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Europäischer Filmpreis - Kurdwin Ayub: "Ist das cool?"

10. Dez. 2022 · Lesedauer 2 min

Die junge Wiener Filmemacherin Kurdwin Ayub (Jahrgang 1990) war am Samstagabend bei den 35. Europäischen Filmpreisen in Islands Hauptstadt Reykjavík für ihr Spielfilmdebüt "Sonne" als beste Nachwuchsfilmerin nominiert - musste sich dabei aber ihrer Kollegin Laura Samani geschlagen geben. Mit der APA sprach Ayub über den Druck, Depression und die Frage, was die Europäische Filmakademie ist.

APA: War es wichtig für Sie, beim Europäischen Filmpreis dabei zu sein?

Ayub: Ich muss ehrlich sagen, dass ich ja ein bisschen eine Außenseiterin bin und eigentlich von der Performancekunst komme. Als ich dann die Nominierung bekommen habe, musste ich erst mal jemanden anrufen und fragen: Ist das cool? Ich wusste schlicht nicht, was die European Film Academy ist - das klang für mich ein wenig nach Eurovision Song Contest. Und ich war auch schon mal für einen"Bunte"-Award nominiert... Aber jetzt, da mir alle erklärt haben, dass das seeehr cool ist, bin ich wirklich glücklich!

APA: Machen es die ganzen Preise und Nominierungen leichter, Ihr neues Projekt "Mond" zu finanzieren?

Ayub: Ich war schon in der Finanzierung von "Mond", bevor "Sonne" überhaupt veröffentlicht wurde. Und insofern würde ich ungern sagen, dass es nun leichter wird, denn ich glaube daran, dass das Buch zu "Mond" so gut ist und Potenzial hat, dass allein dies Grund genug für eine Förderung ist. Außer ich verkacke es dann beim Dreh... (lacht)

APA: Sind Sie mit dem Erfolg nun ganz offiziell "Filmemacherin"?

Ayub: Ich wollte immer schon Filme machen - ich wurde nur nie als Filmemacherin gesehen, weil ich nie auf der Filmakademie war und "komische Sachen" gemacht habe.

APA: Steigt nun auch der Druck für ihre künftigen Projekte?

Ayub: Ich habe die Angst, dass ich "Mond" genauso gut machen muss wie "Sonne". Ich habe von anderen gehört, dass der Druck zwischen dem ersten und zweiten Film wächst und immer gedacht: "Mir passiert das nicht. Ich bin lustig." Und dann hat es mich voll erwischt. Vor drei, vier Wochen hat es angefangen, dass ich depressiv geworden bin. Alles, was ich im Spiegel gesehen und was ich gemacht habe, hat sich nicht mehr richtig angefühlt. Aber ich arbeite daran, dass zu überwinden, aber das kommt von diesem Druck. Ich versuche mir dann immer einzureden "So gut war 'Sonne' auch nicht". Dann geht es mir besser. (lacht)

Quelle: Agenturen