Afghanistan: Erste Anzeichen der "extremen Scharia, wie vor 20 Jahren" schon da

16. Aug 2021 · Lesedauer 3 min

Mostafa Noori stammt aus der drittgrößten Stadt Afghanistans und berichtet, dass die Gewalt der Taliban bereits wieder Einzug hält. Es wäre zu Morden gekommen, es zeichne sich bereits wieder eine "extreme Scharia" ab.

Der aus Herat stammende Afghane Mostafa Noori berichtet im PULS 24 Interview, von tränenvollen, schlaflosen Nächten in den vergangenen drei Wochen. Afghanistan ist am Sonntag komplett von den Taliban eingenommen worden. Noori hat täglichen Kontakt in die Krisenregion. Auch einige Verwandte von ihm seien noch in Afghanistan.

Die Entwicklung von 20 Jahren wären binnen weniger Tage zerstört worden. Dass die Eroberung durch die Taliban so schnell gegangen sei, läge an der "total korrupten Regierung". Die Bevölkerung hätte nie mitbestimmen können. Es hätte keine "klare Wahl" gegeben. Die beiden Ex-Präsidenten seien auch US-Staatsbürger gewesen. Das hätten die Taliban genützt, um Hass gegen die Regierung zu schüren. 

"Die Taliban waren nie weg"

Die Radikalislamisten hätten sich in Dörfer und über die Grenze nach Pakistan und Iran zurückgezogen. In den vergangenen drei Wochen wären Tausende zurückgekommen. Das Militär hätte kampflos "wahrscheinlich mit Befehl unserer Regierung" das Feld den vormarschierenden Taliban übergeben. Er hätte mitbekommen, was in Herat passiert sei. Die Zivilbevölkerung hatte zwei Wochen gekämpft, dann hätte der Präsident den Chef der Truppen ausgewechselt. Truppen kamen, um die Stadt zu sichern, doch es waren Taliban in Uniformen der Armee. 

Die internationalen Truppen hätten nicht so schnell abziehen dürfen. Seit drei Jahren gebe es Gespräche, die Taliban in die Regierung zu holen. Der schnelle Rückzug hätte es ihnen ermöglich, schnell ins Land zu kommen. 

"Extreme Scharia": Erste Gewalttaten passieren bereits

Nun sei das Land um 20 Jahre zurückgeworfen. Für Frauen und Mädchen sei die Lage besonders schlimm. Seine Großmutter hätte früher noch Bikini tragen dürfen, dann musste sie Burka tragen. Sobald die Taliban fest Fuß gefasst haben, werden sie wieder die "extreme Scharia" einführen wie vor 20 Jahren, ist sich Noori sicher. Die Zeit von damals wünsche er nicht einmal seinen ärgsten Feinden. Gewalt werde wieder an der Tagesordnung stehen, das habe sich bereits gezeigt. Soldaten, die bereits aufgegeben haben, wären aufgehängt worden. In Herat seien angeblichen Dieben die Hände abgehackt worden. 

Um Afghanistan zu helfen, sei Bildung der einzige Weg. In den vergangenen Jahren sei ins Militär und nicht in Bildung investiert worden. In den Moscheen würden die Jungen weiter radikalisiert. 

Die Bevölkerung sei kriegsmüde. Millionen Menschen seien auf der Flucht. Man müsse auch gegen die Nachbarländer vorgehen, will man etwas gegen die Taliban ausrichten. Denn Anrainerstaaten unterstützen die Radikalislamisten enorm.

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Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam