Virologe Nowotny: Breite Impfung gegen Affenpocken nicht notwendig

08. Aug. 2022 · Lesedauer 2 min

Nach der Einschätzung von Virologe Norbert Nowotny ist Aufklärung wichtiger als die breite Impfung gegen Affenpocken. Diese sei bei Kontaktpersonen ausreichend. Er rechnet aber auch damit, dass zukünftig mehr Fälle in Europa auftreten werden und warnt vor dem aggressiveren, zentralafrikanischen Virenstamm.

Italien startet mit einer Impfkampagne in der breiten Bevölkerung gegen Affenpocken. Das sei in Österreich nicht notwendig, ist Virologe Norbert Nowotny im PULS 24 Interview überzeugt, "denn 95 Prozent aller Infektionen betreffen homosexuelle Männer mit häufig wechselnden Sexualpartnern". Viel wichtiger als breiter zu impfen sei gezielte Aufklärung für diese Gruppe. Gelinge das, sei es vollkommen ausreichend Kontaktpersonen von Erkrankten zu impfen, wie es momentan gemacht werde. Den Impfstoff dazu habe Österreich.

Drei Wochen von Ansteckung bis Ausbruch

"Das kleine Problem bei den Affenpocken ist, dass die Inkubationszeit, die Zeit von Ansteckung bis Ausbruch der Krankheit bis zu drei Wochen betragen kann." Ein:e Infizierte:r müsse sich also drei Wochen zurückerinnern und Namen seiner Kontaktpersonen nennen. "Wenn man diese Personen rechtzeitig impft, sollte das ausreichen". Nowotny befürchtet aber, dass die Aufklärung nicht ausreichend greifen könnte.

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Weltweit noch zu wenig Impfstoff

Wer noch die klassische Pockenimpfung bekommen habe, sei zu 85 Prozent geschützt, stecke sich entweder gar nicht an oder habe einen sehr schwachen Verlauf. Die jetzt erhältliche Impfung schütze auch sehr gut, aber weltweit gebe es nicht ausreichend Impfstoff. "Daher soll der Impfstoff für jene benützt werden, die ihn auch brauchen", findet der Virologe.

Zentralafrikanischer Stamm deutlich aggressiver

Nowotny ist sich sicher, dass man zukünftig mehr Fälle der Affenpocken auch bei uns sehen werde, weil auch in den Endemiegebieten in Afrika mehr menschliche Fälle auftreten. Die Affenpocken seien eigentlich früher keine sexuell übertragbare Krankheit gewesen, es sei nun aber eine geworden. "Wir haben hier den westafrikanischen Stamm", erklärt Nowotny. Das sei ein Glück, denn die Sterberate betrage nur maximal ein Prozent, während der zentralafrikanische Virusstamm deutlich aggressiver sei.

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam