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Neuer Viennale-Geschäftsführer: "Vorverkauf sehr, sehr gut"

19. Okt. 2022 · Lesedauer 4 min

Die Viennale 2022 ist die erste, der Paolo Calamita als neuer Geschäftsführer an der Seite von Festivaldirektorin Eva Sangiorgi vorsteht. Der 1979 geborene Produzent hat Eva Rotter in dieser Position beerbt. Ein Neuling im Viennale-Kosmos ist Calamita aber keineswegs, war der Tiroler doch seit 2006 Marketingleiter der Festspiele. Zum ersten Viennale-Einsatz in neuer Funktion sprach Calamita mit der APA über Bühnenauftritte, Fair-Pay-Löhne und das heurige Budget.

APA: Was sind erste Projekte, die Sie in Ihrer neuen Funktion angegangen sind?

Paolo Calamita: Wir hatten in den vergangenen Jahren große Budgetprobleme, weshalb manche Investitionen lange hinausgezögert wurden. So war etwa unsere IT veraltet, die wir heuer erneuert haben. Das ging hinunter bis zur Ticketingsoftware, die neu aufgesetzt wurde. Das alles ging vor allem deshalb, weil wir in der Coronazeit sehr vorsichtig budgetiert haben und zwei Mal das Glück hatten, stattfinden zu können.

APA: Die Zahl der verkauften Tickets lag vor Corona bei gut 90.000. Womit rechnen Sie heuer?

Calamita: Wir kalkulieren mit knapp 60.000 Gästen. Die Viennale ist heuer zwar einen Tag kürzer als 2019, wir sind vom Angebot her aber ähnlich aufgestellt wie damals mit rund 100.000 aufgelegten Karten. Wie viele Karten wir letztlich absetzen werden, hängt natürlich auch an den Rahmenbedingungen: Wie sehen die Coronavorgaben konkret aus? Wie ist der mediale Tenor dazu? Wie viel Bedenken haben die potenziellen Besucherinnen und Besucher?

APA: Wie ist der Vorverkauf am Samstag angelaufen?

Calamita: Die Zahlen waren sehr, sehr gut. Letztlich haben sie Vorkrisenniveau erreicht. Natürlich ist es noch zu früh, hier zu jubeln. Aber wir sind sehr zufrieden, weil es zumindest bedeutet, dass wir die 60.000 Menschen mit ziemlicher Sicherheit erreichen werden.

APA: Wie sehr hatte die Pandemie noch Auswirkungen auf Ihre Festivalplanungen?

Calamita: Es wird zum Beispiel auch in diesem Jahr zugewiesene Sitzplätze geben, damit man auf mögliche Pandemieentscheidungen reagieren kann. Wir haben in der Falkestraße wieder ein kleineres Festivalzentrum mit Platz für 200 Menschen - und nicht die Kunsthalle, in die 800 Leute gepasst haben. Und wir haben bei den Partys für die Branche zurückgeschraubt.

APA: Das hat dann ja auch alles finanzielle Auswirkungen. Wie sieht das Viennale-Budget heuer aus?

Calamita: Es liegt etwas höher als im Vorjahr. Wir haben nun 2,9 Mio. Euro Gesamtbudget, wobei die Stadt ihren Beitrag auf 1,6 Mio. Euro erhöht hat, und auch der Bund zahlt nun 200.000 Euro. Diese Zuwächse haben wir allerdings gesamt in die Fair-Pay-Aktivitäten investiert - also die Erhöhung der Löhne für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wir sind das erste Festival, das komplett nach dem Gehaltsschema zahlt, das das Forum österreichischer Filmfestivals vorgelegt hat.

APA: Die Viennale geht hier als Flaggschiff voraus?

Calamita: Das Schema ist gut, und es ist gut, dass wir es uns leisten können. Zugleich sehe ich die Fragen durchaus kritisch. Die Grundintention ist natürlich völlig richtig, dass man die Ressource Mensch nicht mehr ausbeuten will - wobei das nie die Position der Viennale war. Wenn man sich aber den Kollektivvertrag der Kinobetriebe ansieht, bekommt jemand an der Kasse 8,20 Euro - nach Fair-Pay für dieselbe Arbeit aber bei uns 13,30 Euro. Zugleich wird dieses Geld natürlich von uns überwiegend nicht privatwirtschaftlich erwirtschaftet, werden wir doch zentral von der öffentlichen Hand gefördert. Auch diesen Diskurs muss man führen.

APA: Wie sehr schlägt die aktuelle Inflationsrate aufs Budget zurück?

Calamita: Heuer noch nicht, weil die Verträge bereits abgeschlossen waren. Aber im nächsten Jahr muss man schauen, wie etwa die Kinos mit der Frage der Energiekosten umgehen. Da drohen natürlich massive Steigerungen unserer Mietkosten.

APA: Sie haben mit der Übernahme Ihres Viennale-Postens Ihre Tätigkeit als Chef der Produktionsfirma Little Magnet Films vollends beendet?

Calamita: Ja, ich bin als Geschäftsführer zurückgetreten. Es gibt jetzt noch zwei Filme, an denen ich seit sieben Jahren arbeite, die ich aus persönlichen Gründen noch durch die Endphase begleite. Aber die Firma habe ich an die Produzentin Gabriele Kranzelbinder übergeben und halte nur mehr 50 Prozent quasi als stiller Teilhaber.

APA: Ihre Vorgängerin Eva Rotter hat ihre Rolle als Geschäftsführerin publikumswirksam angelegt. Folgen Sie diesen Fußstapfen?

Calamita: Bei uns ist klar, dass Eva Sangiorgi das Gesicht nach außen ist. Wir sind beide vertretungsbefugt und teilen uns die Haftung, aber für die inhaltliche Ausrichtung ist sie alleinverantwortlich.

APA: Sie sind also eher die Graue Eminenz im Hintergrund?

Calamita: (lacht) Das soll genau so sein. Ich freue mich, wenn ich zur Struktur etwas beitragen kann, mich aber nicht exponieren muss. Ich bin überall dabei, aber nirgends auf der Bühne. So wie es derzeit ist, finde ich es perfekt.

(Das Gespräch führte Martin Fichter-Wöß/APA)

Quelle: Agenturen