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ATV-Frage der Woche: Klare Mehrheit bezweifelt ÖVP-Neustart unter Nehammer

19. Juni 2022 · Lesedauer 3 min

Laut der aktuellen "ATV-Frage der Woche" glaubt in Österreich die Mehrheit von 60 Prozent nicht daran, dass die ÖVP es unter dem amtierenden Bundeskanzler Karl Nehammer schafft, neu durchzustarten und die Partei wieder nach vorne kommt.

Im Dezember sagt Bundeskanzler Karl Nehammer, dass die ÖVP kein Korruptionsproblem hat. Seither ist der ÖVP-Korruptions-U-Ausschuss fleißig am Arbeiten, der Rechnungshof schickt der ÖVP einen Finanzprüfer vorbei, weil er zweifelt, dass die Wahlkampfkosten 2019 nicht überschritten wurden und der Seniorenbund, der Corona-Hilfen kassierte, soll nun - anders als von der Partei behauptet - doch Teil der ÖVP sein. Dazu kommen die Inserate in der Wirtschaftsbund-Zeitung, die nun als Spenden gelten. 

Erst am Mittwoch ließ sich der Kanzler durch ÖVP-Staatssekretärin Claudia Plakolm bei der Beantwortung einer Dringlichen Anfrage durch die FPÖ zu Parteiskandalen und ÖVP-Finanzen vertreten. Das Ergebnis war laut der empörten Opposition eine "Farce". Fast immer lautete die Antwort, die Frage sei "nicht Gegenstand der Vollziehung". 

Korruptionsvorwürfe wie "Fortsetzungsroman"

Politikberater Thomas Hofer meinte, man habe bei den Korruptionsvorwürfen gegen verschiedene ÖVP-Mitglieder das Gefühl.  in einem "Fortsetzungsroman" zu sein. Die Korruptionsvorwürfe seien vor allem deshalb dramatisch, weil die Bevölkerung zurecht einfordere, dass etwas gegen die massiven Probleme, die durch die Teuerung, die Inflation und die gesamten Kriegsfolgen entstehen, getan wird, so der Politikberater im PULS 24 Interview. 

Kaum ein Drittel glaubt an Neustart

"Da rauszukommen ist ganz zentral für die ÖVP, das ist aber nicht so einfach", so Hofer. Das bestätigt auch eine Umfrage unter 500 Österreicher:innen. Nur neun Prozent glauben "auf jeden Fall", dass ein Neustart unter Kanzler Nehammer möglich sein wird, 21 Prozent glauben es zumindest "eher". 60 Prozent sind anderer Meinung, davon 27 "eher nicht" und ein Drittel, nämlich 33 Prozent, "überhaupt nicht". 

Dabei halten ÖVP-Wähler:innen dem Kanzler und seiner Partei wenig überraschend am ehesten die Treue. 94 Prozent jener, die "auf jeden Fall" oder "eher" an einen Neustart unter Nehammer glauben, machen ihr Kreuzerl am Wahlzettel bei den Türkisen. Fragt man SPÖ-Wähler:innen, sind es gerade einmal ein Viertel, bei den FPÖ-Wähler:innen gerade einmal zehn Prozent. 

"Problem liegt bei FPÖ-Potentialen"

"Dass die ÖVP-Wählerschaft mit 94 Prozent hinter Nehammer steht, ist kein Zeichen der Stärke, sondern eine Selbstverständlichkeit", sagt dann auch Meinungsforscher Peter Hajek. "Das Problem für die ÖVP liegt bei den FPÖ-Potentialen, denn nur 10 Prozent der blauen Wählerschaft sieht in Nehammer einen Hoffnungskandidaten."

Hinweis: ATV-Moderator Meinrad Knapp, Politikberater Thomas Hofer und Meinungsforscher Peter Hajek lassen am Sonntag die politischen Geschehnisse der Woche Revue passieren. Unter anderem werden die Ergebnisse von Peter Hajeks aktueller Meinungsumfrage diskutiert. Er befragte 500 Österreicher:innen: "Die ÖVP ist ja seit Längerem durch Korruptionsvorwürfe unter Druck. Trauen Sie Karl Nehammer zu, den Neustart zu schaffen und seine Partei wieder nach vorne zu bringen?"

"ATV Aktuell: Die Woche" am Sonntag, 19. Juni, um 22.20 Uhr bei ATV.

Zur Umfrage: Auftraggeber: ATV - Methode: Kombination telefonische und Online-Befragung - Zielgruppe: Österreichische Bevölkerung ab 16 Jahren - Stichprobengröße: 500 Befragte - Maximale Schwankungsbreite der Ergebnisse: +/- 3,5 % 

Hinweis: In einer früheren Version des Artikels wurde Claudia Plakolm fälschlicherweise als Generalsekretärin bezeichnet. Der Fehler wurde korrigiert, die PULS 24 Redaktion entschuldigt sich.

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam