Wagner: "Ich habe keine Angst mehr vor Wolfgang Fellner"

05. Mai 2021 · Lesedauer 5 min

Katia Wagner und Raphaela Scharf berichten bei Corinna Milborn von ihren Erlebnissen mit Wolfgang Fellner, von Grenzüberschreitungen und unverhohlenen Drohungen.

"Ich habe so eine Angst gehabt, dass ich mich auf dem Damen-WC eingesperrt hab mit einer Kollegin. Wir sind dann wie in einem schlechten Film in einer Kabine drinnen gesessen und haben darüber geredet, dass wir uns auf die Klomuschel stellen müssen, damit, wenn er reinkommt, nicht sieht, dass wir in einer Kabine sind. Wir haben ihn nur draußen gehört. Poltern, schreien, auf der Suche nach mir." Mit diesen Worten schildert "Krone"-Moderatorin Katia Wagner bei PULS 24-Infochefin Corinna Milborn den Moment nach ihrer Kündigung bei "Österreich"-Chef Wolfgang Fellner im Jahr 2014 – bestätigt wird dies gegenüber Milborn von der genannten Ex-Kollegin Wagners, die anonym bleiben will.

Einen Tag zuvor soll Fellner ihr bei einer Besprechung "unverhohlen auf den Arsch gegriffen" haben. Fellner selbst bestreitet alle Vorwürfe, es gilt die Unschuldsvermutung. Es ist nicht das einzige Mal, in dem Wagner von Angst spricht. Sie und die ehemalige "oe24-TV"-Moderatorin Raphaela Scharf berichten bei dem einstündigen Doppelinterview von ihren Erfahrungen mit Fellner, von Grenzüberschreitungen und unverhohlenen Drohungen.

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz: Jede zweite Frau betroffen

Laufende Verfahren

Scharf, die 2019 von Fellner fristlos entlassen wurde, nachdem sie den Vorwurf der sexuellen Belästigung gegen ihn erhoben hatte, wehrt sich vor dem Arbeits- und Sozialgericht (ASG) gegen ihren Rauswurf. In einem weiteren, am ASG anhängigen Verfahren hat Fellner wiederum Scharf auf Unterlassung geklagt und fordert die Rücknahme der Bezichtigungen. Wagner wird beim nächsten Prozesstermin in letzterem Verfahren am 25. Mai als Zeugin aussagen.

Sie wolle sich solidarisch hinter Scharf stellen, sie könne die Vorgänge "zu 100 Prozent bestätigen und ich habe sie am eigenen Leib erfahren". Wagner habe mit vielen Frauen gesprochen, "die nicht den Mut haben, öffentlich aufzutreten und die aber genauso leiden, die jahrelang Angst gehabt haben". So wie sie selbst auch. Aber: "Ich habe keine Angst mehr vor Wolfgang Fellner und vor den Repressalien".

Die Vorwürfe von Wagner sind verjährt, sie hat aber hunderte Seiten an Chatprotokollen und Aufzeichnungen der Gleichbehandlungskommission übergeben – sie liegen PULS 24 vor. Aufgrund des laufenden Verfahrens darf Scharf nicht über die mutmaßliche sexuelle Belästigung sprechen, hätte es aber schon 2019 gern gemacht. Aufgrund einer einstweiligen Verfügung musste sie schweigen.

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Abhängigkeitsverhältnis

Scharf und Wagner berichten von Einladungen zu Klausuren, zu Reisen, zu Abendessen. Wenn man nicht mit Fellner essen gehe, "dann ist man schnell weg vom Fenster, dann wird man fallengelassen wie eine heiße Kartoffel und dann hat man vielleicht keinen Job mehr", beschreibt Scharf das "ungeschriebene Gesetz". Auch Wagner ging mehr als einmal mit Fellner essen, er schickte ihr zahlreiche Chat-Nachrichten. Sie antwortete. Auch mit einem "Herzerl"-Smiley. Warum? "Es war für mich immer ein Spagat, ich habe mir sehr schwer getan, wie ich da gerecht antworte, dass ich einerseits meinen Job behalten kann, aber auf der anderen Seite auf Distanz gehe", erklärt Wagner.

Bei den Abendessen selbst habe Fellner nach fünf Minuten das berufliche Gespräch auf die persönliche Ebene gewechselt. "Mit unangenehmen Feststellungen über das Aussehen, über das Privatleben, über sexuelle Vorlieben", sagt Wagner. Sie habe immer nur leichte Kost gegessen, "weil mir so übel war bei diesen Abendessen, dass ich Angst hatte, dass ich mich im Lokal direkt übergebe, wenn ich Wolfgang Fellner noch länger zuhören muss".

"Du siehst aus wie eine Nutte"

Ein Gespräch zwischen Fellner und Scharf wurde aufgezeichnet. Darin sagt Fellner unter anderem: "Du siehst aus wie eine Nutte". Laut Fellner bezog er sich auf die Kleidung, die Scharf an diesem Tag trug. Kleidung, "die er mir zur Verfügung gestellt hat". Im Laufe dieses Gesprächs habe er sie beschimpft, bedroht und auch gesagt, "es wird lebensgefährlich für dich" – in Anwesenheit des Betriebsrats und der Programmdirektorin.

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"Liebesbriefe"

2017 sorgte Katia Wagner für Schlagzeilen, als ihr Waxing-Studio Probleme mit dem Arbeitsinspektorat hatte. Fellner behauptet, Wagner habe ihm da wieder "Liebesbriefe" geschickt – für Teile des Boulevards in diesen Tagen ein Argument, dass die Vorwürfe von Wagner und Scharf nicht stimmen können.

Auch darüber spricht Wagner im Interview. Sie sei von Reportern des "Österreich"-Medienhauses belagert worden, diese sollen öfter "melde dich doch mal beim Wolfgang" und "liebe Grüße von Wolfgang soll ich dir ausrichten" und "geh, können wir das nicht vergessen und melde dich doch bei ihm" gesagt haben. Sie habe sich dann aus Angst vor schlechter Presse bei ihm gemeldet und "mich bedankt. Und dann ging die ganze Spirale von neuem los".

Was sagt Fellner?

Wolfgang Fellner selbst war zur Sendung eingeladen. Trotz mehrmaliger telefonischer Nachfrage in den letzten Tagen blieb die Einladung aber unbeantwortet. In mehreren Medien bestreitet er alle Vorwürfe – es gilt die Unschuldsvermutung. Gegenüber dem Branchenblatt "Horizont" sagte er, "weil sich das Begrapschen nicht einmal ansatzweise belegen" lasse, würde man die Kritik an der Kleidung nun als "sexuelle Belästigung thematisieren". "Nuttig" hätte man "sicher besser formulieren können, aber von einer sexuellen Belästigung ist das so weit entfernt wie die Fidschi-Inseln von Wien".

Natürlich gebe es einen Sinneswandel, sagt Fellner. Und: "Wenn ich den Prozess gewinnen sollte, wovon ich ausgehe, wird sich herausstellen, dass hier eine letztklassige Vorverurteilung einiger Konkurrenzmedien stattgefunden hat." Bis zum Urteil wird es noch dauern, dieser Prozess wurde auf den 13. September vertagt. Die Einladung von Corinna Milborn, sich den Vorwürfen in einem Interview zu stellen, steht weiterhin.

Mathias MorscherQuelle: Redaktion