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Bisher größte Vermeer-Schau Deutschlands in Dresden

09. Sept 2021 · Lesedauer 2 min

In einer einzigartigen Ausstellung in der Gemäldegalerie Alte Meister Dresden sind ab Freitag zehn Meisterwerke von Johannes Vermeer (1632-1675) zu sehen. Es ist die bisher größte Schau mit Meisterwerken des bedeutenden niederländischen Barockmalers in Deutschland. "Jede Ausstellung zu Vermeer ist eine Sensation an sich", sagte die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen (SKD), Marion Ackermann, am Donnerstag, da von ihm nur 35 Werke überhaupt bekannt sind.

Zur Ausstellungseröffnung am Abend wurden Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der niederländische Regierungschef Mark Rutte in Dresden erwartet. Im Zentrum der Schau "Johannes Vermeer. Vom Innehalten" steht das berühmte Gemälde "Brieflesendes Mädchen am Fenster" aus eigenem Bestand, das nach vierjähriger Restaurierung und Erforschung erstmals so präsentiert wird, wie der Künstler es schuf. "Es ist ein Schlüsselbild", sagte Galeriedirektor Stephan Koja. Vermeer habe eine Grundkomposition ausprobiert, die dann beibehalten wurde: die stehende Frauenfigur in einem Raum am Fenster, wo von links das Licht hereindringt. "Das markiert den Übergang zu dem reifen Vermeer, den wir kennen und schätzen."

Das im Zeitraum 1657 bis 1659 entstandene Gemälde wurde 1742 für Sachsens Kurfürst Friedrich August II. in Paris erworben und gehört zu den Hauptwerken des Museums. Die Übermalung war seit 1979 bekannt, bisher aber Vermeer selbst zugeschrieben worden. Im Ergebnis eines internationalen Forschungsprojekts gehen die Kuratoren "mit Sicherheit" davon aus, dass diese deutlich nach dessen Tod erfolgte - und von fremder Hand.

Die weniger als einen Millimeter dünne Schicht wurde mit einem Skalpell entfernt und der stehende Liebesgott mit Bogen, Pfeilen und zwei Masken freigelegt, der als "Bild im Bild" die Rückwand des Zimmers ziert. Er verändert die Bildaussage. "Der über dem Mädchen schwebende Knabe macht es deutlich: es liest einen Liebesbrief!", sagte Kuratorin Uta Neidhardt. Das Werk sei auf die Intention von Vermeer zurückgeführt.

Ergänzt werden die Vermeers, darunter Leihgaben aus Europa und den USA, um Bilder niederländischer Fein- und Genremaler sowie um Werke und Gegenstände mit Bezug zur Thematik der Dresdner Briefleserin. Mittels eines sogenannten Weborello, einer digitalen Tour durch die Schau, können Besucher Vermeer auch "sehen lernen", sagte Neidhardt.

Quelle: Agenturen