APA - Austria Presse Agentur

Kickl mit 88 Prozent zum neuen FPÖ-Chef gewählt

18. Juni 2021 · Lesedauer 3 min

Am Samstag wurde bei einem außerordentlichen Parteitag in Wiener Neustadt der bisherige Klubchef Herbert Kickl zum neuen Parteichef der FPÖ gewählt. Vorgänger Hofer zeigte sich versöhnlich, Kritik kam vom stellvertretenden Landesparteiobmann in Niederösterreich, Karl Wurzer.

Bei der FPÖ brach am Samstag nicht nur personell, sondern auch inhaltlich eine neue Ära an. Bei einem außerordentlichen Parteitag in Wiener Neustadt wurde der bisherige Klubchef Herbert Kickl mit 585 Stimmen und 88,25 Prozent zum neuen Parteichef gewählt. Von 673 Stimmberechtigten gaben 665 eine Stimme ab. Kickl löst Norbert Hofer ab, der nach lange anhaltenden Personaldebatten das Handtuch geworfen hatte. Kickl nahm die Wahl erwartungsgemäß an und bedankte sich für den Vertrauensvorschuss. Kickl schlug als seinen Bundesobmannstellvertreter Udo Landbauer vor, Niederösterreichs Landesparteichef. Er wurde mit nur einer Gegenstimme per Handzeichen gewählt.

In welcher Tradition sich Kickl sieht, war beim Parteitag klar ersichtlich. "Gestern. Heute. Morgen. Die Freiheit, die wir meinen" war das Motto des Parteitags - in Anlehnung an Jörg Haiders ähnlich lautendes Buch "Die Freiheit, die ich meine". Dementsprechend bezeichnete Kickl den verstorbenen FPÖ- und später BZÖ-Obmann als seinen Lehrmeister.
 

PULS 24 Reporterin Bettina Häberlin berichtet vom außerordentlichen Parteitag der FPÖ in Wiener Neustadt.

Hofer: "Du hast meinen Stimme!"

Ex-Parteichef Hofer zeigte sich in seiner Rede ein weiteres Mal versöhnlich. Im Gegensatz zu früheren Obmann-Wechseln in der FPÖ übergebe er die Parteiführung nun in Freundschaft und Stärke, sagte er in seiner Rede und in Richtung seines Nachfolgers Kickl: "Du hast meine Stimme, du hast meine Unterstützung!" Er selbst, Hofer, habe das "Schiff" FPÖ - nachdem dessen Kapitän Heinz-Christian Strache "von der Brücke gespült wurde" - wieder in einen sicheren Hafen gebracht. Kickl werde dieses wieder hinausführen.

"Bundespräsident der Herzen"

Der geschäftsführende Obmann Harald Stefan fand wertschätzende Worte für Hofer. Dieser habe einen großen Beitrag zur Stärke der FPÖ geliefert, nicht zuletzt als Kandidat für die Hofburg. "Er war und ist der Bundespräsident der Herzen", befand Stefan, als neuer Obmann nach dem Ibiza-Skandal habe sich Hofer "brutal selbst ausgebeutet". Stefan betonte in Richtung des anwesenden Ex-Chefs: "Wir werden dich ganz sicher brauchen" - und: "Ich wünsche dir, dass du dich jetzt mehr schonen kannst."

Wurzer verweigert Kickl Unterstützung

Ein Gegner Kickls machte in einem spontanen Rede-Beitrag auf dem Parteitag kein Hehl aus seiner Ablehnung: Karl Wurzer, stellvertretender Landesparteiobmann in Niederösterreich kündigte offiziell an, gegen die neue Führung zu stimmen. Dafür gab es Buh-Rufe vieler Delegierte, weswegen Generalsekretär Michael Schnedlitz erst einmal beruhigen musste. Das freie Wort zeichne die FPÖ aus, appellierte er an das Plenum.

Zustimmung bei Vorgängern höher

Misst sich Kickl an seinem Vor-Vorgänger Heinz-Christian Strache, liegt die Latte für seine Kür durch die 760 Delegierten hoch: Bei seiner letzten Wahl 2017 bekam der über das Ibiza-Video gestolperte Langzeitparteichef 98,7 Prozent Zustimmung. Hofer kam 2019 auf fast ebensoviel, nämlich 98,3 Prozent. Bei einem schwachen Ergebnis kann Kickl auf Jörg Haiders erste Wahl verweisen: Dieser übernahm die Freiheitlichen 1986 mit 57,7 Prozent - allerdings in einer Kampfabstimmung gegen den amtierenden Parteichef Norbert Steger.

So wie damals wird sich auch mit - als äußerst scharfzüngig bekannten- Kickl an der Spitze nicht nur die Rhetorik, sondern auch die inhaltliche Ausrichtung ändern. Der neue FPÖ-Parteichef hat stets offen mit den Corona-Maßnahmengegnern sympathisiert. Die vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestufte "Identitäre Bewegung" nannte er kurz nach seiner Designierung ein "interessantes und unterstützenswertes Projekt".

PULS 24 Politik-Chefreporterin Manuela Raidl analysiert im Interview mit Bianca Ambros die FPÖ-Wahl Herbert Kickls zum Nachfolger Norbert Hofers beim FPÖ-Präsidium Anfang Juni.

Quelle: Agenturen / Redaktion / moe/red