Rohrer: Eines Bundespräsidenten "unwürdig, Leute für dumm zu verkaufen"

26. Aug. 2022 · Lesedauer 3 min

Journalistin Anneliese Roher meint im Newsroom LIVE, die Bundespräsidentenwahl gebe "Anlass zur Sorge". Es sei ein "Tollhaus", die Unkenntnis bei den Kandidaten enorm und Journalisten sollten sich weigern, extremistischen und demokratiepolitisch bedenklichen Aussagen eine Plattform zu bieten.

Die sexistischen Instagram-Postings von Tassilo Wallentin, über die erst der "Falter" und dann anderer berichteten, rechtfertigte der Bundespräsidentschaftskandidat PULS 24 gegenüber als "Satire". Das sei die immergleiche Argumentationslinie "aus dem rechten Eck", meint Journalistin Anneliese Rohrer im Newsroom LIVE. "Wenn ich bei etwas Zweifelhaftem erwischt werde, sag' ich, das war nicht ernstgemeint". Sowohl die Postings, als auch, die Leute nachher "für dumm zu verkaufen", sei "eines Bundespräsidenten unwürdig".

Hofburg-Webwahlkampf mit Fremdschäm-Faktor

"Eine traurige Veranstaltung" 

Das ganze Bewerberfeld zur Bundespräsidentenwahl sei "eine traurige Veranstaltung" und es gebe "Anlass zur Sorge". "Wie lebendig ist dieses rechte Eck?", "Wo kommen all diese Leute her?", darüber, so Rohrer "sollte man sich Sorgen machen".

Im Wahlkampf müssten sich die Medien fragen "wie viel Platz und wie viel Zeit gebe ich nicht ernstzunehmenden Auftritten und Argumenten". Das müsste man sich laut der Journalistin auch fragen, wenn all diese Kandidaten aus dem linken Eck kämen.

Medien: Keine Plattform für Demokratiefeindlichkeit

Man solle sich laut Rohrer anschauen, "was die von sich geben" und als Medium abwägen, ob die Aussagen der Kandidaten extremistisch, demokratiepolitisch oder gesellschaftspolitisch zweifelhaft sind. In diesem Fall solle man ihnen keine Bühne geben. "Wir müssen auch als Journalisten selbstbewusster werden in der Beurteilung. Ich hab' manchmal das Gefühl, wir fürchten uns vor den Angriffen aus dem rechten Lager." Journalisten sollten das demokratische System schützen, auch wenn die Interviewten "auf und ab hupfen".

Dass die vier Rechtskandidaten nach Amtsantritt die Regierung entlassen wollen, sei laut Rohrer "eine reale Drohung basierend auf der Unkenntnis der Verfassung". FPÖ-Kandidat Walter Rosenkranz nehme sie da aus. "Von dem nehme ich an, dass er die Verfassung kennt." 

Anderer Sieger als Van der Bellen eine "Katastrophe"

Manche würden sagen, Van der Bellen sei zu ruhig, aber wenn ein anderer Kandidat gewinnt, wäre das laut Rohrer "eine Katastrophe". "In dieser Zeit des Kriegs, der Inflation, der Wirtschafts- und Energiekriese", würden die anderen Kandidaten für noch mehr Unruhe sorgen. Es sei ihrer Meinung nach ein "ein schwerer Fehler" von Van der Bellen, dass er bei den Wahlduellen nicht mitmachen will. "Sollen wir sechs Wochen auf und ab diskutieren, wer schneller die Regierung entlassen könnte, wenn er wahrscheinlich nicht einmal weiß, wie das geht?"

Gefahr von "absolutem Chaos" 

Die Journalisten – "und von mir aus Van der Bellen und Rosenkranz – müssen darauf schauen, dass das nicht in ein absolutes Chaos und eine absolut unernste Diskussion mündet". Im Übrigen sei es auch bemerkenswert, dass keine einzige Frau sich der Wahl stellt und sich bereit erklärt hätte "bei diesem Tollhaus mitzumachen".

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam