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Vierer-Team leitet ab 2023/24 das Schauspielhaus Wien

12. Mai 2022 · Lesedauer 3 min

In drei Wiener Mittelbühnen werden die Weichen ab der Saison 2023/24 neu gestellt: Ein Vierer-Team leitet künftig das Schauspielhaus Wien, das Werk X übernimmt Esther Holland-Merten. Neu ist auch die Leitung des Dschungel Wien: Anna Horn übernimmt von Corinne Eckenstein, die sich nicht mehr beworben hatte. Das gab Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) am Donnerstag bei einer Pressekonferenz bekannt.

Das interdisziplinäre Vierer-Team im Schauspielhaus besteht künftig aus Marie Bues, Martina Grohmann, Tobias Herzberg und Mazlum Nergiz. Das anwesende Trio (Bues war bei der Pressekonferenz aufgrund einer Premiere verhindert) betonte die Diversität in ihrem Quartett in Hinblick auf Herkunft, Religion und sexuelle Orientierung. "Wir freuen uns, dass wir uns in die innovative Tradition dieses Hauses einschreiben dürfen", so Nergiz, der im Vorjahr das Hans-Gratzer-Stipendium gewonnen hat und mit seinem Stück "COMA" zu Beginn des Jahres als Autor im Schauspielhaus präsent war. Das Schauspielhaus wollen sie zu einem "Ort für zeitgenössisches Theater und lebende Dramatikerinnen und Dramatiker machen": "Wir wollen den Status der Autorinnenschaft neu befragen und neue Konstellationen erproben. Die Kraft des Geschichtenerzählens wird unser Fokus sein, und wir möchten marginalisierten Stimmen Raum und Zeit geben." Als Quartett arbeitet man künftig erstmals zusammen, allerdings habe es untereinander in der Vergangenheit immer wieder wechselnde Kollaborationen gegeben.

Einen Ausblick auf ihre Vision für den Dschungel Wien gab auch Anna Horn, die seit 2019 als stellvertretende Leiterin des Burgtheaterstudios fungiert und davor am Residenztheater in München für das "Junge Resi" verantwortlich zeichnete: "Es soll eine Vielheit von Geschichten nebeneinanderstehen, soziales Miteinander ist mir wichtig, aber auch Identitäten und Geschichtsbewusstsein", so die künftige Chefin des Theaterhauses für junges Publikum, die auch ein Mentorenprogramm mit jungen europäischen Theaterschaffenden etablieren möchte.

Holland-Merten wiederum will im Werk X "Theater für die Stadt und aus der Stadt heraus" machen. Die aktuelle Leiterin von WUK performing arts will vor allem auch die Zusammenarbeit mit dem Bezirk stärken. Als eine der Aufgaben nannte sie es, "weniger zu repräsentieren, sondern Raum für Präsenz zu geben. Nicht über jemanden erzählen, sondern erzählen lassen."

Kaup-Hasler dankte den aktuellen Leitern der Häuser: "Sie alle haben klare Signale in der Stadt gesetzt und eine Ära geprägt", so die Stadträtin. Bezüglich der nunmehr erfolgten Auswahl, die in der Hand einer zwölfköpfigen Jury lag, hielt Kaup-Hasler fest, dass alle Vorschläge einstimmig erfolgt seien, Dreiervorschläge gab es nicht. Die Neubestellungen seien keine Kritik an der Arbeit der Vorgänger. "Sie haben gute Aufbauarbeit geleistet, aber das Haus ist noch nicht fertig", so Kaup-Hasler. "Eine Stadt steht nicht still."

Das Werk X entstand 2014 aus der Fusion von Garage X und Kabelwerk, seither wurde es von Ali M. Abdullah und Harald Posch gemeinsam geleitet. 2018 übernahm Cornelia Anhaus die Leitung des Hauses am Petersplatz. Das Schauspielhaus lag seit der Saison 2015/16 in den Händen von Tomas Schweigen, der Dschungel Wien wurde von Corinne Eckenstein geleitet.

Quelle: Agenturen