APA/APA/Oper Graz/Werner Kmetitsch

Tanztheater-Erfolg "La Divina Comedia" nun an der Oper Graz

Heute, 11:44 · Lesedauer 3 min

Etwas mehr als vier Jahre nach ihrer bejubelten Schweizer Uraufführung ist Estefania Mirandas moderne Tanzversion von Dante Alighieris Weltliteratur-Klassiker "La Divina Comedia" in der Grazer Oper und damit erstmals in Österreich zu sehen. Der als eine Art Gesamtkunstwerk zu verstehende Tanzabend der 1975 in Chile geborenen Choreografin, die auch für die Kostüme verantwortlich zeichnet, stieß bei der Premiere am Samstagabend beim Publikum auch in Graz auf Wohlgefallen.

Bereits seit Monaten warf die Produktion in Form eines riesigen, neben dem Haupteingang aus dem Opernhaus ragenden, goldenen Fußes öffentlichkeitswirksam ihr Schlaglicht voraus. Teil von Mirandas Konzept ist es, die neun Höllenkreise aus Dantes Dichtung in den menschlichen Körper zu verlegen, der wiederum in das Operngebäude eingeschrieben ist. Der Einfachheit halber verzichtet Miranda auf mehrere Figuren des Originals wie den römischen Dichter Vergil, der Dante als Führer dient.

So startet der Abend als Stationentheater im erweiterten Foyer der Oper, wo an sechs verschiedenen Orten Ensemblemitglieder als allegorische Todsünden in der "Hölle" Tanzinstallationen performen. Hatte man bei der Uraufführung in Bern das Publikum aus logistischer Vorsicht in Gruppen eingeteilt, so überlässt Miranda in Graz die Bewältigung des Parcours dem freien Spiel der Kräfte - was überraschenderweise trotz leichten Gedränges funktioniert.

Im noch leeren, aber vom Balkon und von den Stehplätzen einsichtigen Opernsaal herrscht Luzifer persönlich, bei Miranda erscheint er als eine Mischung aus Dr. Frank N. Furter und Freddie Mercury, ziemlich beeindruckend verkörpert von Ballettensemble-Mitglied Thibaut Lucas Nury. Während die Hölle nach einer halben Stunde in Form von Arvo Pärts "Adam's Lament" aus dem Orchestergraben und von der Chorempore verklingt, findet das Publikum nach und nach auf seine Plätze.

Über das Fegefeuer ins Paradies

Mit dem Wechsel zu Musik aus verschiedenen Sinfonien von Philip Glass beginnt auf der Bühne der Hauptteil des Abends. Dante tritt als Hauptfigur in Gestalt von Nimrod Poles auf. Im famos und atemberaubend dicht choreografierten "Fegefeuer" muss er sich mit seinen eigenen Dämonen, Versuchungen und Gedanken auseinandersetzen - letztere augenweidlich getanzt vom Ensemble.

Arvo Pärts "Fratres" leiten musikalisch den Übergang zum dritten Teil, dem "Paradies" ein, in dem der Protagonist seiner idealen Liebe Beatrice begegnet. Diese steckt im samtroten Body und wird - auch dank ausgeklügelter Interaktion mit dem Ensemble - von Savanna Haberland scheinbar im Zustand der Schwerelosigkeit getanzt. Nachdem diese fleischliche Komponente überwunden ist, begegnet Dante endlich seiner eigenen Seele (Yuka Eda) und erreicht so einen transzendentalen Zustand.

Genüssliches Tanztheater-Erlebnis

Estefania Miranda hat mit ihrer verdichteten, vereinfachten und in hohem Maße ästhetisierten Version der "Göttlichen Komödie" ein leicht verdauliches, aber auch hochgenüssliches Tanztheater-Erlebnis geschaffen. Zu danken ist weiters den Grazer Philharmonikern unter der Leitung von Johannes Braun, die der klug gewählten Musik von Pärt und Glass den gebührenden atmosphärischen Schimmer verleihen. Bei Premiere galten die teils heftigen Akklamationen aber vor allem den Tänzerinnen und Tänzern - auch das in höchstem Maße verdient.

(Von Andreas Stangl/APA)

(S E R V I C E : "La Divina Comedia" - Tanzabend mit Musik von Arvo Pärt und Philip Glass. Konzept, Choreografie und Kostüme: Estefania Miranda, Musikalische Leitung: Johannes Braun, Bühne: Till Kuhnert. Mit: Nimrod Poles, Savanna Haberland, Thibault Lucas Nury, Yuka Eda u.a.; Ballett Graz, Chor der Oper Graz, Grazer Philharmoniker. Weitere Termine: 22., 23., 25., 28.1; 6., 8., 25.2. sowie 1. und 7. 3., jeweile 19:30 Oper Graz: Infos und Tickets: https://oper-graz.buehnen-graz.com )

Zusammenfassung
  • Die moderne Tanzversion von Dantes "La Divina Comedia" der chilenischen Choreografin Estefania Miranda feierte am Samstagabend ihre Österreich-Premiere an der Oper Graz, rund vier Jahre nach der Uraufführung in der Schweiz.
  • Das Stück verlegt die neun Höllenkreise in den menschlichen Körper, lässt Figuren wie Vergil weg und kombiniert Stationentheater im Foyer mit einer Bühneninszenierung, untermalt von Musik von Arvo Pärt und Philip Glass.
  • Das Publikum zeigte sich begeistert und spendete heftigen Applaus, weitere Aufführungen finden am 22., 23., 25., 28.1.; 6., 8., 25.2. sowie 1. und 7.3. jeweils um 19:30 Uhr statt.