Wien
Frau auf Friedhof getötet: U-Haft über 14-Jährige verhängt
Wie Christina Salzborn, Sprecherin des Landesgerichts, am Donnerstag gegenüber der APA erklärte, sei als Grund Tatbegehungsgefahr geltend gemacht worden. Die Jugendliche machte bei der Anhörung vor dem Gericht keine weiteren Angaben zur Tat.
Laut Salzborn waren eine Verteidigerin sowie die Mutter bei der Anhörung vor dem Gericht anwesend. Zur Einschätzung der Zurechnungsfähigkeit des Mädchens sowie zur Frage einer möglichen Berauschung zum Tatzeitpunkt sei ein Gutachter bestellt worden.
14-Jährige befindet sich auf Krankenabteilung
Die Beschuldigte werde in der Justizanstalt medizinisch und psychologisch betreut, hieß es seitens des Gerichts in einer Aussendung am Nachmittag.
"Sie befindet sich auf der Krankenabteilung der Justizanstalt Josefstadt", sagte Salzborn der APA. Die unter Obsorge der Wiener Kinder- und Jugendhilfe (MA 11) stehende 14-Jährige war in der Vergangenheit immer wieder in stationärer sowie ambulanter Behandlung wegen Eigengefährdung gewesen.
Die Österreicherin war auf dem Friedhof in Wien-Penzing am Montag gegen 17.30 Uhr mit zahlreichen Stich- und Schnittverletzungen von einer Passantin entdeckt worden. Eine Reanimation scheiterte.
Video: Friedhofs-Mord erschüttert Wien: "Nicht jede Tat ist vorhersehbar“
Taschenmesser als Tatwaffe?
Die psychisch kranke Jugendliche wurde später von der Polizei in der sozialpsychiatrischen WG, in der sie seit November lebte, als dringend Tatverdächtige in dem Fall festgenommen.
Dabei wurden das Taschenmesser als mutmaßliche Tatwaffe, blutbefleckte Kleidung sowie ihr Handy sichergestellt. Dem Vernehmen nach soll auf dem Mobiltelefon auch ein Video der Tat existieren.
Die Landespolizeidirektion wollte das bis zuletzt nicht bestätigen. In ihrer Einvernahme legte die Jugendliche dann ein Geständnis vor den Ermittlern des Landeskriminalamts ab, jedoch ohne weitere Angaben zu einem Motiv.
Die Wienerin war laut MA 11 vorher nie polizeilich wegen Straftaten in Erscheinung getreten und dürfte das Opfer zufällig ausgewählt haben. Die Jugendliche soll vor der Tat laut APA-Informationen jedoch zehn Tabletten eines verschreibungspflichtigen Beruhigungsmittels aus der Gruppe der Benzodiazepine genommen haben.
Eine Obduktion der Leiche wurde bereits in Auftrag gegeben. Ein Ergebnis ist noch ausständig.
Hilfe in Krisensituationen
Sind Sie in einer Krisensituation? Hier finden Sie Hilfe:
- Telefonseelsorge: 142 (Notruf), täglich 0–24 Uhr, online unter www.telefonseelsorge.at
- Sozialpsychiatrischer Notdienst/PSD: 01/31330, täglich 0–24 Uhr, online unter www.psd-wien.at
- Rat auf Draht: 147. Beratung für Kinder und Jugendliche. Anonym, täglich 0–24 Uhr, online unter www.rataufdraht.at
- Kindernotruf: 0800 567 567, Beratung bei persönlichen Krisen. Anonym, täglich 0-24 Uhr www.bittelebe.at
- Suizidprävention auf www.gesundheit.gv.at/leben/suizidpraevention
Zusammenfassung
- Das Landesgericht Wien hat Untersuchungshaft über eine 14-jährige psychisch kranke Jugendliche verhängt, die am Montagnachmittag eine ältere Frau auf dem Friedhof Baumgarten mit einem Taschenmesser erstochen haben soll.
- Die Verdächtige wurde in ihrer sozialpsychiatrischen WG festgenommen, nachdem sie laut Polizei die Tat gestanden hatte, wobei ein Taschenmesser, blutbefleckte Kleidung und ihr Handy sichergestellt wurden.
- Vor der Tat soll die Jugendliche zehn Tabletten eines verschreibungspflichtigen Beruhigungsmittels genommen haben, eine Obduktion der Leiche wurde angeordnet, das Ergebnis steht noch aus.
