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Theater an der Wien wird für 60 Mio. Euro generalsaniert

14. März 2022 · Lesedauer 3 min

Seit Anfang März hat Wien wieder nur zwei Opernhäuser. Zumindest im Sinne der Räumlichkeiten. Das 2006 als neues Opernhaus eröffnete Theater an der Wien wird seit Anfang März von den Vereinigten Bühnen Wien (VBW) generalsaniert - und bleibt deshalb bis Herbst 2024 geschlossen. Der Spielbetrieb des Stagione-Hauses wird ab Beginn der Saison 2022/23 im Museumsquartier stattfinden. Am Montag wurden indessen die konkreten Pläne für das 1801 errichtete Stammhaus präsentiert.

Und die gehen über etwas Farbe und das Abschleifen von Böden weit hinaus, fand die letzte Generalsanierung des in Teilen unter Denkmalschutz stehenden Hauses doch 1962 statt. Zum einen betreffen die Vorhaben viele Elemente hinter den Kulissen - begonnen bei der Haustechnik, dem Brandschutz und der Trockenlegung durchfeuchteter Gemäuer. Heizung und Lüftung werden ebenso erneuert wie eine Fotovoltaikanlage am Dach angebracht. Für Künstler und Mitarbeiterinnen soll es künftig einen Kantinenbetrieb geben.

Aber auch die Fassade selbst soll aufgefrischt werden, und in der Millöckergasse, wo sich das berühmte Papagenotor befindet, wird eine verkehrsberuhigte Zone eingerichtet. Das derzeit eher verbaute Foyer soll erweitert werden. "Es gibt momentan ein immanentes Defizit an Bewegungsflächen", so Architekt Daniel Bammer. Das wolle man ändern.

So wird die größte, für das Publikum zu bemerkende Veränderung ein neues Foyer im 1. Obergeschoß sein, das samt einer Loggia das Haus öffnet. "Architektonische Barrieren des Hauses nach außen werden abgebaut", unterstrich Bammer. Und auch der unter Denkmalschutz stehende Theatersaal wird renoviert und etwa die Sitze neu gepolstert, in seiner Substanz aber unverändert belassen. Dafür soll ein neuer Aufzug erstmals auch volle Barrierefreiheit gewährleisten.

"Wir nehmen insgesamt 60,05 Millionen Euro in die Hand, um das Theater an der Wien von Grund auf zu sanieren und zu modernisieren", unterstrich Wiens Finanzstadtrat Peter Hanke (SPÖ). Schließlich gehört das Haus über die zur Wien Holding gehörenden VBW letztlich der Stadt: "Es geht darum, den Schritt in die Zukunft zu machen."

Die Entwicklung des Theaters seit der Wiedereröffnung als Opernhaus 2006 sei äußerst positiv verlaufen, unterstrich Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ), was sich nicht nur an der hohen Auslastung, sondern auch den zahlreichen internationalen Auszeichnungen ablesen lasse. Dass man diesen erfolgreichen Weg durch eine Modernisierung auch für künftige Generation sichere, sei als Symbol in Zeiten, in denen in Europa wieder Krieg und Zerstörung herrsche, keine Selbstverständlichkeit: "Dass wir hier als Stadt Wien sitzen und in die Zukunft planen können, ist ein ganz großes Privileg." Außerdem sei das Vorhaben langfristig angelegt. "Das soll Jahrzehnte halten und uns alle überleben", freute sich Kaup-Hasler.

Auch der designierte Intendant Stefan Herheim, krankheitsbedingt aus Berlin zugeschaltet, unterstrich: "Spätestens mit dem Scheitern des Friedens in Europa und dem erneuten Fall des Eisernen Vorhangs wissen wir, wie fragil die Freiheit der Theater ist." Insofern sei es ein umso bedeutenderes Zeichen, dass Wien bereit sei, hier so viel Geld in die Hand zu nehmen.

Von den projektierten 60,05 Mio. Euro stammen 39 Mio. direkt aus dem städtischen Budget, was mit Mehrheit vom Gemeinderat beschlossen wurde. "Das ist keine Selbstverständlichkeit, denn die Vereinigten Bühnen Wien werden von der Opposition nicht immer mit Samthandschuhen behandelt", betonte VBW-Geschäftsführer Franz Patay die Bedeutung des Vorhabens. Wien Holding und VBW gewähren ein Darlehen von 21,05 Mio. Euro.

Quelle: Agenturen