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Spätes Debüt Placido Domingos im Grazer Musikverein gefeiert

11. Juni 2022 · Lesedauer 2 min

Die meisten waren vermutlich einzig und allein wegen ihm gekommen und jubelten entsprechend bei jeder Gelegenheit: Placido Domingo, Ausnahmetenor und Maßstäbe-Setzer vor allem im italienischen und französischen Fach, war am Freitag erstmals im Grazer Musikverein zu Gast. In einem Konzert im Stefaniensaal gab er zusammen mit einer grandiosen Marie José Siri und anderen Solisten Giuseppe Verdis "Nabucco" in einer konzertanten Version zum Besten.

Kurz vor Saisonende treten die Stars hier einander schon fast auf die Füße: Nach Christian Thielemann und Asmik Grigorian in den vergangenen beiden Wochen fand sich nun der letzte aktive der "Drei Tenöre" ein. Kurzfristig übernahm der junge Dirigent Gaetano Lo Coco die Stabführung und leitete den Abend so solide, wie die Slowenische Philharmonie spielte. Nach wenigen Minuten musste das Konzert allerdings mitten in der Ouvertüre auch schon unterbrochen werden: Eine Oboistin hatte gesundheitliche Probleme bekommen, konnte aber nach einer kurzen Pause und ärztlicher Konsultation weiter spielen.

Dass Placido Domingo mit seinen 81 Jahren noch auf der Bühne steht und singt, ist fast unglaublich nach einer so langen und intensiven Karriere. Mit Nabucco hat er sich eine Bariton-Rolle angeeignet, die nicht sehr lang und für ihn stimmlich zu bewältigen ist. Kurze Beweise der weltberühmten tenoralen Strahlkraft schleudert er zum Ergötzen des Publikums immer noch gekonnt in den Saal und den Rest packt er auch, langjährige Routine und Können unter Beweis stellend. Man merkt ihm aber stets an, dass er eigentlich schon ein wenig mehr gestalten möchte und nicht nur einfach singen, was im Konzertrahmen leider nicht möglich ist.

Mit Marie José Siri stand ihm eine Abigaille zur Seite, die sich gegen jeden Star behauptet hätte. Mit runder, schöner Stimme und dramatischen Ausbrüchen lässt sie die Figur der gekränkten, ehrgeizigen und zuletzt um Vergebung bittenden Tochter erstehen und sorgte ebenfalls für großen Jubel. Marie Karall sang eine sanfte, weich klingende Fenena, Francesco Pio Galasso steuerte tenorale Spitzentöne bei, und Marko Mimica ließ als Zaccaria seine eindrucksvolle Bassstimme ertönen.

Das Publikum genoss die Darbietungen, feierte Placido Domingo mit viel Beifall und freute sich sichtbar, im Rahmen des gelungenen Festkonzerts einer Legende begegnen zu dürfen.

(S E R V I C E - https://musikverein-graz.at)

Quelle: Agenturen