APA - Austria Presse Agentur

Van der Bellen und Steinmeier besuchen Jubiläums-"Jedermann"

22. Aug 2020 · Lesedauer 4 min

Der 100. Geburtstag der Salzburger Festspiele zieht auch Staatsmänner nach Salzburg. Bundespräsident Alexander Van der Bellen und sein deutscher Amtskollege Frank-Walter Steinmeier besuchen in Begleitung ihrer Ehefrauen am Samstagabend den Jubiläums-"Jedermann" auf dem Domplatz. Van der Bellen bezeichnete es als "kleines Wunder", dass die Festspiele heuer trotz Coronakrise stattfinden können.

Der 100. Geburtstag der Salzburger Festspiele zieht auch Staatsmänner nach Salzburg. Bundespräsident Alexander Van der Bellen und sein deutscher Amtskollege Frank-Walter Steinmeier besuchen in Begleitung ihrer Ehefrauen am Samstagabend den Jubiläums-"Jedermann" auf dem Domplatz. Van der Bellen bezeichnete es als "kleines Wunder", dass die Festspiele heuer trotz Coronakrise stattfinden können.

Nach dem Besuch eines Konzertes der Wiener Philharmoniker unter der Leitung von Christian Thielemann im Großen Festspielhaus mit ihren Ehefrauen gaben die beiden Präsidenten ein Statement in der Fördererlounge der Salzburger Festspiele ab. Van der Bellen zeigte sich beeindruckt von der musikalischen Darbietung und auch von Mezzosopranistin Elina Garanca. "Es fällt einem ein bisschen schwer aus der musikalischen Atmosphäre zu ihnen zu sprechen", sagte er lächelnd zu den Journalisten. Anschließend lobte er auch die organisatorische Leistung der Leitung und Mitarbeiter der Festspiele, in diesem Jahr das Festival zu veranstalten, wenn auch im beschränkten Rahmen, und die Rück- und Neuabwicklung des Kartenverkaufs bewerkstelligt zu haben.

Van der Bellen gab zu bedenken, dass viele Kulturschaffende noch keine Auftrittsmöglichkeiten hätten und deshalb "all unsere Unterstützung brauchen". Er blickte zurück auf das Jahr 1920, als die Gründer der Salzburger Festspiele nach den Stürmen des Ersten Weltkrieges ein Friedenswerk mit höchstem künstlerischen Anspruch schaffen wollten. Dieses Weltklasseniveau sei auch heuer trotz allen widrigen Umständen gelungen. Die diesjährigen, Corona-bedingten Verhältnisse seien aber nicht mit jenen von 1920 zu vergleichen, meinte Van der Bellen. Mit dem Hilfspaket, das beim jüngten EU-Gipfel beschlossen wurde, sei ein deutliches Zeichen gesetzt worden, um die Coronakrise über die Grenzen hinweg zu meistern, inklusive Neustart in Wirtschaft und Kultur.

Deutschlands Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier stieß ins selbe Horn. Die Salzburger Festspiele präsentierten seit 100 Jahren klassische Musik und Theater auf Weltniveau. In Zeiten der Pandemie sei dies auch für die Künstler bedeutend, das habe er heute bei dem Konzert der Wiener Philharmoniker "sehr deutlich" miterleben können. Er erinnerte an Festspielmitbegründer Max Reinhardt und betonte, Kultur sei kein Luxusgut, sondern ein Lebensmittel.

Die Festivalleitung habe das Festival sehr sorgfältig und verantwortungsvoll geplant, erklärte Steinmeier. Er habe sich schon wochenlang darauf gefreut und es sei ihm eine Ehre, am heutigen Jubiläumstag der Salzburger Festspiele das Konzert und am Abend auf Einladung des österreichischen Bundespräsidenten den "Jedermann" besuchen zu können. Die Kultur und Kulturpräsentation habe eine verbindende Kraft, die auch dabei helfe, die Partnerschaft der Europäischen Staaten untereinander zu pflegen. Angesichts der Pandemie habe man gemerkt, "dass wir einander brauchen".

Nach dem Konzert-Besuch Van der Bellens mit First Lady Doris Schmidauer und Steinmeier mit seiner Frau Elke Büdenbender stand noch ein Vier-Augengespräch der beiden Präsidenten und ein Besuch der Ausstellung "Orte des Exils" im Museum der Moderne auf dem Programm. Am Abend werden die Präsidenten samt ihrer Begleitung Hugo von Hofmannsthals Stück "Jedermann" besuchen, das vor genau 100 Jahren, am 22. August 1920, in der Regie von Max Reinhardt seine Festspielpremiere am Salzburger Domplatz hatte. Dies ist zugleich der Gründungstag der Salzburger Festspiele.

Einen Abschluss fand unterdessen die Reihe "Reden über das Jahrhundert" in der Felsenreitschule. An vier Samstagen hatten die Salzburger Festspiele anlässlich ihres Jubiläums ausgewählte Redner eingeladen, über das vergangene Jahrhundert zu sprechen.

Die Idee und Frage hinter der Veranstaltungsreihe war es, ob der Glaube an die Kraft der Kunst, wovon die Gründerväter überzeugt waren, in einem veränderten Jetzt noch Sinn geben. Die Cellistin und Auschwitzüberlebende Anita Lasker-Wallfisch beantwortete diese Frage in ihrer aufgrund der aktuellen Situation per Video abgespielten Rede mit einem klaren Ja. Elisabeth Orths Rede am Samstag war nicht nur die letzte, sondern auch eine "literarische Rede", die aus Texten, Briefen und Gedichten von Max Reinhardt, Hugo von Hofmannsthal oder auch Stefan Zweig bestand, die allesamt auf die Zeit vor der Gründung der Salzburger Festspiele und die Anfangsjahre Bezug nehmen.

Die Schauspielerin Elisabeth Orth, die selbst schon oft Teil der Salzburger Festspiele war und die Bühne in der Felsenreitschule beim letzten Mal als Portia in Shakespeares "Julius Caesar" betreten hatte, eröffnete ihre literarische Rede am Gründungstag, an dem vor 100 Jahren zum ersten Mal der Jedermann in Salzburg gespielt wurde, mit Hugo von Hofmannsthals "Psyche", dem Dialog eines Menschen mit der sterbensmüden Seele. Eine literarische Rede über "das Wunder des Überlebens" lautete der Titel der Rede auf dem Programmheft, der von Festspielmitbegründer Ernst Lothars gleichnamiger Autobiografie entlehnt ist und woraus Orth ebenfalls vortrug.

Quelle: Agenturen