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Vorsicht, Fallböen! Wenn der Wind zum Risiko wird

Wind ist unsichtbar. Ob Blätterrascheln oder zerzauste Haare – wir bemerken lediglich die Auswirkungen der mal schwächeren und mal stärkeren Luftströmungen. Deutlich auffälliger sind jedoch Downbursts. Diese intensiven Wetterphänomene bringen dort, wo sie auftreten, oftmals massive Zerstörungen mit sich. Ein Grund, sich dieses Naturereignis genauer anzusehen.

Was sind Downbursts?

Meteorologe Martin Puchegger erklärt:

„Bei einem Downburst stürzt kalte Luft aus einer Gewitterwolke nach unten in Richtung Boden. Dort angekommen strömt sie in alle Himmelsrichtungen davon“

Laut des Wetterexperten werden Fallböen, so der deutsche Begriff, ab einer Windgeschwindigkeit von 119 km/h als Downbursts klassifiziert. Zeugen dieses Wetterereignisses berichten, dass die Abwinde mit einer unvorstellbaren Wucht und Geschwindigkeit auf den Erdboden auftreffen. Der stärkste bislang gemessene Downburst ereignete sich am 1. August 1983 auf dem US-Militärstützpunkt Andrews Field. Die damalige Windmessung ergab 240,5 km/h.

Trockener oder nasser Downburst?

  • Nasser Downburst: Die Wolken hängen tief und sind der Grund dafür, dass Wasser das Zerstörungspotenzial erhöht.
  • Trockener Downburst: Die Wolkenuntergrenze liegt hoch. Das dort gesammelte Wasser hat auf dem Weg nach unten durch trockene Luftschichten Zeit, zu verdunsten. Das Problem: trockene Downbursts sind im Vergleich zu nassen fast unsichtbar und werden somit auch erst (zu) spät erkannt.

Gefahren

Downbursts stellen ein erhebliches Risiko für Gebäude, Flugzeuge, Fahrzeuge und natürlich auch für den Menschen an sich dar. Die Wucht kann enorm sein. Diese Kraft ist an der "Einschlagstelle" am stärksten und schwächt sich mit zunehmendem seitlichem "ausfließen" ab.

Die Gefahren bei Downbursts können vielfältig sein. Neben starken Windböen, die ganze Bäume entwurzeln und Dächer abdecken können, sind es fliegende Trümmer, Überschwemmungen oder umstürzende Bäume, die eine Gefahr für Leib und Leben darstellen. Auch Verkehrsunfälle oder Flugschwierigkeiten können auftreten. 

Werden Strom-, Gas- bzw. Wasserleitungen von umherschmetternden Trümmern innerhalb eines Downbursts getroffen, kann die öffentliche Infrastruktur leiden oder auch zur Gänze lokal zusammenbrechen. Aufgrund dieser Gefahrenpotenziale ist es stets sinnvoll, die lokalen, regionalen sowie die überregionalen Wettermeldungen im Auge zu behalten.

Downbursts: Das Wichtigste in Kürze

Maßnahmen bei Downbursts

Wind kommt auf, eine Gewitterzelle nähert sich und man spürt, dass sich das Unwetter in unmittelbarer Nähe entladen wird. Auch wenn man als Laie kaum etwas Konkretes bzw. Wissenschaftliches über Downbursts weiß, gibt es einige Maßnahmen, die jede Person in einer solchen Gefahrensituation ergreifen kann.

Stabilen Schutz suchen ist das erste Gebot, wenn man sich bei einem Downburst im Freien aufhält. Das alte Gebot, bestimmte Bäume aufzusuchen, ist falsch. Gemieden werden sollten alle Objekte, die umstürzen könnten. Fährt man gerade mit dem Auto, heißt es sofort anhalten und sitzen bleiben. Parken unter Brücken oder in Tunneln ist nicht ratsam, denn diese können von den starken Abwinden beschädigt werden.

Wer sich in einem stabilen Gebäude aufhält, sollte einen fensterlosen Raum, bevorzugt einen Keller, aufsuchen. Geht das nicht, fällt die Wahl auf einen Innenraum auf einer niedrigen Etage. Betroffene sollten den Außenwänden fernbleiben – es besteht Einsturzgefahr. Allgemein gilt – weg von den Fenstern. Nicht nur der Wind könnte sie zerstören, auch umherfliegende Trümmer können diese bersten.

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Bemerkt man, die Wetterlage wird schlimmer und schlimmer, sind regelmäßige Blicke auf die Wetter-App oder die Wettermeldungen im Rundfunk wichtig. Batteriebetriebene Radios sind unabhängig vom Stromnetz. Aktiv sollte man sich im Vorfeld Taschenlampen, Kerzen, Zündhölzer, ausreichend Batterien sowie eine Notfallausrüstung (inkl. Trinkwasservorrat und Erste-Hilfe-Koffer) besorgen. Ist alles vorüber, gilt: Überprüfung der Umgebung auf Schäden und Gefahren.

ribbon Zusammenfassung
  • Downbursts, durch kalte Luft aus Gewitterwolken verursacht, können mit Windgeschwindigkeiten ab 119 km/h massive Zerstörungen bewirken.
  • Der stärkste verzeichnete Downburst erreichte eine Windgeschwindigkeit von 240,5 km/h und zeigt das enorme Gefahrenpotenzial dieser Wetterphänomene.
  • Es wird zwischen nassen und trockenen Downbursts unterschieden, wobei letztere aufgrund ihrer Sichtbarkeit eine besondere Herausforderung darstellen.
  • Downbursts gefährden Gebäude, Verkehrsmittel und Infrastruktur, weshalb Schutzmaßnahmen wie das Aufsuchen fensterloser Räume essentiell sind.
  • Die kontinuierliche Beobachtung der Wetterentwicklung über Apps und Radio ist entscheidend, um auf Downbursts vorbereitet zu sein.