Dmytro Kuleba, Außenminister Ukraine

Kuleba: Gas-Embargo "ist unausweichlich, es wird kommen"

04. Mai 2022 · Lesedauer 4 min

In Newsroom LIVE (ab 19.55 Uhr auf PULS 24) spricht der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba über den Öl- und Gas-Boykott der EU gegen Russland, dass eine Kapitulation in Mariupol nicht zur Debatte steht und was er von den deutschen Intellektuellen hält, die den offenen Brief unterzeichneten.

Der von der EU geplante Boykott von russischem Öl sei ein Erfolg, bestätigt der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba im Newsroom LIVE, jedoch durch den beschlossenen Zeitplan kein bedeutender. "Verstehen Sie mich nicht falsch, wir begrüßen das, aber für sechs weitere Monate werden die EU-Staaten Milliarden Euro an Russland zahlen, die in die russische Kriegsmaschinerie investiert werden. Mein Standpunkt ist einfach: Jeder Euro der durch Gas, Öl oder andere Güter an Russland gezahlt wird, endet als Patrone in der Ukraine, um meine Landsleute zu töten."

Gas-Embargo "unausweichlich"

Österreich sei bei den ersten fünf Sanktionspaketen gegen Russland immer mit an Bord gewesen, so Kuleba. Er habe dahingehend also nichts zu beanstanden. Zum Gas-Embargo, gegen das sich Österreich ausspricht, könne er nur sagen: "Es ist unausweichlich. Es wird kommen. Es ist nur eine Frage der Zeit."

"Russland kann man nur auf zwei Arten stoppen: Indem man ihm die Öl- und Gas-Milliarden der EU vorenthält und durch den Mut und die Tapferkeit des ukrainischen Volkes, das es in der Ukraine bekämpfen und nicht erlauben wird, dass Russland den Krieg auf den Westen ausweitet", so Kuleba.

Keine Kapitulation in Mariupol

"Mariupol ist eine offene und blutende Wunde", sagt der ukrainische Außenminister. Es sei gelungen "ein paar Tausend Zivilisten aus dem Asowstal-Stahlwerk zu evakuieren". Noch mehr, gemeinsam mit verwundeten und kämpfenden Soldaten, wären aber noch dort, während Russland das Stahlwerk weiter rücksichtslos bombardiere. Gemeinsam mit der UNO versuche man von ukrainischer Seite, mehr Zivilisten aus Mariupol zu evakuieren. Auf die Frage, ob man eine Kapitulation in Betracht ziehe, ist die Antwort des Außenministers eindeutig: "Nein."

Offener Brief "Manipulation"

Dass deutsche Intellektuelle sich in einem offenen Brief an Kanzler Olaf Scholz gegen Waffenlieferungen ausgesprochen haben, weil das einen dritten Weltkrieg auslösen könne, sieht der ukrainische Außenminister als "Manipulation". "Wenn sie ihre Regierung bitten, der Ukraine nicht zu helfen, sagen sie damit praktisch, dass sie wollen, dass die Ukraine so schnell wie möglich verliert und Russland siegt, um eine neue Realität zu etablieren und mit Russland zur Tagesordnung übergehen zu können." Damit hätten sich die Unterstützer des offenen Briefes aber nicht auf die Seite des Friedens gestellt, sondern auf die Russlands und würden diese Entscheidung mit intellektuellen Argumenten über die Notwendigkeit, dem Frieden näher zu kommen, verschleiern.

Russlands Eliten zutiefst antisemitisch

Russlands Außenminister Sergej Lawrow behauptete, dass Hitler jüdische Vorfahren habe. Für Kuleba ein klares Zeichen, "dass russische Eliten zutiefst antisemitisch sind. Die russische Ideologie ist auf dem Hass auf andere Nationen begründet. Du bist ein zweitklassiger Mensch, wenn du kein Russe bist, darauf stützt sich Putins Gedankenkonstrukt."

Lawrows Äußerungen kleinzureden oder zu ignorieren "provoziert Russland nur zu noch aggressiverem Verhalten gegenüber anderen Nationen. Ich bin der tiefen Überzeugung, dass Lawrow sich bei allen Juden auf der Welt entschuldigen sollte, falls er seine Aussage nicht so gemeint hat. wenn er sie so gemeint hat, sollte jeder aufstehen und verstehen, dass Präsident Putins Regime eine Bedrohung für alle Nationen ist, weil er diese nicht respektiert."

Kuleba: Lawrows Hand ist getaucht in ukrainisches Blut

Sollte es zu einem Treffen zwischen ihm und Lawrow kommen, habe er zwar "viele Emotionen" und "viele Dinge zu sagen", so der Außenminister. Aber "wenn es bei einem Treffen mit Lawrow um die Beendigung des Krieges und die Befreiung ukrainischer Gebiete geht", werde er "diese Gefühle definitiv unterdrücken und mich mit ihm zusammensetzen und verhandeln", so Kuleba. "Aber natürlich werde ich ihm niemals die Hand schütteln, denn seine Hand ist getaucht in ukrainisches Blut", so der ukrainische Minister.

Das ganze Interview im Newsroom LIVE Spezial am Mittwoch, um 19.55 Uhr auf PULS 24 und um 20.15 Uhr auf PULS 4.

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam