APA - Austria Presse Agentur

Verfolgte afghanische Richterin: "Ich habe Angst"

23. Aug 2021 · Lesedauer 2 min

Mit der Machtübernahme durch die Taliban hat sich bereits das Leben vieler afghanischer Frauen verändert. Die Scharia, wie sie von den Taliban ausgelegt wird, sieht Frauen in einigen Berufsgruppen nicht vor - so auch im Justizbereich.

Eine Richterin am afghanischen Supreme Court berichtet von ihrem Versteckspiel vor den Taliban. Seit der Machtübernahme versteckt sich die Frau gemeinsam mit ihrer Familie in einem Keller eines aufgelassenen Lagers. "Ich habe Angst. Ich kann nicht schlafen. Ich vermisse – alles", sagt die Afghanin gegenüber dem "profil".

Richterinnen halten sich versteckt

Die Frau fürchtet um ihr Leben. Schon im Jänner 2021 wurden zwei Kolleginnen von Shalima, so der Name der Afghanin, in Kabul erschossen. Zuletzt wurde auch eine Freundin Shalimas tot aufgefunden. In einer gemeinsamen WhatsApp-Gruppe tauscht sich die Frau mit ihren Kolleginnen aus, die sich ebenfalls versteckt halten. "Wenn eine von uns rausgeht, sind alle anderen dran", wird Shalima zitiert.

Auch die afghanische Studentin Aadilah Amin berichtet von der Ermordung der Richterinnen in Kabul.

Die afghanische Richterin war zuständig für familienrechtliche Angelegenheiten, und wirtschaftsrechtliche Fälle. Wie der "profil" berichtet habe sie in der Vergangenheit einige Taliban-Sympathisanten zu einer Haftstrafe verurteilt. Einige seien nun wieder auf freien Fuß.

Journalistinnen aus Medien verschwunden

Auch in anderen Berufsgruppen bangen Frauen um ihre Sicherheit. So schlug u.a. bereits die Internationale Journalisten-Föderation (IFJ) Alarm wegen des Schicksals zahlreicher Medienvertreter nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan. Für Journalistinnen sei die Lage besonders heikel, erklärte die Organisation. Viele von ihnen suchten daher nach Wegen, das Land zu verlassen. Entgegen der offiziellen Zusicherungen der Taliban, keine Rache anzustreben, gebe es Berichte über gezielte Suchaktionen und Bedrohungen gegen Journalisten, fügte die IFJ hinzu.

Zirak zur Machtübernahme der Taliban: "Das kann man menschlich nicht nachvollziehen"

Manizha Zirak, eine in Österreich lebende Afghanin, spricht mit PULS 24  über die Lage in Afghanistan.

Angela PerkonigQuelle: Agenturen / Redaktion / pea