Festspiele Reichenau bringen "Fledermaus" von Nils Strunk
Happel habe "mit ihrer persönlichen Note Spuren" in Reichenau gezogen, lobte Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) am Montag bei der Programmpräsentation die Prinzipalin, die sich in der vergangenen Saison über eine Auslastung von 91 Prozent freuen konnte. "95 bis 100 Prozent wären das Ziel", so Mikl-Leitner augenzwinkernd. Gelingen soll das heuer mit Werken, die in besonderer Weise mit der Geschichte und erzählten Geschichten der Region verbunden sind. So eröffnete das Theater Reichenau am 1. August 1926 mit Johann Strauss' Operette "Die Fledermaus", Strunk und Schrenk wollen das Werk "in die wilden 20er-Jahre" heben. "Es wird eine Sause und anders klingen als das Original", versprach Strunk. Auf der Bühne stehen u.a. Harriet Jones, Julia Edtmeier und Sebastian Wendelin, Premiere ist am 1. Juli im Großen Saal des Theaters Reichenau.
Tags darauf feiert im Neuen Spielraum Arthur Schnitzlers "Reigen" in der Regie des Schauspielerehepaars Alexandra Henkel und Dietmar König Premiere. "Man hat im 'Reigen' natürlich eine männliche und eine weibliche Draufsicht", stellte Happel klar. Das Thema sei zeitlos, so Henkel: "Auch heute haben wir junge Menschen, die das Gefühl haben, ihre Leidenschaft komme zu kurz." Ihre Sehnsüchte loten dabei u.a. Therese Affolter als Dirne, Dietmar König als Ehegatte, Stefanie Dvorak als Schauspielerin oder Daniel Jesch als Dichter aus.
Im Südbahnhotel (Mikl-Leitner: "Wir freuen uns alle schon, wenn es endlich saniert wird.") steht dann ab 3. Juli Tolstois "Krieg und Frieden" auf dem Programm, Regie führt Philipp Hauß. Für Hagg, der die Stückfassung erarbeitet, ist das Werk "ein vielköpfiges und vielschichtiges Monster". Ihn interessiere bei "Krieg und Frieden" vor allem das "Und" dazwischen: "Dieses Und zwischen Liebe und Hass, Krieg und Frieden ist wie eine Brücke, aber auch ein Ort, von dem aus man in den Abgrund schaut", so Hagg. Auf der Bühne stehen u.a. Johanna Mahaffy als Natascha, Julius Dörner als Nikolai oder Dirk Nocker als Graf Rostow.
Liedtke inszeniert "Legende vom heiligen Trinker"
An den Vorjahreserfolg von "Hiob" mit Joseph Lorenz will Happel mit einer erneuten Verpflichtung von Alexandra Liedtke anknüpfen, die mit Lorenz in der Hauptrolle Joseph Roths "Die Legende vom heiligen Trinker" auf die Bühne bringt (Premiere am 4. Juli im Theater Reichenau). Die Novelle sei als Roths Testament zu lesen, so die Regisseurin. Julia Stemberger, Nils Arztmann und Sona MacDonald stehen ab 5. Juli auf der Bühne im Neuen Spielraum, wenn Gordon Greenberg Stefan Zweigs "Vierundzwanzig Stunden aus dem Leben einer Frau" in Szene setzt.
Das junge Publikum will man schließlich ab 10. Juli mit Antoine de Saint-Exupérys "Der kleine Prinz" anlocken, das Johanna Arrouas inszenieren wird. In der Spezialschiene gibt es darüber hinaus vier Vorstellungen einer Szenischen Lesung von Martin Prinz' "Die letzten Tage". In seinem Roman schildert der Autor die dramatischen Wochen des Kriegsendes in der Region. Michael Niavarani lädt am 12. Juli zu einer Nestroy-Lesung, Nicholas Ofczarek und Tamara Metelka tragen aus Thomas Bernhards "Meine Preise" vor (11. Juli).
Insgesamt sind heuer 41.000 Karten für 130 Vorstellungen aufgelegt, die Kartenpreise werden angesichts der Inflation um etwa 7 bis 8 Prozent erhöht. Das Land Niederösterreich steuert zum Gesamtbudget von 4,7 Mio. Euro 1,6 Mio. bei, die Gemeinde subventioniert das Festival mit 120.000 Euro. Der Mitglieder-Vorverkauf startet am 14. Jänner, der allgemeine Vorverkauf folgt am 11. Februar.
(S E R V I C E - Festspiele Reichenau, 1. Juli bis 2. August, www.festspiele-reichenau.at)
Zusammenfassung
- Die Festspiele Reichenau feiern das 100-jährige Bestehen des Theaters mit sechs Produktionen vom 1. Juli bis 2. August, darunter eine Neuinterpretation der 'Fledermaus' und eine Dramatisierung von 'Krieg und Frieden'.
- Für das Festival stehen 41.000 Karten für 130 Vorstellungen zur Verfügung, die Ticketpreise steigen inflationsbedingt um 7 bis 8 Prozent und das Gesamtbudget beträgt 4,7 Millionen Euro.
- Im Vorjahr lag die Auslastung bei 91 Prozent, das Land Niederösterreich fördert das Festival mit 1,6 Millionen Euro und der allgemeine Vorverkauf startet am 11. Februar.
