APA - Austria Presse Agentur

Vorarlberger Regisseurin beklagt fehlende Resonanz auf Ideen

02. Feb 2021 · Lesedauer 3 min

Die Pandemie hat die Vorarlberger Schauspielerin, Theaterpädagogin und Regisseurin Brigitte Walk vom walktanztheater in ihrer Kreativität nicht gebremst. Im Gegenteil: Sie sprüht vor Ideen, wie auch unter Coronavorgaben Kultur möglich wäre. Behindert fühlt sie sich dabei allerdings von unflexibel agierenden Partnern, etwa in den Gemeinden. Sie wünsche sich mehr Offenheit für neue Formate und dass mehr auf Künstler zugegangen werde. Derzeit lebe sie von ihren Reserven.

"Wir würden als professionelles Theater gerne weitermachen, dazu müsste man sich aber auch in den Gemeinden und Städten vermehrt mit den Künstlern zusammensetzen und Möglichkeiten ausloten", so Walk im Gespräch mit der APA. Im Sommer spielte das walktanztheater erfolgreich und coronakonform drei Stücke im Freien. Derzeit bestehe aber kaum eine Möglichkeit, Kunst zu sehen. Sie habe viele Ideen, etwa in der Verschränkung von Liveperformances mit dem Digitalen. "Ich spiele, tanze in meinem Wohnzimmer und mache das per QR-Code an einem öffentlichen Gebäude zugänglich - warum nicht? Wir haben Ideen deponiert, aber finden keine Resonanz. Alles ist viel zu kompliziert und unflexibel", bedauerte Walk.

"Warum rufen die Bürgermeister nicht die Künstler in ihren Gemeinden an, um ein Zeichen zu setzen - weil sie das wollen, weil wir die künstlerische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Themen brauchen?", fragte sich Walk. Stattdessen würden Künstler zu Bittstellern gemacht. Über die Dauer der Pandemie mache sie sich keine Illusion: "Alle Pandemien bisher haben zwei Jahre gedauert." Darum sei es an der Zeit, jetzt neue Formate zu entwickeln. "Aber wir rennen an Gewohnheitstore: Das geht nicht, das kostet zu viel", beschrieb Walk. Kunst werde "verwaltet, nicht ermöglicht".

Sie sei bewusst aus den "geschützten" Häusern in die freie Szene gegangen, um Theater an neue Orte dorthin zu bringen, wo eine Konfrontation mit Nicht-Theatergehern möglich sei. Das laufende Programm des in Feldkirch ansässigen, interdisziplinär arbeitenden Theaters wurde wiederholt verschoben, Pläne gibt es etwa für ein Stück zu Hannah Arendt und eine Schaufenster-Performance. "Uns fehlen, um es mit Hannah Arendt zu sagen, diese Zwischenräume, die wir bespielen können. Das gemeinsam Lachen, Feiern, Diskutieren, das fehlt uns allen. Wir knallen wie Knochen aufeinander", beschrieb die Theaterfrau. Trotz ungewisser Auftritte probten und übten alle Künstler, denn Handwerk müsse geschärft werden. "Künstler sind nicht nur dann Künstler, wenn sie auf der Bühne stehen", betonte sie.

Dass das Land Vorarlberg gerade in dieser Situation das Kulturbudget kürzte, berührte Walk wenig. "Die Kulturbudgets sind immer noch marginal, daran wird jetzt keiner dünner oder dicker", meinte sie. Man kämpfe seit Jahren für die Anhebung der Staatsausgaben für Kunst und Kultur auf ein Prozent des BIP. "Ich kriege ein bisschen was von der SVS. Ich habe seit 30 Jahren wie verrückt und erfolgreich gearbeitet. Ich lebe jetzt von meinen Reserven, nicht von den Zuwendungen, das ginge sich nie aus", sagte sie. Vom Land habe sie kein Arbeitsstipendium erhalten, weil das Theater bereits Jahresförderung beziehe. Die Stadt Feldkirch fühle sich gleich gar nicht verantwortlich.

Sorgen bereitete der Künstlerin, was in Europa durch den Ausfall der Kultur verloren geht, nicht nur, aber auch finanziell. Schließlich hingen am Kultursektor zahlreiche Jobs. Aus ihrer Sicht droht aber zudem ein "zivilisatorischer Rückschritt" Europas, weil Kunst und Kultur nun nicht für wichtig erachtet werden. "Wir werden viele Ideen haben müssen, um aus der Pandemie herauszukommen. Es wird ein Zeitalter der Ideen werden, nicht nur wegen der Digitalisierung", so die Theatermacherin. Dazu müsse man aber viel flexibler werden, Zugang zu Möglichkeiten schaffen und Neues zulassen.

Quelle: Agenturen