puls24.at

Lebenspralle Groteske: Wiener Theatermuseum ehrt Burnacini

05. Okt 2020 · Lesedauer 2 min

Dass Masken nicht nur in Coronazeiten, sondern schon vor Jahrhunderten eine Hochblüte erlebten, zeigt die neue Ausstellung "Groteske Komödie" im Wiener Theatermuseum - eine Hommage an den barocken Theatermeister Lodovico Ottavio Burnacini. 125 farbstrotzende Zeichnungen aus der Hand des 1707 gestorbenen Italieners, der über ein halbes Jahrhundert in Habsburger-Diensten stand, sind in der kleinen Schau vereint, die ein lebenspralles Zeitalter wiederbelebt.

Vermutlich zur Dokumentation von in Wien stattgefundenen Inszenierungen wurden die Bilder wohl einst für den Kaiser angefertigt. Für reine Werkstattvorlagen respektive Schnittmuster sind die Arbeiten zu detailliert ausgearbeitet. In jedem Falle sei Burnacini ein Künstler, dessen Oeuvre noch weitgehend unerforscht sei, wie Kurator Rudi Risatti bei der Präsentation der Schau am Montag betonte.

Rund 400 Zeichnungen aus der Hand des 1636 geborenen Theateringenieurs, dessen Jobdeskription nicht nur den Entwurf von Kostümen, Bühnenbildern oder Festumzügen, sondern auch für Denkmäler wie die Grundkonzeption der Pestsäule am Wiener Graben umfasste, finden sich in der Sammlung des Theatermuseums. Die in der Ausstellung gezeigten Arbeiten sind dabei in neun Kapitel gegliedert, welche die karikaturenhaften Darstellungen der Commedia-dell-arte-Figuren durch Burnacini im Mittelpunkt haben, aber auch deren historische Vorbilder zeigen, wofür man auf die Schwesterinstitutionen im KHM-Verband als Leihgeber zurückgreifen konnte.

Und in einem kleinen Seitenstrang wird physikalisch dargelegt, wie es möglich ist, dass die über 300 Jahre alten Zeichnungen bis heute ihre Farbigkeit erhalten haben. Somit belässt man es nicht bei den reinen Zeichnungen, sondern hat mit der italienischen Schauspieltruppe Bottega Buffa CircoVacanti zwei Filme produziert, die die Kostüme zum Leben erwecken, deren Rekonstruktion sich teils ebenfalls in den Räumlichkeiten finden.

Glücklich, "nach einer scheinbaren Ewigkeit" wieder eine Ausstellung eröffnen zu können, zeigte sich am Montag Museumschef Thomas Trabitsch. Vielleicht gelinge es mit Burnacini etwas, das Virus aus dem Fokus des Interesses zu nehmen - auch wenn nicht zuletzt das Theatermuseum sich mit dessen Folgen konfrontiert sieht. "Wir haben keine Mühen gescheut, mussten aber sehr wohl Kosten scheuen", so Trabitsch: "Mehr und besser können wir es hier mit unseren Mitteln nicht machen."

Quelle: Agenturen