APA - Austria Presse Agentur

Aufregung über "Luder"-Sager von Tirols LHStv. Geisler

Juni 04, 2020 · Lesedauer 3 min

In Tirol gibt es Aufregung über einen Sager von Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler (ÖVP). Dieser hatte am Mittwoch am Landhausplatz bei der Übergabe einer Petition gegen das Wasserkraftwerk Tumpen-Habichen eine WWF-Vertreterin als "widerwärtiges Luder" bezeichnet. "Ich entschuldige mich in aller Form für diese völlig unangebrachte Aussage", sagte Geisler gegenüber der APA.

Die Aussage Geislers ist auf einem Video zu hören, das vom WWF auf Youtube publiziert wurde. Bevor Geisler die WWF-Aktivistin als "widerwärtiges Luder" bezeichnete, gab es einen Wortwechsel zwischen Geisler und der Frau über die Verschlechterung von Flüssen. Geisler unterbrach die Frau zuerst und meinte "jetzt müss'ma ein bissl auf dem Boden bleiben", woraufhin die Aktivistin verlangte, dass Geisler sie ausreden lassen solle. Daraufhin meinte Geisler wiederum, dass man "a bissl aufm Boden bleiben" müsse, "weil das Problem jetzt haben wir".

Die Frau fuhr fort und sprach weiter über den Ausbau der Wasserkraft, woraufhin Geisler zu Landeshauptmannstellvertreterin Ingrid Felipe (Grüne) meinte: "Siehst, die lässt mich gar nicht reinreden. Widerwärtiges Luder".

Der WWF empfand dies als "inakzeptable Entgleisung des Politikers" und forderte zugleich eine Entschuldigung ein. "Derartige Beschimpfungen haben in der Politik nichts verloren", sagte WWF-Geschäftsführerin Andrea Johanides dazu. "So darf ein Amtsträger nicht mit Menschen umgehen, die völlig zurecht auf die Folgen der Wasserkraft-Verbauung für die Flüsse hinweisen", hielt sie fest.

Nachdem dem Sager kommt nun auch heftige Kritik seitens des grünen Koalitionspartners. Die bei dem Vorfall anwesende und direkt neben Geisler stehende Felipe ärgerte sich, dass sie die Aussage "in dem Moment nicht gehört" habe. Sie habe den "Luder"-Sager Geislers "nicht wahrgenommen". Sie sei in "intensivem Austausch mit der Aktivistin" gewesen, die Aussage Geislers sei aber "inakzeptabel".

Die grüne Landtagsvizepräsidentin Stephanie Jicha meinte: "So eine frauenfeindliche und sexistische Aussage geht einfach gar nicht". Geisler verdrehe zudem die Tatsachen, indem er angab, die Aktivistin habe ihn unterbrochen. Er habe stattdessen sie unterbrochen, sagte Jicha. Auch die Grüne Frauensprecherin Meri Disoski kritisierte Geisler heftig: "Geislers Verhalten widert mich an. Es offenbart den strukturellen Sexismus, der nach wie vor in höchsten politischen Ebenen des Landes fest verankert ist".

SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Andrea Bunner forderte, nun "nicht zur Tagesordnung" überzugehen. Die Entschuldigung Geislers ändere daran nichts. "Diese Beschimpfung offenbart Frauenfeindlichkeit und Hass auf politische AktivistInnen". Dass Felipe "einfach kommentarlos daneben" stand, sei "unerträglich". Es müsse nun eine "Diskussion über mögliche Konsequenzen" folgen.

Für Tirols LAbg. FPÖ-Frauensprecherin Evelyn Achhorner stand indes die Konsequenz bereits fest: "Da gibt es keine Entschuldigung, sondern solche Repräsentanten der ÖVP oder sonstiger frauenfeindlicher Fraktionen und Parteien haben in der Politik nichts verloren". Achhorner erwartete sich daher den Rücktritt Geislers. Auch sie nahm Felipe aufgrund ihrer fehlenden Reaktion ins Visier: "Sie unterstützte somit Geisler in seiner Aussage, das ist wirklich das Allerletzte".

Liste Fritz-Klubobfrau Andrea Haselwanter-Schneider konnte das Schweigen Felipes ebenfalls nicht nachvollziehen: "Das ist völlig inakzeptabel und irritierend", meinte sie. "Wir Frauen brauchen uns derartige Angriffe und Untergriffe, derartiges Machogehabe nicht bieten lassen". Widerrede werde hier "zur Pflicht", hielt sie fest. Platter müsse zudem eine "aufrichtige Entschuldigung" einfordern. Darüber hinaus richtete die Liste Fritz direkt eine Aufforderung an Geisler: "Herr Landeshauptmannstellvertreter Geisler, entschuldigen sie sich aufrichtig oder treten sie zurück!".

Quelle: Agenturen