Schauspieler ernten mit Corona-Protestvideos viel Kritik

24. Apr 2021 · Lesedauer 5 min

Es sind zahlreiche Größen der deutschsprachigen Schauspielszene, die sich am Donnerstag via Twitter und YouTube mit überspitzt-ironischen Statements gegen die Coronapolitik in Deutschland und Österreich zu Wort gemeldet haben. Manuel Rubey, Nicholas Ofczarek oder Nina Proll sind genauso dabei wie die Deutschen Jan Josef Liefers oder Meret Becker. Für die koordinierte Aktion gab es Zuspruch, aber auch viel Kritik.

"Gerade bei so einem privaten Thema wie meiner Gesundheit, da möchte ich mich eigentlich nicht auf mich selbst verlassen. Ich bin froh, dass der Staat meine Gesundheit zu einer öffentlichen Angelegenheit gemacht hat", erklärt Kabarettist Roland Düringer in einem von insgesamt 51 Kurzvideos, die auf YouTube hochgeladen wurden. Nina Proll hält wiederum fest: "Früher dachte ich, ich könnte frei und selbstbestimmt Karriere machen. Doch das war naiv! Die Pandemie hat mir gezeigt, wo mein Platz ist. Sie hat mir gezeigt, dass Distanz auch Nähe sein kann." Letztlich schließt die Mimin mit: "Das Leben kann tödlich sein. Bleiben Sie für immer zuhause, und unterstützen Sie die Coronamaßnahmen."

Untermauert werden die Statements von den Hashtags #allesdichtmachen, #niewiederaufmachen und #lockdownfürimmer. Die Stoßrichtung ist dabei stets dieselbe: Wenn schon bestimmte Lebensbereiche aufgrund der Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus geschlossen werden, könne man das doch gleich auf alles erweitern - "auch alle Lebensmittelläden, Wochenmärkte und vor allem auch all die Supermärkte", wie es beispielsweise Ulrich Tukur in seinem Video fordert.

Schauspieler kritisieren Corona-Politik

Viel Zuspruch, aber auch Kritik gibt es für die Statements einiger Schauspieler zur Corona-Politik. Manuel Rubey, Nicholas Ofczarek oder Nina Proll sind genauso dabei wie die Deutschen Jan Josef Liefers oder Meret Becker.

Organisatoren nicht bekannt

Wer die Aktion initiiert hat, ist vorerst nicht klar. Auf Twitter posten die Schauspielerinnen und Schauspieler über ihre persönlichen Accounts, der betreffende YouTube-Kanal von #allesdichtmachen hat außer den Videos (und bereits mehr als 26.000 Abonnenten) keine weiteren Infos. Eingerichtet wurde die Seite am 16. April, bisher gab es für die Beiträge insgesamt 1,63 Mio. Aufrufe (Stand: Freitagvormittag).

Am Freitagmittag twitterte das "Zentrum für Politische Schönheit" eine "Offenlegung" dazu, es sei ein "Inside-Job" von der Gruppierung gewesen. Man wollte rausfinden, ob man "Tatort"-Schauspieler dazu bringe, "völlig meinungslos gegen ihre eigenen Arbeitgeber zu hetzen".

Großes Lob ...

Zuspruch erhielten die Proponenten etwa beim früheren Präsidenten des deutschen Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, der die Aktion auf Twitter "großartig" nannte. Der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit sprach von einem "Meisterwerk", das "uns sehr nachdenklich machen" sollte. Die AfD-Bundestagsabgeordnete Joana Cotar twitterte: "Das ist intelligenter Protest." Sie feiere Jan Josef Liefers.

... trifft auf Kritik #allenichtganzdicht

Vielfach gab es aber auch Kritik, würden sich die Prominenten mit ihren Wortmeldungen doch ins Lager von Rechten und Querdenkern stellen. Der österreichische Schauspieler Elyas M'Barek schrieb etwa: "Mit Zynismus ist doch keinem geholfen." Jeder wolle zur Normalität zurückkehren, und das werde auch passieren. Satiriker Jan Böhmermann hielt der Aktion bei Twitter entgegen, das einzige Video, das man sich ansehen solle, "wenn man Probleme mit Corona-Eindämmungsmaßnahmen hat", sei die ARD-Doku aus der Berliner Charité mit den Titel "Station 43 - Sterben". Dazu stellte er den Hashtag #allenichtganzdicht, der sich auf Twitter mittlerweile immer weiter verbreitet.

Video-Antwort von Mitarbeiterin eines Quarantäne-Quartiers 

Per Videoreplik kritisierte Julia Seidl, eine Mitarbeiterin in einem Corona-Quarantänequartier, die Aktion. Dabei griff sie selbst zu überspitzt-ironischem Ton. Sie sei keine Schauspielerin, so Seidl in ihrem vielfach geteilten Video, bei ihr dauere ein All-Inclusive-Urlaub zwischen elf und 14 Tagen, ohne Fernseher, dafür mit Ausgangssperre und Spazierverbot. Besonders genießen würde sie mit ihren Klienten die Quality-Time im Ganzkörperanzug mit FFP2-Maske, Brille und doppeltem Paar Handschuhen. Sie würde sich besonders auf die Sommermonate freuen, wenn sie die Tränen nicht mehr vom Schweiß unterscheiden könne, "Hauptsache Flüssigkeitsverlust, der macht schlank". Sie bittet alle, Corona-Maßnahmen nicht einzuhalten, damit ihre Betten nicht allzu lang leer bleiben. 

Rubey distanziert sich von Corona-Leugnern

Wie ernst die Aktion gemeint ist, lässt sich wohl noch nicht klar beurteilen. Manuel Rubey twitterte als Reaktion auf die negativen Kommentare zu seinem Video am Freitagmorgen. Sein Video begann mit  "Wenn man seinen eigenen Shitstorm verschlafen hat". Er sei von einer von ihm geschätzten Person gefragt worden und habe einen Beitrag "zur Bedeutung der Kunst" gemacht, zu dem er nach wie vor stehe. "Der leugnet nichts und gar nichts." Die anderen Beiträge kenne er nicht. "Ich weiß auch nicht, ob irgendwer irgendwelche Absichten hat - ich glaube eigentlich nicht, sondern nur die Debatte anzuregen." Er wolle jedenfalls "nicht mal einen Millimeter in die Nähe von irgendwelchen Covid-Leugnern und -Leugnerinnen kommen." Die Krankheit sei "höchst gefährlich, aber darum ging es mir keine Sekunde". Er werde sich jetzt aus der Debatte rausnehmen.

Auch Jan Josef Liefers distanzierte sich noch in der Nacht von jeglicher Nähe zu Verschwörungstheoretikern und Querdenkern. "Eine da hinein orakelte, aufkeimende Nähe zu Querdenkern u.ä. weise ich glasklar zurück", schrieb der 56-Jährige auf Twitter. "Es gibt im aktuellen Spektrum des Bundestages auch keine Partei, der ich ferner stehe, als der AfD. Weil wir gerade dabei sind, das gilt auch für Reichsbürger, Verschwörungstheoretiker, Corona-Ignoranten und Aluhüte. Punkt." Selbiges tat Heike Makatsch, die betonte, sie wolle das Leid der Coronakranken nicht schmälern. "Ich habe durch Kunst und Satire den Weg gewählt, die Veränderung unserer Gesellschaft aufzuzeigen und Raum zu schaffen, für einen kritischen Diskurs."

Viele Bereiche der Kunst- und Kulturszene waren die längste Zeit in der Coronapandemie geschlossen. In Österreich sind aktuell nur die Museen zugänglich, mit der Ausnahme von Wien und Niederösterreich, wo noch ein harter Lockdown herrscht. Für Schauspieler sind allen voran die Schließungen der Theater sehr problematisch. Dreharbeiten für Kino und Fernsehen sind wiederum unter strengen Sicherheitsvorkehrungen möglich. Wie es hierzulande mit möglichen Öffnungsschritten in Kunst und Kultur weitergehen kann, will die Regierung am heutigen Freitag bekanntgeben.

Quelle: Agenturen