühne zumindest auf einem Plakat anwesend war, nahm er gut gelaunt in Kauf. Danach nahm er noch auf einem blauen Wahlkampf-Quad Platz, musste die Gemüter unzufriedener Passanten abkühlen und streichelte Hunde.

Die Liebe zum Vierbeiner ist laut Rosenkranz dann auch das Einzige, was ihn mit Van der Bellen verbindet, wie es der Freiheitliche in seiner Rede betonte: "Tierschutz ist auch mein Herzensanliegen - aber da hört's schon auf." Ansonsten will der blaue Volksanwalt, wie schon des öfteren im Wahlkampf betont, alles anders machen und schon gar kein "Ersatzkaiser" in der Hofburg sein, sondern: "Ich möchte der erste Diener dieses Staates sein."

FPÖ: "Van der Bellen sollte in Pension gehen"

Für seinen Hauptkonkurrenten hofft Rosenkranz jedenfalls, "dass am 9. Oktober für ihn wirklich Wahlkampfschluss ist". Aber weniger Van der Bellen selbst, sondern vielmehr dessen Partei, die Grünen, nahm Rosenkranz ins Visier. So würde er als Präsident dafür sorgen, dass die ÖVP "von diesem Klotz am Bein befreit wird" und "auch einmal aufatmen kann". "Wir können uns doch nicht alle in Geiselhaft einer Zehn-Prozent-Partei begeben", wetterte er gegen "Klima-Diktat" und Corona-Maßnahmen.

Dass die Koalition aber auch über die Grünen hinaus kaum mehr tragfähig sei, ist sich der blaue Kandidat sicher. "Bevor wir Arbeitskräfte entlassen müssen, da entlasse ich viel lieber die Bundesregierung", betonte er. Für den Wahltag erhofft sich Rosenkranz eine "Abfahrt für den Herrn Van der Bellen", bei der es mit Sicherheit in einen zweiten Durchgang gehen werde, nämlich am 6. November bei der Stichwahl.

Kickl wegen Krankheit nicht anwesend

Verzichten musste der blaue Kandidat übrigens auf seinen Parteichef Herbert Kickl als Aufheizer. Dieser habe einen grippalen Infekt aufgerissen, hieß es. Für ihn sprang der Wiener FPÖ-Klubchef Maximilian Krauss ein, der angesichts Aussagen Van der Bellens etwa zum Kopftuch konstatierte: "Diesen Bundespräsidenten brauchen wir nicht." Ebenfalls um Stimmung bemüht zeigte sich der Wiener FPÖ-Chef Dominik Nepp, der in Van der Bellen einen "Kandidaten des Systems" sieht.

Die Veranstaltung am Viktor-Adler-Markt ist übrigens nicht der allerletzte Auftritt des FPÖ-Kandidaten vor der Wahl. Am Samstag will er noch einmal bei einer Abschlussveranstaltung in seiner Heimatstadt Krems Stimmung machen.

Wlazny: "Ich weiß, dass man sich nicht wie ein Depp aufführen sollte"

Bierpartei-Chef Dominik Wlazny motivierte seine Anhänger Freitagnachmittag am Stephansplatz mit einer kurzen, launigen Rede und lauter Rock-Musik. Wlazny wandte sich von der Laderampe eines Klein-Lkws an sein vorwiegend junges Publikum von mehreren Hundert Leuten. Seine 15-minütige Rede begann mit vielen Schmähs, für die er zahlreiche Lacher erntete, und wurde im weiteren Verlauf ernster. In den "gefühlt 500.000 Medienterminen", die er absolvieren musste, sei die Frage seiner Motivation zu kurz gekommen, fand Wlazny. Er sei nach seiner zerrissenen Hose und seinem Nasenring gefragt worden. "Ich wurde auch gefragt, warum ich nicht mit einem Bier da sitze, was ich mir manchmal gewünscht hätte", scherzte Wlazny alias Marco Pogo.

Wlazny: "Ich bin zufrieden mit mir"

Seine Motivation sei die Notwendigkeit von Veränderung. Und er sei der geeignete Bundespräsident, weil er das Land kenne "und jedes Beisl in dem Land kenne und die Menschen, die dort sitzen". Er habe eine Firma und habe trotz seiner jungen Jahre Erfahrung.

Warum diese Wähler Wlazny, alias Marco Pogo, wählen

"Ich weiß, dass man sich nicht wie ein Depp aufführen sollte, wenn ein Staatsgast kommt. (...) Das würde von den anderen Kandidaten nicht jeder schaffen. Aber wurscht, lassen wir das." Darauf komme es aber nicht an, sondern darum, Werte zu haben und zu diesen zu stehen. Seine Werte seien Respekt, Offenheit, Toleranz, Solidarität und Unabhängigkeit. "Ich bin unabhängig und unverbraucht und ich bin schwer motiviert. (...) Und auch ich kann einen Anzug tragen und es schaut gut aus", sagte Wlazny und appellierte an seine Anhänger, unbedingt zu Wahl zu gehen. Am Ende der Veranstaltung gab es Autogramme.

Grosz: "Unser Land steht vor einem Scheideweg"

Gerald Grosz wiederum legte seinen Wahlkampfabschluss wie eine Pressekonferenz an. "Unser Land steht am Sonntag vor einem Scheideweg", sagte der Ex-FPÖ/BZÖ-Politiker - der einmal mehr betonte, dass er dem "Establishment" einen "Denkzettel" verpassen wolle. Grosz bekrittelte bei seinem letzten Wahlkampftermin etwa "ungezählte Verfassungsbrüche" der Bundesregierung und wetterte gegen Korruption und Politiker, die sich die eigenen Taschen gefüllt hätten, während sich viele die Stromrechnung nicht mehr leisten könnten.

Ein konkretes Wahlziel nannte er nicht. "Wir starten bei Null, in diesem Sinne ist jede Stimme ein Riesenerfolg für mich", versicherte er. Es sei jedoch sein Bestreben, Amtsinhaber Alexander Van der Bellen in eine Stichwahl zu zwingen. Grosz schwärmte von der "romantischen Vorstellung", dass er demnächst mit dem Präsidenten in eine Diskussionsrunde gehen könnte. Zugleich hob er hervor, dass er für seine Kampagne nur über 23.000 Euro an Spenden verfügt habe. Man sei ganz ohne Plakate und Wahlgeschenke ausgekommen.

Der Kandidat bedankte sich bei den anderen Mitbewerbern - wobei er Van der Bellen nicht erwähnte - für einen, wie er befand, großteils fairen Wahlkampf. Den Wahltag wird Grosz in der Steiermark beginnen, danach reist er nach Wien, um dort im Wahlzentrum (im Palais Niederösterreich, Anm.) ab etwa 18.00 Uhr erstmals Fragen zum Ergebnis zu beantworten.

Ein Nachspiel soll, geht es nach Grosz, unterdessen ein ORF-Interview mit ihm Donnerstagabend haben. Dort sei ihm vorgehalten worden, er sei wegen übler Nachrede verurteilt worden - Grosz bestreitet dies allerdings. Richtig sei, dass er 2007 vom Landesgericht für Zivilrechtssachen ein Urteil wegen Ehrenbeleidigung und Kreditschädigung einer ORF-Journalistin bekommen habe, sagte Grosz am Freitag zur APA. "Ich bin aber nie strafrechtlich wegen übler Nachrede verurteilt worden." Er klage nun den ORF und die Interviewerin Susanne Schnabl, zudem auch ihren Kollegen Armin Wolf, der den Vorhalt auf Twitter wiederholt habe - und zwar wegen übler Nachrede, Kreditschädigung und Ehrenbeleidigung, kündigte Grosz an.

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Quelle: Agenturen