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Neue Schausammlung im Az W stellt "brennende Fragen"

02. Feb. 2022 · Lesedauer 3 min

Nach 17 Jahren hat das Architekturzentrum Wien (Az W) eine neue Dauerausstellung: Unter dem Titel "Hot Questions - Cold Storage" will man "brennende Fragen" an die seit der Gründung der Institution stark angewachsene Sammlung stellen und so den sonst "stillen Speicher" zum Sprechen bringen. Anders als in der 2001 eröffneten "a_schau" setzt man nicht mehr auf eine chronologische Gesamterzählung des österreichischen Baugeschehens, sondern auf sieben zentralen Fragen.

Diese Fragen - von "Wer macht Stadt?" über "Wer sorgt für uns?" bis hin zu "Wie überleben wir?" - sind bewusst in der Gegenwart verortet, wie Direktorin Angelika Fitz und Kuratorin Monika Platzer am Mittwoch bei der Pressekonferenz erläuterten. Zugleich erhebt die Schau den Anspruch, "eine dynamische Innenschau der Wissensbestände im Depot" zu ermöglichen. Eingebettet ist die sehr dichte Präsentation, die sowohl Modelle und Möbel als auch Fotos und Filme umfasst, in die knallbunte Ausstellungsarchitektur der Büros "tracing spaces" und "seite zwei", die die Anmutung eines begehbaren Archivs erschaffen haben.

Das Spektrum reicht geografisch von der Vorarlberger Baukunst bist zum Burgenländischen Brutalismus. Nicht fehlen darf in der Schau natürlich der Stellenwert des Roten Wien, das sich etwa in der Präsentation des Karl-Marx-Hofes widerspiegelt. Aber auch architektonisch-pädagogische Experimente wie die "Stadt des Kindes" werden verhandelt. Mitunter sind es auch die kleinen Exponate, die überraschen: So findet sich in der Schau etwa ein Apple-Computer aus den 1980er-Jahren, auf dem das Ergebnis des von 1984 bis 1988 durchgeführten Forschungsprojekts "Rechnergestütztes Planen und Entscheiden" zu erleben ist. Was heutzutage bei jedem Umzug möglich ist - die Wohnung vorab digital nach Belieben mit unterschiedlichen Möbeln zu füllen, um Entscheidungen zu treffen -, war damals ein revolutionärer Schritt in Richtung Teilhabe und Demokratisierung der Architektur.

Für Fitz ist die neue Schau eine "zweifache Steilvorlage" sowohl in Hinblick auf das Ausstellen von Architektur als auch das Format einer Dauerausstellung. Ihr sei es wichtig gewesen, statt Nationalgeschichte Kulturgeschichte zu erzählen, die auch regionale Geschichten beinhaltet. "Bei der Gründung des Az W war ja keine Sammlung vorgesehen", erläuterte Platzer. Seit 2008 haben sich nun über 100 Vor- und Nachlässe sowie zahlreiche Einzelprojekte im Haus angesammelt, aus deren Bestand man schöpft. Und man spürt an jeder Ecke: Da gibt es noch viel mehr zu entdecken.

(S E R V I C E - "Hot Questions - Cold Storage" im Architekturzentrum Wien, ab 3. Februar 2022. Infos unter www.azw.at)

Quelle: Agenturen