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Alpbach-Eröffnung mit Neubeginn und einem Abschied

21. Aug. 2022 · Lesedauer 4 min

Es war eine Eröffnung mit viel Neubeginn und einem Abschied. Mit dem traditionellen "Tirol-Tag" ist am Sonntag im Tiroler Alpbach das Europäische Forum quasi voreröffnet worden - die offizielle Eröffnung findet dann am Montag statt. Nach mehr als zwei Corona-Jahren wurde ein "Neubeginn" beschworen, der freilich vom Ukraine-Krieg überschattet wird. Und es gab einen "Abschied": Tirols LH Günther Platter (ÖVP) beging nach 14 Jahren sein letztes "Alpbach" als Landeschef.

Das Szenario war dasselbe wie zu Vor-Corona-Zeiten: Alles wurde bei strahlendem Wetter zunächst am Dorfplatz im "Dorf der Denker" aufgeboten, was das traditionelle Tirol zu bieten hat: Musikkapelle, Schützen mit entsprechender Ehrensalve, "Schnapserl"-Ausgabe, Abschreiten der Formationen, die Tiroler Landeshymne "Zu Mantua in Banden", Bundeshymne und Europahymne.

Anschließend ging es in einem Zug zum Congress Centrum - und dort waren im Rahmen des "Tirol-Tages" der Europaregionen Tirol bestehend aus dem Bundesland Tirol, Südtirol und dem Trentino auch mitunter neue Töne zu hören. "In neuem Kleid und mit neuem Inhalt" präsentiere sich das Europäische Forum heuer, erklärte Forums-Präsident Andreas Treichl und erinnerte an das heurige Motto "The New Europe". Man wolle künftig über die "wichtigsten Themen Europas" diskutieren, so Treichl - und nicht "in getrennten Silos" agieren.

Das wichtigste Thema sei "das Klima", das durch den Angriffskrieg Russlands "ordentlich durcheinandergewirbelt" worden sei. Hinzu kämen das Thema Sicherheit, die Finanzierung von Europas Zukunft sowie Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte. "Wir haben das Programm am 24. Februar ein bisschen umstellen müssen", betonte Treichl unter Verweis auf den Beginn des "Überfalls Russlands auf die Ukraine". "Wir müssen zugeben, dass in den vergangenen zwei Jahrzehnten nicht alles so toll gelaufen ist", meinte der Ex-Erste Bank-Chef. Man habe vor allem vergessen, sich um die Sicherheit Europas zu kümmern - und dieses Versäumnis könne nun "den Fortschritt beim Klima beeinträchtigen". Nur gemeinsam könne man in Europa Probleme lösen, das Forum werden jedenfalls den notwendigen "Neubeginn begleiten", kündigte der Präsident an.

Der Abschied nehmende Platter - er kandidiert bei der anstehenden Tiroler Landtagswahl nicht mehr - gab in seiner 15. Alpbach-Eröffnungsrede seiner Amtszeit den Mutmacher. Man müsse den Menschen trotz aller Krisen "Mut machen und gemeinsam Zuversicht vermitteln". Dann gehe man vielleicht sogar stärker daraus hervor. Und Platter erinnerte an den diesjährigen Alpbach-Gesundheits-Fokus der "Euregio". So fiel der Startschuss für das sogenannte "EuregioLab" - einer Denkfabrik, die über grenzüberschreitende Maßnahmen beraten soll. Ende des Jahres sollen erste Ergebnisse feststehen. Platter sprach von einem "Exzellenzzentrum" im Life Science-Bereich sowie einem Transferzentrum. Gesundheit sei das wichtigste Gut, so der Landeschef und streute mit der Erinnerung an seinen schweren Skitour-Unfall im vergangenen Jahr Persönliches ein. Es brauche hier ein "Dreigestirn" aus Ärzten, Politik und den Menschen selbst.

Südtirols Landeshauptmannstellvertreterin Waltraud Deeg (SVP), die Landeschef Arno Kompatscher (SVP) vertrat, brach in ihrer Rede eine Lanze für einen ganzheitlichen Gesundheitsansatz, der die Psyche miteinschließt. Sie nahm Bezug auf die "tiefen Spuren", die Corona vor allem auch bei jungen Menschen hinterlassen habe. Gleichzeitig dankte sie den vielen im Gesundheitsbereich Tätigen, die während der Pandemie "an der Front" unter schwierigen Bedingungen im Einsatz waren. Der Trentiner Landeshauptmann Maurizio Fugatti hielt seine kurze Ansprache großteils auf Deutsch und dankte seinem Amtskollegen Platter für die gute Zusammenarbeit in kritischen Pandemie-Zeiten im Jahr 2020. Er sprach vor allem auch die Wichtigkeit der jungen Menschen an, mit der man in der Euregio und beim Europäischen Forum zusammenarbeiten wolle.

Den "Tirol-Tag" ließen sich wie gewohnt viele weitere Ehrengäste nicht entgehen. So unter anderem Staatssekretär Florian Tursky (ÖVP), ein Tiroler, Ex-Forumspräsident Franz Fischler, Tirols ÖVP-Chef und Landtagswahlspitzenkandidat Anton Mattle sowie weitere Mitglieder der Landesregierung wie Landeshauptmannstellvertreterin Ingrid Felipe. Auch für sie war es die letzte Alpbach-Eröffnung in ihrer Position.

Am Montag wird dann das 77. Forum, das bis 2. September über die Bühne geht, offiziell eröffnet. Erwartet werden laut den Veranstaltern u.a. Bundespräsident Alexander Van der Bellen, die moldauische Präsidentin Maia Sandu, Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP), der Erste Vizepräsident des Europäischen Parlaments, Othmar Karas (ÖVP), und die Rektorin der Central European University (CEU), Shalini Randeria.

Quelle: Agenturen