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Wird das Gesundheitspersonal in Österreich ausreichend getestet?

21. Mai 2020 · Lesedauer 3 min

Gesundheitspersonal soll vorrangig getestet werden. PULS 24 hat bei den österreichischen Landeskrankenhäusern nachgefragt, wie das in der Praxis abläuft. Eines vorab: flächendeckende Tests gibt es nur in einem Bundesland.

Dem Gesundheits- und Pflegepersonal kommt eine besondere Rolle in der Coronakrise zu. Es hält einerseits den versorgungskritischen Gesundheitsbereich aufrecht, andererseits sind die Mitarbeiter einem besonders hohen Ansteckungsrisiko ausgesetzt. Aus diesem Grund sollten sie "prioritär" getestet werden. So steht es zumindest in einer Empfehlung des Gesundheitsministeriums von Ende April. Aber wird das in der Praxis umgesetzt? PULS 24 hat bei den österreichischen Landeskrankenhäusern nachgefragt. Flächendeckende Tests in Krankenhäusern gibt es nur in einem Bundesland.

Steiermark, Oberösterreich und Salzburg: Tests nur bei Verdachtsfällen

In der Steiermark und in Oberösterreich werden Spitalsmitarbeiter nur bei einem "berechtigten" Verdacht auf das Coronavirus getestet. Also dann, wenn sie Symptome haben. "Es macht keinen Sinn flächendeckend zu testen", heißt es aus der Pressestelle der steierischen Krankenanstaltengesellschaft KAGES. Konkrete Zahlen, wie viele Mitarbeiter durchschnittlich getestet werden, gibt es keine. 

In den Salzburger Landeskliniken (SALK) wird das Krankenhauspersonal derzeit ebenfalls nur bei bestehendem Verdacht getestet. Allerdings sind Stichprobentests in Vorbereitung. "Diese Testung wird auf freiwilliger Basis stattfinden", sagt Wolfgang Fürweger, Pressesprecher der SALK. Wann genau die Screenings anlaufen ist noch unklar, vorab müssten noch datenschutzrechtliche Fragen geklärt werden.

Freiwillige Tests in Niederösterreich und Vorarlberg

In Niederösterreich gibt es bereits ein ähnliches Modell. "Derzeit wird jede Woche an einer bestimmten Anzahl an Klinikstandorten eine freiwillige Testung angeboten", sagt Bernhard Jany, Sprecher der Landesgesundheitsagentur Niederösterreich. Insgesamt wurden 5.500 Spitalsmitarbeiter getestet. Das entspricht etwa 30 bis 40 Prozent der Mitarbeiter. Elf der getesteten Personen waren positiv.

Die Landeskrankenhäuser in Vorarlberg setzen ebenfalls auf das Prinzip der Freiwilligkeit. "Prinzipiell haben alle Mitarbeiter die Möglichkeit, sich testen zu lassen, wenn es den Beteiligten wichtig ist", heißt es von der Pressestelle. Zusätzlich werden symptomatische Mitarbeiter getestet. Konkrete Zahlen zu den durchgeführten Tests beim Spitalspersonal gibt es nicht. Sie werden gemeinsam mit den übrigen Tests erfasst.

Stichprobentests in Tirol und Kärnten

In Tirol und Kärnten werden sogenannte Screenings durchgeführt. In den Landeskliniken in Tirol werden stichprobenartig Mitarbeiter jener Abteilungen getestet, die besonders viel Kontakt mit Covid-19-Patienten haben. Bisher wurden 109 Mitarbeiter getestet, alle waren negativ. Insgesamt arbeiten circa 8.500 Mitarbeiter in den Tiroler Landeskliniken.

In den Kärntner Landesspitälern werden unter den rund 8.000 Mitarbeitern 250 Stichprobentests pro Woche durchgeführt. In der vergangenen Woche gab es keinen positiven Fall. Zusätzlich werden in beiden Bundesländern Verdachtsfälle getestet.

Flächendeckende Tests nur im Burgenland

Nur im Burgenland wird das Personal der Landeskliniken seit Mitte April systematisch auf das Coronavirus getestet. In den ersten beiden Mai-Wochen wurden unter den 2.000 Mitarbeitern 1.100 Tests durchgeführt. Spitalsmitarbeiter, die in "Hochrisiko-Bereichen", wie Intensiv- oder Covid-Stationen, arbeiten, werden häufiger getestet, teilweise sogar alle fünf Tage. Seit 1. Mai wurden keine Mitarbeiter mehr positiv getestet, heißt es von der KRAGES.   

Vom Wiener Krankenanstaltenverbund wurde die Anfrage, trotz mehrmaliger Nachfragen, bislang nicht beantwortet.

Mitte April hat Gesundheitsminister Rudolf Anschober flächendeckende Tests für Alten- und Pflegeheime angekündigt. Von den 130.000 Mitarbeitern und Bewohnern wurden bislang knapp 25.000 getestet.

Soraya PechtlQuelle: Redaktion / spe