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Ein wendungsreiches Leben: Danielle Spera wird 65

10. Aug. 2022 · Lesedauer 3 min

Die ganze Nation kannte ihr Gesicht als ORF-Moderatorin. Und doch ruhte sich Danielle Spera einst nicht auf diesen Lorbeeren der Popularität aus, sondern gab ihrem Leben 2010 eine gänzlich neue Wendung, als sie Direktorin des Jüdischen Museums in Wien wurde. Nachdem ihr Vertrag jüngst nicht mehr verlängert wurde, steht nun das nächste Kapitel im Leben der Umtriebigen an, die am Mittwoch (10. August) ihren 65. Geburtstag feiert.

Geboren wurde Spera am 10. August 1957 in Wien als Kind eines jüdischen Vaters, besuchte aber eine katholische Privatschule, konvertierte später aber zum Judentum. Sie studierte Publizistik und Politikwissenschaft in ihrer Heimatstadt und promovierte 1983. Das Thema ihrer Dissertation waren die Wahlkämpfe der Sozialdemokratischen Partei in der Zwischenkriegszeit. Seit 1978 freie Mitarbeiterin des ORF, war sie von 1980 bis 1983 für die Auslandsredaktion in Mittelamerika, Griechenland und Zypern unterwegs.

1987 verbrachte sie als ORF-Korrespondentin in Washington, 1988 übernahm sie die Moderation der "Zeit im Bild" - erst mit Josef Broukal, dann mit Horst Friedrich Mayer und Martin Traxl, zuletzt mit Tarek Leitner. Danielle Spera war auch als Redakteurssprecherin aktiv - sowie von 1990 bis 2002 Lehrbeauftragte am Institut für Publizistik der Universität Wien. In diese Zeit fällt auch ihre Biografie "Hermann Nitsch - Leben und Arbeit" (1999) sowie die Mitbegründung des jüdischen Kulturmagazins "Nu", als dessen Herausgeberin sie mittlerweile fungiert.

Und ungeachtet dieser Ausflüge abseits des Küniglbergs fiel Danielle Spera einst der Abschied vom ORF sichtlich schwer: Als sich die zweimalige Romy-Preisträgerin vom "ZiB"-Publikum mit einem "Danke für Ihre Anerkennung" verabschiedete, versagte ihr beinahe die Stimme. Doch in neuer Funktion fand sie diese alsbald wieder. Das Jüdische Museum mit seinem Haus in der Dorotheergasse 11 sowie der Dependance am Judenplatz wurde unter ihrer Ägide modernisiert, nachdem sie 2010 ihr Amt antrat.

Das wohl größte Vorhaben in neuer Funktion erfolgte bereits zum Auftakt: Gleich zu Beginn ihrer Amtszeit wurde das Jüdische Museum, das 1990 wiedereröffnet wurde (das erste Jüdische Museum in Wien wurde 1895 gegründet und 1938 zwangsweise geschlossen), umfangreich saniert. Am neueren Standort am Judenplatz, der 2000 zeitgleich mit der Enthüllung des Mahnmals für die Opfer des Holocausts von Rachel Whiteread gestartet war, macht man seit dem Vorjahr mit der neuen Dauerausstellung unter dem kraftvollen Titel "Unser Mittelalter!" unter anderem die Grundmauern der einstigen Synagoge unter dem Platz zugänglich.

Im Haupthaus in der Dorotheergasse hingegen wurde 2013 nach einigen Querelen die neue Dauerausstellung "Unsere Stadt!" eröffnet, die das jüdische Wien bis in die Gegenwart zeigt. Zugleich ist das Spektrum, das die Sonderausstellungen an beiden Standorten abdecken, äußerst breit. Simon Wiesenthal wurde dabei genauso gewürdigt wie Amy Winehouse, der Sex im Judentum wie die aus Wien emigrierte Sekretärin von Elvis Presley.

Und doch unterlag die Direktorin im Vorjahr bei der turnusmäßigen Ausschreibung der Museumsleitung gegen Barbara Staudinger, die ihren neuen Posten nun am 1. Juli antrat. Dies wird hoffentlich kein Grund für die Auswanderung auf die sprichwörtliche einsame Insel für Danielle Spera sein, die seit 2017 das Ehrenkreuz und seit heuer das Goldene Wiener Ehrenzeichen ihr Eigen nennt. Sie wüsste aber, was sie dorthin mitnähme, wie sie einst in einem Interview verriet: "Meine Familie, für alle viele Bücher und viel Pasta zur Verköstigung." Von der guten Küche auf fernen Eilanden würde neben den drei Kindern dann auch der Psychoanalytiker und ÖVP-Nationalratsabgeordnete Martin Engelberg profitieren. Mit diesem ist Spera seit 1994 verheiratet.

Quelle: Agenturen