20 Jahre nach 9/11: Wie hoch die Terrorgefahr der Al-Kaida heute ist

11. Sept 2021 · Lesedauer 3 min

20 Jahre ist es her, dass die Passagierflugzeuge in New York und Washington einschlugen und die Welt live zusah, wie das World Trade Center einstürzte. Hinter den Anschlägen steckte Al-Kaida - was wurde aus der Terror-Organisation?

Zum Zeitpunkt der Anschläge in New York und Washington war Al-Kaida - im Gegensatz zu heute oder zum "Islamischen Staat" - eine straff organisierte Kaderorganisation mit eher gebildeten Mitgliedern, erklärt Nahost-Experte Thomas Schmidinger. Die Terrororganisation, die sich aus sich selbst gebildet hatte und mit Osama bin Laden einen charismatischen Anführer gefunden hatte, baute sich im Laufe der 90er Jahre auf. 

Die Organisation war von Beginn an in Afghanistan verwurzelt und rekrutierte stark im Umfeld der Mudschahedin, also jener Islamisten, die gegen die sowjetische Besatzung Afghanistans gekämpft hatten. Am 11. September 2001 erreichten sie mit den Anschlägen auf amerikanischem Boden den Zenit der Macht. Dennoch sind sie für Terrorismusexperten Nicolas Stockhammer nach wie vor die strategischste und langlebigste sowie einflussreichste Jihadistenorganisation. 

Stockhammer: "Mit dem Anschlag am 11. September war Al-Kaida am Zenit ihrer Macht"

Damals bestand Al-Kaida aus gebildeten "Oberschichtskids", die das Können für so eine klandestine Operation hatten und auch Flugzeuge fliegen konnten. Diese gebildeten Attentäter wiesen ein hohes Maß an Fanatisierung und Ideologisierung auf, sagt Schmidinger. Heute hat Al-Kaida zwar mehr Anhänger, die hätten aber einen anderen Hintergrund. Es handelt sich um großteils marginalisierte, weniger gebildete Menschen. Ein Attentat in der Größe von 9/11 wäre für sie nur noch schwer umsetzbar.

Wie kam es zu dieser Veränderung? 

Im ersten Jahrzehnt nach 9/11 konzentrierte sich Al-Kaida - mit Ausnahme der Anschläge in Madrid und Paris - auf den Nahen Osten. Durch den "War on Terror", der Amerikas Reaktion auf 9/11 war, wurde ihr Raum enger, sagt Stockhammer. Al-Kaida veränderte daraufhin die Strategie - man setze auf "Franchise-Netzwerke" auf der arabischen Halbinsel und in Afghanistan, wo man sich unter die Taliban mischte. Man orientierte sich auf den Kampf gegen den "nahen Feind".

Die Drohnenkriege der USA mit vielen zivilen Opfern erleichterterten den Jihadisten aber die Rekrutierung neuer Mitglieder, sagt Schmidinger. Dadurch sei Al-Kaida heute zwar logistisch geschwächt, habe aber mehr Kämpfer und mehr Fußvolk als 2001.

Mit der Tötung Osama bin Ladens unter der Präsidentschaft Barack Obamas verlor Al-Kaida schließlich ihren charismatischen Anführer. Und obwohl Al-Kaida die jihadistischen Narrative immer noch bedient und strategischer ist, tat auch die Abspaltung des "Islamischen Staats" weh, so Stockhammer. Wenn nun Afghanistan von den Taliban kontrolliert werde und Al-Kaida mitprofitiert, könne es aber sein, dass man sich wieder auf Ziele im Ausland konzentrieren werde.

Quelle: Redaktion / koa