"Care Matters": Die Verteilungsfrage in der Albertina
Als Kooperation mit der Sammlung Verbund, deren Gründungsdirektorin Gabriele Schor die Schau kuratiert hat, sind Werke von 33 Künstlerinnen (und nur vereinzelten Künstlern) aus aller Welt zu sehen. Dabei zeigt sich nicht zuletzt die globale Dimension der Thematik.
Bände sprechen etwa die stummen Fotografien der Peruanerin Natalia Iguiñiz Boggio, die jeweils eine Haushaltshilfe mit einer Hausherrin im Bild vereint. Die in Panama geborene Sandra Eleta indes zeigt Soloporträts von Hausangestellten, die sich mit Stolz der Kamera präsentieren. Von berührender Zweisamkeit zeugt hingegen Akihito Yoshidas Fotostudie "Die Abwesenheit von zwei", in denen der japanische Fotograf über längeren Zeitraum eine Großmutter und ihren Enkel begleitet, bei denen sich über die Jahrzehnte die Pflegeverantwortung verschiebt, wobei aus den Bildern aber immer die Liebe der beiden Protagonisten spricht.
Die deutsche Künstlerin Nicole Wermers positioniert hingegen eine weibliche Aktfigur auf einem Reinigungswagen und damit auf Augenhöhe mit Betrachtenden. Martha Rosler transponiert die althergebrachte Kochshow indes in einen feministischen Diskurs. Schor verbindet somit nicht nur die Kulturräume, sondern auch die Zeitenläufe, wenn sie markante Arbeiten der feministischen Avantgarde der 70er von Karin Mack oder Birgit Jürgenssen zeitgenössischen Positionen gegenüberstellt. Stand einst die dezidierte Auseinandersetzung mit der zugeschriebenen Rolle einer Hausfrau im Vordergrund, stehen bei den ausgewählten neuen Arbeiten eher die Objekte im Zentrum.
Veränderungen und Veränderungsbedarf
"Aus meiner Sicht ist es der Frauenbewegung der 70er-Jahre gelungen, hier eine Veränderung hervorzubringen", konzedierte Schor bei der Präsentation der Schau am Dienstag. Zugleich kranke es selbstredend nach wie vor strukturell an der gleichberechtigten Verteilung von Haushalts- und Familienpflichten, komme zum wohlbekannten Gender-Pay-Gap der Care-Gap.
Gemein ist allen Arbeiten der Schau als roter Faden, dass sie das sichtbar machen, was oft im Unsichtbaren, im nicht-öffentlichen Raum passiert. "Care ist auch eine Haltung, im Sinne von Verantwortung für eine Gesellschaft", umriss Verbund-Vorstandschef Michael Strugl die Motivation für die Ausstellung: "Uns ist wichtig, dass das anerkannt wird."
(S E R V I C E - "Care Matters" von 12. März bis 28. Juni in der Albertina, Albertinaplatz 1, 1010 Wien. www.albertina.at/ausstellungen/care-matters/ )
Zusammenfassung
- Die Wiener Albertina zeigt ab 12. März die Ausstellung "Care Matters" mit Werken von 33 Künstlerinnen aus aller Welt, die sich mit der ungleichen Verteilung von Care-Arbeit beschäftigen.
- Kuratiert von Gabriele Schor in Kooperation mit der Sammlung Verbund, thematisiert die Schau die Sichtbarmachung von oft unsichtbarer Care-Arbeit und vereint feministische Positionen von den 1970ern bis heute.
- Die Ausstellung läuft bis 28. Juni und will laut Verbund-Vorstandschef Michael Strugl deutlich machen, dass "Care auch eine Haltung, im Sinne von Verantwortung für eine Gesellschaft" ist.
