APA - Austria Presse Agentur

Tschetschenische Sittenwächter: Bereits elf Beschuldigte

09. Sept 2020 · Lesedauer 2 min

Mitte August war von der Wiener Polizei von tschetschenischen Sittenwächtern berichtet worden, die Landsfrauen bei zu westlichem Auftreten bedroht hatten. Seither sind die Ermittlungen weitergegangen und elf Beschuldigte namentlich bekannt. Zudem wurden einige Gigabit Daten beschlagnahmt, die weitere Straftaten zeigen - Waffenhandel, Freiheitsentziehung, schwere Körperverletzung und Kfz-Diebstahl.

Die hierarchisch strukturierte Gruppierung soll seit zumindest Anfang des Jahres agiert haben. Die Mitglieder sollen die in ihr Visier geratenen Frauen, in manchen Fällen auch deren Partner und Familien, belehrt, bedroht und verfolgt haben - und zwar, wenn sich diese nicht den Wertvorstellungen der Beschuldigten entsprechend verhalten hatten. Ein Foto in Badebekleidung oder eine Beziehung zu einer nicht tschetschenisch-stämmigen Person hatte ausgereicht. Ins Rollen war der Fall gekommen, nachdem sich eine Betroffene an die Polizei gewandt hatte

Die Organisation war auch in geheimen Chatgruppen auf verschiedenen Plattformen organisiert. Die Gruppe führte akribisch Akten von Hunderten Frauen, in denen sowohl deren Aktivitäten im Internet als auch im öffentlichen Raum dokumentiert wurden, berichtete Polizeisprecher Paul Eidenberger am Mittwoch.

Mittlerweile wurden elf verdächtige Tschetschenen namentlich ausgeforscht, darunter eine Frau. Davon befinden sich derzeit vier Personen in Untersuchungshaft, wobei die Anzeigen auf Gründung einer kriminellen Vereinigung sowie eines verbrecherischen Komplotts und Nötigung lauten.

Aufgrund der bisher gesichteten Daten dürfte es aber eine hohe Dunkelziffer weiterer Täter geben, die in verschiedenen Formen den bereits bekannten Sittenwächtern zugearbeitet hatten. Auf Opferseite sind derzeit zehn Frauen bekannt. Die Zahl der Betroffenen könnte aber durchaus im dreistelligen Bereich liegen, da es sichergestellte "Akten" von Hunderten jungen Frauen gibt. Da viele davon noch nicht identifiziert werden konnten, weiß man nicht, ob diese von der Gruppierung belästigt und damit zu Opfern wurden.

Bereits seit mehreren Wochen werden die Chatprotokolle, Bilder und Videos gesichtet und ausgewertet, fertig ist man damit aber noch lange nicht, so Eidenberger. Gesichert wurden auch Videos, auf denen bis dato Unbekannte Personen körperlich misshandeln werden. Die Beamten ermitteln zudem in Sachen Waffenhandel, Freiheitsentziehung, schwere Körperverletzung und Autodiebstahl.

Quelle: Agenturen