Fallschirme und Geister: Strabag gastiert im Künstlerhaus
Arbeiten von zehn Kunstschaffenden aus Österreich und Europa sind in den Räumlichkeiten am Karlsplatz ab Samstag zu sehen. Dafür kooperiert das Künstlerhaus mit der Strabag bzw. deren Kunstsammlung, aus der die Objekte stammen. Es sei die erste Präsentation von Schätzen des eigenen, inzwischen um die 8.500 Werke umfassenden Bestands in Wien außerhalb des vom Baukonzern unterhaltenen Kunstforums in der Donaustadt, betonte Sebastian Haselsteiner von der Strabag Art am Donnerstag bei einer Presseführung: "Ich habe mir sagen lassen, dass die Wiener nicht gern nach Transdanubien fahren." Also habe er sich vorgenommen, den Sprung über die Donau in die Innenstadt zu schaffen. Gesagt, getan.
"Wir feiern die Sammlung und die Medien Malerei und Zeichnung", würdigte Künstlerhaus-Direktor Günther Oberhollenzer, der die Auswahl - alle Arbeiten stammen von Preisträgerinnen und Preisträgern des Strabag Art Awards - kuratiert hat, die beiden Gattungen als "zentrale Formen der zeitgenössischen Kunst". Die Vielfalt und das Ausloten von Grenzen zeigt sich in diesem Parcours in inhaltlicher, formaler und materieller Hinsicht.
Empfangen wird man etwa gleich mit eher skulpturalen Werken von Clemens Wolf. Von der Decke hängen seine in Farbe und Epoxidharz getauchten Fallschirme wie leblose zusammengesackte Wesen. Einer davon stammt von Haselsteiner selbst, der nach dem Unfall eines Freundes dem Fallschirmspringen abgeschworen und sein Exemplar dem Künstler zur Verfügung gestellt hat, wie er erzählte. An der Wand hängen ältere Schablonenbilder, die etwa die zerstörten Sofiensäle oder Zaunsujets zeigen. "Wolf kommt eigentlich von der Street Art und hat dieses Setting auf die Leinwand übertragen", erklärte Oberhollenzer. Im Lauf der Jahre sei seine Kunst immer dreidimensionaler geworden.
Räumlich nehmen sich auch die Arbeiten der slowakischen Künstlerin Lucia Tallová aus. Sie verwendet Schubladen oder gleich ein ganzes Kastenfenster als Bildträger, kombiniert sie mit Abbildungen aus alten Büchern und setzt das abgebildete Schwarz-Weiß-Motiv mit in den Raum ragenden Formationen aus Papier oder Kohle fort. Robert Gabris wiederum beschäftigt sich im angrenzenden Raum mit der Roma-Kultur und den darin verankerten Geistergeschichten, die er um selbst erfundene queere Schöpfungen bereichert. Seine Zeichnungen erinnern an geschlechtslose Wesen, man kann aber auch menschliche Organe, insektenartige Formen und immer wieder Mohnblüten darin erkennen.
Feminismus auf zehn Metern Länge
Feministische Positionen mit viel Interpretationsspielraum präsentieren Sevda Chkoutova und Maria Legat. Erstere hat die Grenzen der Papierzeichnung mit filigran-figurativer Wandmalerei erweitert, von letzterer wiederum findet sich eine zehn Meter lange Malerei auf Leinen. "Dieses Werk können wir öffentlich erstmals voll ausgerollt zeigen", da die eigenen Räumlichkeiten die dafür nötigen Maße nicht aufweisen würden, freute sich Haselsteiner. Durchaus riesig und formal speziell ist auch Stefan Peters' "(Re)Appearance of a Landscape". Das Werk besteht aus lamellenartigen Einzelteilen, die je nach Betrachtungswinkel deutlicher ein schwarz-weißes Gebirgspanorama oder eine regenbogenfarbige Fläche zeigen. Arbeiten von Gunter Damisch, Birke Gorm, Natascha Schmitten und Andreas Werner komplettieren die Schau.
Man habe sich für lediglich zehn Positionen entschieden, um tiefere Einblicke in das Schaffen der gezeigten Kunstschaffenden und ihrer Entwicklung zu ermöglichen, sprach Hausherr Oberhollenzer von "kleinen Retrospektiven". Wem das nicht genug ist, kann noch die angrenzende Factory besuchen. Dort findet sich eine Werkauswahl von 34 weiteren Künstlerinnen und Künstlern aus dem Strabag-Fundus.
(S E R V I C E - "Im erweiterten Raum" im Künstlerhaus Wien, 28.2.-7.6.2026, Katalog zur Ausstellung um 22 Euro erhältlich, https://www.kuenstlerhaus.at/ )
Zusammenfassung
- Im Künstlerhaus Wien zeigt die Ausstellung "Im erweiterten Raum" ab 28. Februar 2026 Werke von zehn zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern aus der rund 8.500 Werke umfassenden Strabag Kunstsammlung.
- Die von Günther Oberhollenzer kuratierte Schau widmet sich Malerei und Zeichnung, erweitert diese Medien aber durch skulpturale Fallschirm-Installationen, großformatige Leinwände und experimentelle Materialkombinationen.
- In der angrenzenden Factory sind Werke von 34 weiteren Kunstschaffenden aus dem Strabag-Fundus zu sehen, der Ausstellungskatalog kostet 22 Euro.
