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Wiener Philharmoniker in Erl: Ausleuchten von Kontrasten

26. Jan. 2026 · Lesedauer 3 min

Die Wiener Philharmoniker haben Sonntagabend im Festspielhaus Erl ihr erstes Konzert in Tirol seit 1999 gegeben. Unter der musikalischen Leitung von Karina Canellakis widmeten sie sich dabei der Musik von Felix Mendelssohn Bartholdy und Ludwig van Beethoven. Den einheitlichen Klang der Philharmoniker nutzte Canellakis gekonnt dazu, um die in diesen Werken angelegten Kontraste zwischen laut und leise, zart und zupackend wirklich bis in letzte Details auszuleuchten.

Dass diese enormen, akzentuiert herausgearbeiteten Dynamikunterschiede nicht erzwungen klangen, war wohl die größte Leistung von Canellakis. Sie legte ihr Dirigat nämlich nicht als Show und nicht als reinen Versuch an, den für gewöhnlich schon überaus präzise musizierenden Philharmonikern noch ein paar Quäntchen mehr an Präzision und noch weitere klangliche Nuancen abzuringen.

Doch der Dirigentin gelang letzten Endes eben genau das, jedoch mit einer fast schon traumwandlerisch anmutenden Leichtigkeit. Die leisen Töne, die "Zwischentöne" in der Ouvertüre zu Shakespeares "Ein Sommernachtstraum" von Mendelssohn Bartholdy legte sie fast noch "märchenhafter" an, als es die Vorlage sowohl musikalisch als auch von ihrer Bezugnahme auf den Shakespeare-Text ohnehin schon nahelegen würde.

Um eine Auslegung, die allzu romantisch oder gar kitschig erscheinen könnte, machte die US-Amerikanerin mit den Wiener Philharmonikern an ihrem Gängelband jedoch einen breiten Bogen. Das Klangbild war klar, die Feinheiten auf den Punkt gebracht, ihre Leitung vorausschauend und die Partitur in jedem Augenblick durchdringend.

Virtuosität und zupackende Beethoven-Symphonie

Selbiges galt für das "Konzert für Violine und Orchester e-moll", ebenfalls von Mendelssohn Bartholdy. Dafür gesellte sich für die höchst virtuose Komposition die Solo-Violinistin Albena Danailova mit dazu. Auf ihrer Stradivari musizierend passte sie perfekt zu dem Klangbild, das den Wiener Philharmonikern an sich schon eigen ist und unter Canellakis noch einmal auf die Spitze getrieben wurde. Das Klangbild war satt und doch nuanciert, sowohl dem gesamten Orchesterklang als auch den einzelnen "Stimmen" der Instrumente verpflichtet. So musizierte sich Danailova mit Klarheit, Wucht und enormer Spielfreude, fast schon tänzelnd leicht, durch verschiedenste klangliche und musikalische Ebenen der Komposition.

Aufbruchsstimmung und heftiger Applaus

Es folgte schließlich zum Abschluss Beethoven und seine "Symphonie Nr. 2 D-Dur". Weniger kontrastreich als die vorangegangenen Kompositionen, konnten Canellakis und die Philharmoniker hier dennoch noch einmal alle bisher schon präsentierten Stärken ausspielen. Zupackend in den kraftvollen Passagen, fein und hintergründig in den ruhigen Momenten. Die Symphonie von Beethoven geriet so - wie wohl auch vom Komponisten intendiert - zu einem mutigen Werk zwischen dezentem Selbstzweifel und bestimmter Aufbruchsstimmung.

Nach knapp zwei Stunden Musik durften sich schließlich sowohl Canellakis als auch die Wiener Philharmoniker heftigen Applaus und Bravo-Rufe abholen. Der Weg hatte sich somit gelohnt: Sowohl für die Wiener Philharmoniker bei einem ihrer höchst seltenen Tirol-Gastspiele als auch für das Publikum im restlos ausverkauften Festspielhaus.

(Von Markus Stegmayr/APA)

(S E R V I C E: Wiener Philharmoniker mit Musik von Felix Mendelssohn Bartholdy und Ludwig van Beethoven. Musikalische Leitung: Karina Canellakis. Violine: Albena Danailova. www.tiroler-festspiele.at)

Zusammenfassung
  • Die Wiener Philharmoniker gastierten am Sonntagabend erstmals seit 1999 wieder in Tirol und spielten im restlos ausverkauften Festspielhaus Erl Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy und Ludwig van Beethoven.
  • Unter der Leitung von Karina Canellakis wurden die klanglichen Kontraste und Dynamikunterschiede in den Kompositionen besonders nuanciert und mit Leichtigkeit herausgearbeitet, wobei auch die Solo-Violinistin Albena Danailova mit Virtuosität überzeugte.
  • Nach knapp zwei Stunden Musik wurden das Orchester, die Dirigentin und die Solistin vom Publikum mit heftigem Applaus und Bravo-Rufen gefeiert.