APA/HANS PUNZ

Schauspieler im Home-Office: "Sehr verunsichernd"

Alle sind im Home-Office. Alle? Nicht alle. "Meinen Beruf gibt es nicht im Home-Office", sagt Caroline Peters. Freilich steht auch die Burgschauspielerin derzeit nicht auf der Bühne, sondern sitzt in ihrer Wohnung: "Mein Home-Office befasst sich mit allen wirtschaftlichen Fragen, die nun entstehen und frisst viel Zeit. Der administrative Teil des Daseins tritt deutlich in den Vordergrund."

Alle sind im Home-Office. Alle? Nicht alle. "Meinen Beruf gibt es nicht im Home-Office", sagt Caroline Peters. Freilich steht auch die Burgschauspielerin derzeit nicht auf der Bühne, sondern sitzt in ihrer Wohnung: "Mein Home-Office befasst sich mit allen wirtschaftlichen Fragen, die nun entstehen und frisst viel Zeit. Der administrative Teil des Daseins tritt deutlich in den Vordergrund."

Peters, die in diesen Tagen in Simon Stones moderner "Medea"-Deutung im Burgtheater und in Jelineks "Schwarzwasser" im Akademietheater spielen hätte sollen, entwickelt zu Hause aber auch andere Aktivitäten: "Ich finde Sport-Apps sehr hilfreich. Auch mein Trampolin ist klasse. Und ich bin einer online Feldenkrais-live-Gruppe beigetreten. Alles Sachen, die ich unter anderen Umständen niemals freiwillig begonnen hätte."

Und es gibt für sie auch Positives: Eine Sache, die neu ist, gefällt mir: Ich lese morgens 45 Minuten für Kinder auf Instagram-live. Damit die Eltern in dieser Zeit ihr Home-Office ohne Störung betreuen können." Unter @Carolinepetersliest ist sie täglich um 11 Uhr zu sehen.

Peters sollte eigentlich am 18. Juli im "Jedermann" ihr Debüt als Buhlschaft am Salzburger Domplatz geben. Ob es dazu kommen wird, steht noch in den Sternen. Einstweilen beschäftigen die Schauspielerin ganz andere Gedanken. "Immer wenn Geld knapp wird, wird die Kunst plötzlich als lässlich, nebensächlich, nicht existenziell angesehen. Ist sie aber. Die Begegnung mit einem tollen Gemälde im Netz z.B. kann schön sein. In der physischen Welt kann sie überwältigend sein und meinem Denken eine Richtung geben, die es allein nicht nehmen konnte", meint sie gegenüber der APA.

"Das wichtigste am Theater im digitalen Zeitalter schien mir bisher, dass es ein Versammlungsort ist. Dass Menschen sich versammeln können, zu einer Gruppe, einem Schwarm, einem Publikum zusammenwachsen. Und nun gefällt mir digitales Theater auch - Streams von der MET oder der Schaubühne in Berlin. Aber es ersetzt nichts ein Foyer, einen unbekannten Sitznachbarn, eine Kantine", so Peters. Ganz ähnlich denken ihre Schauspieler-Kolleginnen und Kollegen, die der APA Lageberichte aus einer noch nie da gewesenen Situation gaben: Alle wollen spielen und proben, dürfen es aber nicht.

"Es ist definitiv was anderes, ob man daheim vor dem Fernseher sitzt und sich eine Aufführung anschaut, oder ob man sie sich im Theater mit vielen anderen Menschen zusammen ansieht", glaubt auch Sandra Cervik. Die Josefstadt-Schauspielerin teilt sich ihr Home-Office mit ihrem Mann, Theaterdirektor Herbert Föttinger, und ihrem Medizin studierenden Sohn. "Die neue Situation bringt mit sich, dass wir jetzt immer gemeinsam beim Abendessen zusammensitzen. Das genieße ich, weil wir das sonst nicht sehr oft haben", begegnet sie dem Ausnahmezustand auch mit bewusst eingesetzten Kochkünsten. "Es war mir nicht bewusst, wie selbstverständlich mir alles war. Da verschiebt sich gerade etwas in meinem Kopf. Man muss einfach dankbarer sein für alles."

Wie viele Schauspieler wurde auch Cervik mitten aus der Arbeit gerissen. Drei Wochen vor der Premiere von "Das Konzert" wurde die Produktion gestoppt. "Das ist aber gerade die Phase, wo es ans Eingemachte geht. Unser Regisseur Janusz Kica sitzt jetzt in Zagreb. Da war gerade ein Erdbeben, da macht man sich zusätzliche Sorgen. Er ist dort in Quarantäne, und man weiß auch nicht, wenn es hier wieder losgeht, wie käme er wieder nach Wien? Das ist alles sehr verunsichernd."

Da es derzeit nicht absehbar sei, wann die Proben wieder aufgenommen werden, bleibe ihr nur, regelmäßig den Text aufzufrischen. Erstaunlich findet Cervik, dass das Theater in der Josefstadt noch keinen einzigen Coronavirus-Fall hat. "Dabei wären Theater, wo viele Menschen eng zusammenarbeiten, ja prädestiniert für die Ausbreitung eines solchen Virus."

Für die Zukunft hofft sie, "dass man durch dieses Abschneiden von aller Kultur nach einiger Zeit draufkommt, wie wichtig das für eine Gesellschaft ist". Vorläufig ist jedoch weiter Krisenstimmung angesagt. "Für die frei arbeitenden Kollegen bedeutet das einen Albtraum. Das reißt dir den Boden unter den Füßen weg."

Der 1993 geborene und in Berlin lebende Schauspieler Curdin Caviezel hätte am Theater der Jugend im April mit einer aktualisierten Fassung von "Frühlings Erwachen" Premiere gehabt. Die Produktion wurde auf nächste Saison verschoben. "Ich habe das Glück, momentan noch beim Theater der Jugend in Wien unter Vertrag zu stehen und habe deshalb zur Zeit keine Probleme. Wenn jedoch kommende Produktionen abgesagt werden müssen, wird es schwierig. Wir brauchen das Publikum, nur sitzt das wahrscheinlich noch eine Weile zuhause", glaubt er.

ribbon Zusammenfassung
  • Der administrative Teil des Daseins tritt deutlich in den Vordergrund.
  • "Meinen Beruf gibt es nicht im Home-Office", sagt Caroline Peters.
  • Peters sollte eigentlich am 18. Juli im "Jedermann" ihr Debüt als Buhlschaft am Salzburger Domplatz geben.
  • Ob es dazu kommen wird, steht noch in den Sternen.
  • Wie viele Schauspieler wurde auch Cervik mitten aus der Arbeit gerissen.
  • Drei Wochen vor der Premiere von "Das Konzert" wurde die Produktion gestoppt.