APA - Austria Presse Agentur

Kunst-Feldweg von Lois Weinberger im Lackenbach eröffnet

10. Juni 2021 · Lesedauer 3 min

Ein künstlerisch gestalteter Feldweg ist heute, Donnerstag, im Renaissancepark Lackenbach (Mittelburgenland) eröffnet worden. FELDWEG ist ein Projekt des im Vorjahr verstorbenen österreichischen Künstlers Lois Weinberger (1947-2020). Der Teilnehmer der documenta 1997 und 2017 und der Biennale von Venedig 2009 hat den 22 Hektar großen Schlosspark mit einem Rundweg erschlossen, einem Pfad ohne Anfang und Ende, ähnlich wie der Kreislauf der Natur.

"Begleitet wird er von einem offenen Pavillon mit einer Skulptur und sieben bunten Wegrandhäusern. Die Farben der Häuschen beziehen sich auf die Blüten verschiedener Pflanzen. In jeder dieser 'Wegwarten' befinden sich ein kurzer Text in Versform sowie ein Stempel, der Fresswege von Borkenkäfern abbildet. Aus Kombinationen von Stempelabdrücken lassen sich eigene, wuchernde Wegenetze zusammenstellen", heißt es in der Projektbeschreibung.

"Die verschiedenen Elemente des Feldweges ziehen sich durch alle Jahrzehnte von Lois' Arbeit, beginnend mit den Stempeln der Borkenkäfer-Wege, einer Idee, die noch in seiner dörflichen Umgebung der 1970er-Jahre entstand und auf die Lois immer wieder modifizierend zurückgriff, über die Wegrandhäuser aus den 1990er-Jahren, die auf der documenta X einen Parcours bildeten, bis hin zur Invasion der Baumschwämme um 2009", erklärt die Künstler-Witwe Franziska Weinberger, die an der Eröffnung teilnahm. "Im Zentrum des Rundgangs durch den Renaissancegarten von Lackenbach stehen seine kurzen Texte, ein Verdichten der Gedanken und das Wesentliche, wie er es formulierte."

Das von "NOW - Esterhazy Contemporary" im Auftrag der Esterhazy Stiftungen verwirklichte Projekt wird von einer 128-seitigen Publikation begleitet, in der auch Weinbergers frühere Installation auf der Feststiege von Schloss Esterhazy in Eisenstadt dokumentiert ist. "Gärten sind immer auch Spiegel einer besonderen Weltsicht", hielt der künstlerische NOW-Leiter Vitus Weh in einer Aussendung fest. "Im Schlosspark von Eisenstadt beispielsweise durchziehen geschwungene Wege eine Wiesenlandschaft mit idyllischen Baumgruppen, Teichen und antikisierenden Gartenbauwerken. Man geht in ihm von einer 'malerischen Szene' zur nächsten. Im weitaus älteren Renaissancepark von Lackenbach hingegen ist alles auf Überblick und klaren Linien aufgebaut. Der poetisch sich verzweigende Rundweg von Lois Weinberger macht das im Kontrast sehr fein sichtbar. Ein historisches und ein zeitgenössisches Kunstwerk öffnen sich hier quasi gegenseitig."

In Niederösterreich ist unterdessen schon das nächste Park-Projekt avisiert: In der barocken Parkanlage von Stift Melk und im dazugehörigen Gartenpavillon wird der deutsch-britische Künstler Tino Sehgal im September im Rahmen der Globart Academy 2021 eine Ausstellung gestalten. Er wird zur Eröffnung am 2. September auch selbst einen Vortrag halten, so die Veranstalter, die für die dreitägige Akademie-Veranstaltung u.a. den Philosophen Peter Sloterdijk, die Neurologin Rebecca Böhme und den Dirigenten Franz Welser-Möst ankündigen, sich ansonsten aber bedeckt halten: "Was Tino Sehgal in Melk vorhat, darüber gibt es keine genaueren Informationen als Ort und Zeit."

(S E R V I C E - Esterhazy Privatstiftung (Hg.): "Lois Weinberger - RENAISSANCE GARTEN", Mit Texten von Severin Dünser, Michael Hausenblas, Vitus Weh und Lois Weinberger. Schlebrügge.Editor. Deutsch/Englisch/Ungarisch, 128 Seiten, 18 Euro)

Quelle: Agenturen