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Kulturstaatssekretär legt sich mit Scala-Chef Meyer an

08. Dez. 2022 · Lesedauer 2 min

Am Rande der Scala-Premiere mit der russischen Oper "Boris Godunow" am Mittwochabend sorgt der italienische Kulturstaatssekretär Vittorio Sgarbi für Diskussionen. Dieser sprach sich dafür aus, dass nach mehreren ausländischen Intendanten wieder ein Italiener die Leitung der Scala übernehmen sollte, die aktuell der Ex-Chef der Wiener Staatsoper, der Franzosen Dominique Meyer, inne hat.

"Warum soll die Scala immer ausländische Intendanten haben? Ich hätte gern, dass die zwei italienischen Kulturinstitutionen, die Scala und die Uffizien, von einem Italiener geleitet würden. Es ist eine Frage des Prinzips. Haben beispielsweise der Louvre und die Opera in Paris einen italienischen Direktor?", fragte der bekannte Kulturexperte Sgarbi, der seit Oktober als parteiunabhängiger Staatssekretär in der Rechtsregierung um Giorgia Meloni im Amt ist.

Scala-Intendant Meyer ist seit 2005 der dritte ausländische Intendant an der Spitze des Mailänder Opernhauses nach dem Franzosen Stephane Lissner und dem Wiener Kulturmanager Alexander Pereira. Die Uffizien werden vom Deutschen Eike Schmidt geführt. Einige große italienische Museen werden von Ausländern geleitet. So führt die deutsche Museumsdirektorin Cecilie Hollberg die Galleria dell'Accademia in Florenz. Der deutsche Archäologe Gabriel Zuchtriegel leitet den archäologischen Park in Pompeji. Der Franzose Stephane Verger ist Direktor des nationalen römischen Museums in Rom, während die Leitung der Pinakothek Brera in Mailand der Anglo-Kanadier James Bradburne inne hat.

Meyer reagierte pikiert auf die Worte des Kultur-Staatssekretärs. "Zum ersten Mal habe ich die Scala im Jahr 1980 betreten und mich hier nie als Ausländer gefühlt. Dort wo es Kultur gibt, bin ich zu Hause. Jetzt höre ich erstmals dieses harte Wort 'Ausländer'. Seit 35 Jahren bin ich in Italien stets gut aufgenommen worden. Ich vermute, dass Sgarbi meine Leistung gar nicht kennt", sagte Meyer am Rande der Scala-Premiere am Mittwochabend. Die Worte des Staatssekretärs hätten ihn "verletzt", gab der Intendant zu.

Quelle: Agenturen