APA - Austria Presse Agentur

Große Gefühle mit Pfiff im Festspielhaus St. Pölten

13. Nov 2021 · Lesedauer 2 min

Im Zeichen großer Gefühle stand der Freitagabend im Festspielhaus St. Pölten. Nikolaus Habjan pfiff wieder einmal auf die Oper, diesmal begleitet vom Tonkünstler-Orchester unter der Leitung von Stefan Gottfried und mit überleitenden Zwischentexten von Paulus Hochgatterer. "Von Luft und Liebe - eine Opernverführung" lautete das Thema dieser Auftragsproduktion.

Vom Repertoire her war es ein veritables Wunschkonzert mit Ohrwürmern von Händel und Gluck über Mozart und Rossini bis Wagner, Verdi und Puccini. Ganz zum Schluss gab es noch zwei Schubert-Lieder, mit Gottfried am Klavier. Und nach der beziehungsvollen Zugabe mit der Arie der Olympia aus "Hoffmanns Erzählungen" - immerhin ist Habjan auch als Puppenspieler renommiert - gab es im Publikum kein Halten mehr für frenetischen Beifall.

Dieser war durchaus begründet, denn Habjans Virtuosität als Kunstpfeifer verblüfft immer wieder aufs Neue. Bestechend ist seine Intonationssicherheit, selbst in der Arie der Königin der Nacht, faszinierend die expressive Körpersprache, deren Mimik und Gestik er als Regisseur seinen Darstellern nicht durchgehen ließe, wie er im Vorgespräch eingestand, beeindruckend die klangliche Bandbreite, vom Vibrato einer singenden Säge über verschmierte Glissandi bis zu subtil austarierten, innigen Momenten. Da braucht es gar keinen Text mehr, um Gefühle zu transportieren.

Feinfühligen Text steuerte hingegen Hochgatterer bei, der vom Spaziergang eines nicht mehr ganz jungen Herbstmenschen mit einem extraterrestrischen Kind erzählt, gleichsam in philosophischer Verwandtschaft mit Saint-Exuperys kleinem Prinzen. In den Gesprächen geht es unter anderem um Irrwege, Sehnsucht und Abschied, und jedenfalls immer um die Liebe mit all ihren Abgründen und Glücksgefühlen.

Sehr fein geriet auch der Anteil des Tonkünstler-Orchesters am Gelingen des Abends. Stefan Gottfried gelang es, stellenweise den legendären Spirit des Concentus Musicus zu übertragen, etwa gleich zu Beginn mit einer erfrischenden Ouvertüre zu Glucks "Orfeo ed Euridice".

Die künstlerische Kooperation zwischen Habjan und Hochgatterer manifestierte sich bereits vor dreieinhalb Jahren, als Habjan bei der Uraufführung von Hochgatterers "Böhm" Regie führte. Am Landestheater Niederösterreich in St. Pölten gibt es 2022 eine Neuauflage dieser Zusammenarbeit, wenn Habjan "Die Blendung" nach Elias Canetti in der Dramatisierung von Hochgatterer (ab 5. März) inszeniert.

(S E R V I C E - www.festpielhaus.at, www.landestheater.net, www.nikolaushabjan.com)




Quelle: Agenturen