APA - Austria Presse Agentur

Zweiter Lockdown in Israel soll Corona eindämmen

18. Sept 2020 · Lesedauer 3 min

Die israelische Regierung will mit einem zweiten landesweiten Lockdown eine weitere Ausbreitung des Coronavirus verhindern.

"Ich werde nicht zögern, zusätzliche Beschränkungen zu verhängen, falls die Notwendigkeit besteht", sagte Ministerpräsident Benjamin Netanyahu angesichts der hohen Infektionszahlen der letzten Tage. Eine weitere Verschärfung der Maßnahmen könnte notwendig werden.

Bereits am Freitagnachmittag (14.00 Uhr Ortszeit/13.00 Uhr MESZ) müssen sich die Menschen in dem Mittelmeerstaat erneut mit starken Einschränkungen arrangieren. Ausgangsbeschränkungen und Geschäftsschließungen sollen mindestens drei Wochen gelten.

Viele Länder haben mit lokalen Maßnahmen auf wieder gestiegene Corona-Zahlen reagiert. Israel ergreift nun aber landesweite Maßnahmen und ist damit weltweit ein Vorreiter.

Kritik von der Opposition

Die Opposition kritisiert den Corona-Kurs der Regierung und den zweiten Lockdown scharf. Die Krise hat der Wirtschaft des Landes bereits schwer zugesetzt. Die Arbeitslosigkeit lag im Sommer bei mehr als 20 Prozent. Oppositionsführer Jair Lapid sagte zuletzt, die Bürger würden bestraft, weil die Regierung versagt habe. "Dieser Lockdown ist ein Fehler, er ist ein Desaster."

Wie viele andere Länder auch, hatte Israels Regierung bereits im Frühjahr einen Lockdown verhängt, um die Pandemie einzudämmen. Damit erzielte sie Erfolge; nach Lockerungen stiegen die Zahlen jedoch wieder. Zuletzt kletterte die Zahl der täglichen Neuinfektionen wiederholt auf Rekordwerte. Im Mai lagen sie lange im zweistelligen Bereich.

Während des zweiten Lockdowns sollen nun Schulen und Kindergärten geschlossen bleiben. Auch Hotels, Einkaufszentren sowie Freizeitstätten und Strände müssen schließen. Restaurants dürfen nur noch außer Haus verkaufen. Lebensmitteleinkäufe und Arztbesuche sind aber weiterhin erlaubt. Die Menschen dürfen sich aber nur noch in Ausnahmefällen weiter als 1.000 Meter von ihrem Zuhause entfernen.

Proteste gegen Netanyahu

Unklar blieb, in welchem Umfang sich die Bevölkerung an die Regeln halten wird. Im Lockdown-Zeitraum liegen mit Rosh Hashanah und Yom Kippur wichtige Feiertage. Wöchentlich gab es zudem zuletzt Proteste gegen die Corona-Politik von Ministerpräsident Netanyahu. Verteidigungsminister Benny Gantz kündigte an, die Armee werde die Polizei mit 1.000 Soldaten bei der Durchsetzung der Maßnahmen unterstützen.

Präsident Reuven Rivlin rief die Bürger Israels zu Einigkeit und zu einer gemeinsamen Kraftanstrengung auf. "Wir müssen alles tun, um unter unseren Mitbürgern persönliches, medizinisches und ökonomisches Vertrauen wiederherzustellen", sagte er in einer im Fernsehen ausgestrahlten Ansprache an die Nation. "Dies ist eine zweite Chance, und wir müssen sie nutzen, weil wir, so fürchte ich, keine dritte bekommen werden."

Der bisherige Höchststand an täglichen Neuinfektionen war mit 5.523 für vergangenen Dienstag registriert worden. Vom jüngsten Anstieg der Zahlen sind arabische und ultraorthodoxe jüdische Wohnviertel am stärksten betroffen. Dort leben häufig größere Familien auf engem Raum zusammen, so dass Infektionsketten nur schwer unterbrochen werden können.

Quelle: Agenturen