Ärztekammer zur Spitalskrise: "Es geht um Leben und Tod"

13. Dez. 2022 · Lesedauer 2 min

Die Arbeitsbedingungen in den Spitälern spitzen sich immer weiter zu. Stefan Ferenci, der Vizepräsident der Wiener Ärztekammer, spricht von einer nie dagewesen Situation: "Die Patientinnen können nicht mehr so versorgt werden, wie es ihnen zusteht."

"Leute liegen am Gang zum Sterben". Die Nachricht eines Arztes sorgt derzeit für Bestürzung. Der Mediziner spricht darin die katastrophalen Arbeitsbedingungen in den Wiener Gemeindespitälern an. Die Situation sei schlimmer als "zu Covid-Zeiten".

Die ganze Nachricht:

Ein Wiener Gemeindearzt spricht die Situation in den Spitälern anPULS 24

"Den Ärztinnen und Ärzten in den Spitälern geht es sehr schlecht", erklärt Stefan Ferenci, der Vizepräsident der Wiener Ärztekammer, im Gespräch mit PULS 24 Anchor René Ach. Drei Viertel der Ärzt:innen in den Wiener Gemeindespitälern gaben in einer aktuellen Umfrage an, unter einer dauernden sehr hohen oder hohen Arbeitsbelastung zu leiden. "Das kann man in einem gewissen Zeitraum durchstehen," so Ferenci. "Aber auf Dauer macht es die Arbeitszufriedenheit kaputt und es macht krank."

Problemstelle Notfallambulanz

Besonders "prekär" sei die Situation derzeit in den Notfall-Ambulanzen. Ein Mitarbeiter erklärte Ferenci zuletzt, er würde "fast nur noch Kriegsmedizin" betreiben. "Die Patientinnen können nicht mehr so versorgt werden, wie es ihnen zusteht", so Ferenci.

Die Probleme im Gesundheitssektor seien jahrelang ignoriert worden. Aufgrund akuter Personalnot komme es auch immer häufiger zu Triagen. "Das ist eine Qualität, wie wir sie in Österreich nie hatten", betont Ferenci. "Da geht es um Leben und Tod." 

Spitalsärzte am Limit: Triagen "sind Alltag"

Akuter Personalmangel

Derzeit gäbe es schlicht nicht genügend Ressourcen, um eine sichere Versorgung der Wiener Patient:innen zu gewährleisten. 25 Prozent der Ärzt:innen können die gesetzlichen Ruhebestimmungen nicht einhalten, betont Ferenci. "Ein Fehler hat potentiell tödliche Konsequenzen", so der Mediziner. Übermüdung würde die Fehleranfälligkeit erhöhen. Die inadäquate Versorgung von Patient:innen gehe zusätzlich mit einer hohen emotionalen Belastung der Ärzt:innen einher. 

Um die Situation zu entschärfen, hat die Ärztekammer konkrete Forderungen: Während der Pandemie hätten Ärzt:innen auf freiberuflicher Basis in Containern, den sogenannten "Schnupfenboxen", gearbeitet. Ein ähnliches Konzept hält Ferenci derzeit für sinnvoll, um etwa die Notfallabteilungen schnell zu entlasten. Längerfristig gehe es darum, Personal zu halten und Rahmenbedingungen zu schaffen, die dafür sorgen, dass Ärzt:innen ihren "Kernkompetenzen" nachgehen können. Dazu zählt inbsesondere die Entlastung auf organisatorischer Ebene.

Magdalena BergerQuelle: Redaktion / mbe