Van der Bellen: Auch Putin verliert Kontrolle über Eigendynamik des Krieges

22. Sept. 2022 · Lesedauer 2 min

Bundespräsident Alexander Van der Bellen sagt im PULS 24 Interview, man müsse angesichts der russischen Teilmobilisierung die "Nerven bewahren". Der Ukraine-Krieg entwickle eine Eigendynamik, die sich sogar der Kontrolle Putins entziehe.

Die Rede des russischen Machthabers Wladimir Putin zu einer Teilmobilisierung markiert eine neue Eskalationsstufe im Ukraine-Krieg. Im Interview mit PULS 24 Chefredakteur Stefan Kaltenbrunner sagt Bundespräsident Alexander Van der Bellen für den Westen und die Europäische Union heiße es jetzt "Nerven bewahren" und sich "nicht übertrieben nervös" machen lassen. 

Van der Bellen meinte zudem er habe den "Krieg als solchen nicht erwartet". Dass dieser Krieg jedoch "eine Eigendynamik entwickelt, die sich unter Umständen sogar der Kontrolle Putins entzieht, das war schon vorauszusehen", meint er.

Van der Bellen: "Nicht den Teufel an die Wand malen"

Es drohe eine weitere Eskalation, aber man müsse beobachten, ob die Situation nicht auch in Russland nach "hinten losgehe", so der Bundespräsident. Durch die Teilmobilisierung würden mehr Mütter ihre Söhne verlieren und das könne das russische Staatsversehen, das unter Putins Kontrolle stehe, nicht kompensieren.

Eine andere Gefahr sehe er in den Scheinreferenden in den besetzten Gebieten Luhansk, Donezk und Cherson. Van der Bellen wollen "nicht den Teufel an die Wand malen", denn die neuen Entwicklungen würden nicht bedeuten, dass Putin den Krieg gewinnen würde.

Getreideabkommen hat Hungersnot verhindert

Über die Teilmobilmachung habe er bei seinem Gespräch mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan nicht ausführlich gesprochen. Nur durch den bestehenden Kontakt Erdogans zu Putin als auch Selenskyj, wäre das Getreideabkommen zustande gekommen. Ohne dieses, wäre die Gefahr einer Hungersnot in den Ländern wie der Nahe Osten, Arabien oder Afrika "sehr sehr groß" gewesen. Es gehe dabei nicht darum "eine Wurstsemmel weniger am Tag zu essen", sondern es ging um die Verhinderung von Hungersnot.  

Astrid PozarekQuelle: Agenturen / Redaktion / poz