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Von starrer Pose zur Dynamik: "Tanzbild" in Albertina modern

Heute, 11:55 · Lesedauer 3 min

Von starren Posen bis zum Festhalten von Bewegung dank technischer Neuerung: Die Schau "Tanzbild" in der Albertina modern erzählt die Geschichte der Tanzfotografie von den 1860er- bis zum Beginn der 1940er-Jahre anhand von Exemplaren aus eigener Sammlung. "Wenn man an diesen Werken vorübergeht, bekommt man Lust, sich entsprechend zu bewegen", so Generaldirektor Ralph Gleis bei der Präsentation am Dienstag. Es sei "eine quasi tanzbare Ausstellung" - "schwungvoll, dynamisch".

Die meisten der rund 120 gezeigten Werke stammen aus der Zwischenkriegszeit. In diesem laut Gleis "für die Tanzfotografie sehr fruchtbaren" Abschnitt entfaltete sich die Tanzmoderne in Abgrenzung zum klassischen Ballett als breite Bewegung. Los geht es im chronologischen Ablauf aber Mitte der 1860er-Jahre: Man sieht Porträts oder Stellungsposen. "Das war nicht nur der Beginn der Fotografie als Massenmedium, sondern auch der Beginn des Starkults", erläuterte Kuratorin Astrid Mahler. "Zeitgenossinnen sammelten diese Bilder."

Von den starren Posen geht es weiter zum Kapitel Bewegungsmoment. "Ohne die technischen Neuerungen, die in der Fotografie passiert sind, gäbe es keine dynamischen Tanzaufnahmen", betonte Mahler. "Diese Pioniere entwickelten zum Beispiel eine Möglichkeit der ganz kurzen Belichtungszeit. Das bewirkt, dass Bewegung fotografiert werden kann, eine Revolution in der Tanzfotografie." Ein Beispiel dafür sind etwa Aufnahmen von Josephine Baker, die Ernst Hartmann während eines Auftritts der Legende im Ronacher schoss.

Eine Revolution löste auch Tänzerin Isadora Duncan aus. "Sie entwickelte den neuen, freien Tanz in Ablehnung des Balletts. Sie propagierte die freie Körperbewegung", erzählte die Kuratorin. Duncan beeinflusste andere Tänzerinnen wie die Schwestern Wiesenthal in Wien, aber auch expressionistische Künstler wie Egon Schiele, so Mahler. Im Rundgang verdeutlicht sich, wie sich im Wechselspiel die Fotografie ebenso wie der Tanz von strengen Konventionen abnabelt.

In der Zwischenkriegszeit ist vor allem die Tänzerin - "denn die Tanzmoderne ist weiblich" (Mahler) - ein beliebtes Motiv in Magazinen. "Zunehmend, ab Mitte der 20er, entblößt sie sich - sogar am Cover. Man sieht nun Akte und Halbakte. Das war auch ein Zeichen für den Aufbruch nach dem Ersten Weltkrieg", erklärte die Kuratorin. Die soziopolitischen Veränderungen kommen damit zum Ausdruck.

Rares und Bewegtes

"Tanzbild" versammelt mitunter rare Aufnahmen von namhaften Vertretern der Zunft wie Lisett Model, Erwin Blumenfeld, Hugo Erfurth, Trude Fleischmann, Rudolf Koppitz, Charlotte Rudolph oder Anton Josef Trčka. Abgebildet sind Größen wie Anita Berber, Sebastian Droste, Isadora Duncan, Anna Pawlowa oder Mary Wigman. Integriert ist auch eine bewegte Sequenz per Projektion: Die Berliner Fotografin Suse Byk filmte Valeska Gert 1925 bei der Darbietung einiger ihrer pantomimischen Rollentänze - neben Plakaten eine aufschlussreiche Ergänzung.

Man wolle weiter aus der fotografischen Sammlung schöpfen, kündigte Gleis an. "Tanzbild" sei der Auftakt zu einer Serie. Noch heuer ist eine "Ausstellung zu den frühen Reisefotografien" geplant, sagte er.

(S E R V I C E - "Tanzbild" in der Albertina modern, 3. März - 6. Juni, Katalog mit Fotografien aus der Sammlung der Albertina, Eigenverlag, 168 Seiten, 24,90 Euro; www.albertina.at )

Zusammenfassung
  • Die Ausstellung "Tanzbild" in der Albertina modern zeigt rund 120 Werke zur Geschichte der Tanzfotografie von den 1860er- bis zu den 1940er-Jahren, mit Schwerpunkt auf der Zwischenkriegszeit.
  • Technische Neuerungen wie die Entwicklung kurzer Belichtungszeiten ermöglichten erstmals dynamische Tanzaufnahmen und führten zu einer Revolution in der Darstellung von Bewegung.
  • Zu sehen sind seltene Aufnahmen bedeutender Fotografen sowie eine Projektion von 1925, der Katalog zur Ausstellung umfasst 168 Seiten und kostet 24,90 Euro.