9/11: Der Türöffner zur Welt der Verschwörungstheorien

10. Sept 2021 · Lesedauer 3 min

Experte Claus Oberhauser räumt mit den Mythen und Verschwörungstheorien auf und erklärt, wie sie entstanden sind.

"9/11 kann als Türöffner für weitere Verschwörungstheorien gesehen werden", sagt Claus Oberhauser, Experte für Verschwörungstheorien, gegenüber PULS 24. Wer an die Verschwörungen glaubt, die sich um die Anschläge, die sich am Samstag zum zwanzigsten Mal jähren, ranken, der glaubt "mit sehr, sehr großer Wahrscheinlichkeit" auch an andere Verschwörungen. 

Und von diesen Verschwörungen gibt es gar nicht so wenig - um die meisten Krisen ranken sich solche Mythen: Corona, Migration und die Klimakrise sind nur einige Beispiele. 9/11 war laut Oberhauser aber das erste große Event, nach welchem die "Theorien" rasch aufgekommen und sich verfestigt haben. Das liege an der gleichzeitigen stärkeren Verbreitung des Internets.

YouTube sei kurz darauf aufgekommen, der Anti-Amerikanismus und der Glaube an vermeintliche globale Eliten habe sich zu dieser Zeit stark verbreitet, sagt Oberhauser. Es war das erste Großereignis, das live im Fernsehen zu sehen war und eine jahrelange Krise und Kriege nach sich gezogen habe. "Die Menschen haben versucht, einen Sinn hinter den Anschlägen zu sehen", so der Experte. 

Doch wie kam es zu den bekanntesten Verschwörungsmythen?

"Die amerikanische Regierung war eingeweiht"

Innerhalb dieser Theorien gibt es zwei wesentliche Stränge: Die damalige Bush-Administration war in die Anschläge eingeweiht und hat es bewusst zugelassen oder hat es selbst durchgeführt. Entstanden seien diese Theorien, weil der "commission report" Lücken hat, sagt Oberhauser. Die Geheimdienste ließen gewisse Informationen nicht an die Öffentlichkeit und wenn so etwas passiert, fangen Menschen an, Fragen zu stellen, so der Experte.

Zudem wurde von der Bush-Regierung auch gelogen: So wurden die Massenvernichtungswaffen im Irak nie gefunden - das befeuere solche Mythen ebenfalls. Das hätte es etwa auch schon bei Pearl Harbor gegeben, sagt Oberhauser. Gewisse Zweifel können nicht ausgeräumt werden. Konsens sei aber, dass die Regierung es nicht gewusst habe - es hätte Meldungen gegeben, aber die Behörden waren nicht aufeinander abgestimmt. 

Der Pächter und seine Versicherung

Larry Silverstein hatte das World Trade Center gepachtet und es kurz vor den Anschlägen auf Terrorismus versichern lassen. Auch das befeuerte Verschwörungsmythen - Silverstein könnte selbst etwas damit zu tun haben. Es sei aber durchaus normal, solche Gebäude gegen Terrorismus zu versichern und es habe ja Warnungen gegeben, sagt Oberhauser. Aber das sei eben das Wesen von Verschwörungstheorien: Man fokussiere auf das Narrativ und glaube nicht mehr an Zufälle. 

Eine weitere Theorie ist die der bewussten Sprengung der Gebäude. Es gebe auch Wissenschafter, die das behaupten, sagt Oberhauser. Beweise gebe es aber keine.

20 Jahre nach 9/11: Die Wunden sind noch nicht verheilt

Auch 20 Jahre nach den Anschlägen vom 11. September 2001 sind bei Angehörigen und Betroffenen die Wunden nicht verheilt.

Quelle: Redaktion / koa